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Ein Hoch auf die Zufriedenheit
Grafik: SWP
Glücksatlas

Ein Hoch auf die Zufriedenheit

Ja, es gibt sie in Deutschland: Wutbürger, Meckerer, ständig Unzufriedene. Doch laut Glücksatlas befinden sich die Menschen – statistisch betrachtet – in gehobener Stimmung.

08.11.2017
  • MICHAEL GABEL

München. Terroranschläge, Flüchtlingszustrom, internationale Spannungen – es wäre verständlich, wenn die Deutschen ihre persönlichen Lebensumstände derzeit nicht allzu positiv bewerten würden. Der Glücksatlas der Deutschen Post stellt aber eine andere Tendenz fest: Die Zufriedenheit ist mit 7,07 Punkten auf der Skala von null bis zehn im Schnitt ebenso hoch wie im vergangenen Jahr (7,11) und damit deutlich höher als in den Jahren zuvor.

Der Mitautor der Studie, der Freiburger Finanzwissenschaftler Bernd Raffelhüschen, nennt als Gründe der Zufriedenheit die gute materielle Situation der meisten Deutschen infolge des wirtschaftlichen Aufschwungs und die Lohnzuwächse. Infolgedessen könnten sich die Menschen „zehn Prozent mehr leisten als vor zehn Jahren“.

Ökologie kommt an

Gefragt worden ist bei der repräsentativen Erhebung, die unter anderem vom Meinungsforschungsinstitut Emnid durchgeführt wurde, nach der Lebenszufriedenheit auf den Feldern Haushaltseinkommen, Arbeit, Wohnung/Freizeit, Gesundheit sowie unter der Überschrift „Alles in allem“. Das diesjährige Schwerpunktthema war Ökologie und Nachhaltigkeit. Ergebnis: Persönliches Engagement auf diesen Gebieten bereichert das eigene Leben.

Was die Lebenszufriedenheit angeht, fallen die Ergebnisse in Ost und West nach wie vor unterschiedlich aus. Die Westdeutschen sind zufriedener als die Menschen im Osten, die jedoch gegenüber früheren Umfragen aufgeholt haben.

„Die Lebensverhältnisse haben sich noch nicht angeglichen, aber es ist viel passiert“, konstatiert Raffelhüschen. Die Deutschlandkarte zeigt aber immer noch eine Ost-West-Grenze, und diese spiegelt sich auch in der Regionen-Rangliste wider. Schleswig-Holstein (7,43, plus 0,2) liegt mit einigem Abstand an der Spitze, Sachsen-Anhalt (6,83, plus 0,5) ist Letzter.

Für Baden-Württemberg bietet sich ein gemischtes Bild. Während Baden mit 7,28 (plus 0,7) von Platz vier auf drei (von 19) geklettert sind, fiel Württemberg (7,14, minus 0,1) von neun auf elf.

Hohe Wohnkosten

Die Studienautoren sprechen zurückhaltend von unterschiedlichen „regionalen Mentalitäten“. In Württemberg, so vermuten sie, dürften sich zudem „die hohen Wohnkosten negativ auf das Lebensglück auswirken“. Der Anteil der Mietkosten am Einkommen liegt bei 36,0 Prozent, das ist der zweithöchste Wert für ein Flächenland nach dem für Hessen (38,0 Prozent).

Warum aber sind die Menschen in Schleswig-Holstein so glücklich, wo es doch den Süddeutschen materiell besser geht? Ein Grund könnte die Nachbarschaft des Bundeslandes zu Dänemark sein, dem Seriensieger in europaweiten Umfragen. Die Dänen pflegen ihre Freundschaften, sind gesellig. Außerdem: Sie legen großen Wert auf Gemütlichkeit und Geborgenheit.

„Hygge“ heißt dafür das dänische Wort. Jenseits der Grenze in Schleswig-Holstein scheint man unter gutem Leben Ähnliches zu verstehen.

Zum Glück gehören Erfolgserlebnisse

Arbeit zu haben ist wichtig fürs Glücklichsein, sagt die Psychologin Judith Mangelsdorf von der Deutschen Gesellschaft für Positive Psychologie.

Wieso werden Menschen unzufrieden? Judith Mangelsdorf: Unzufriedenheit ist das Resultat des Differenz erlebens zwischen Haben und Wollen, Gegenwart und Vergangenheit und mir und anderen. Wenn ich mir Dinge im Leben wünsche, sie aber nicht bekommen kann, ich früher etwas hatte, das mir heute fehlt, zum Beispiel eine Beziehung, oder mir wichtige Bezugspersonen ein besseres Leben führen als ich, dann macht das unzufrieden.

Wie können Menschen glücklicher werden? Der amerikanische Psychologe Martin Seligman hat gesagt, dass Glück auf fünf Säulen steht: positiven Emotionen, bedeutungsvollen Beziehungen, persönlichen Stärken, dem Kennen des eigenen Lebenssinns und dem Erleben von Erfolg.

Ostdeutsche sind weniger zufrieden als die Westdeutschen. Warum? Wahrscheinlich wegen einer der Folgen durch die Wiedervereinigung: Arbeitslosigkeit. Arbeit zu haben ist eine der wichtigsten Quellen für Sinn erleben, für soziale Beziehungen und die Möglichkeit, die eigenen Stärken einzusetzen. Damit ist Arbeit eine zentrale Quelle für Glück.

Warum sind Menschen in armen Ländern wie Bangladesch laut Umfragen zufriedener als Deutsche? Soziale Gerechtigkeit ist wichtiger für die Lebenszufriedenheit als Geld an sich. Wenn alle arm sind, habe ich weniger Differenzerleben, als wenn ich arm, aber mein Nachbar reich ist. ⇥mg

Ein Hoch auf die Zufriedenheit
Judith Mangelsdorf Diplom-Psychologin, MAPP, MEd. Institutsleitung DGPP Deutsche Gesellschaft für positive Psychologie. Foto: SWP:

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08.11.2017, 06:00 Uhr
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