Ravensburg

Ehefrau erwürgt und Unfall vorgetäuscht? Mann vor Gericht

Von dpa/lsw

Wegen Mordes an seiner Ehefrau muss sich seit Donnerstag ein 35 Jahre alter Mann aus dem oberschwäbischen Hoßkirch vor dem Landgericht Ravensburg verantworten.

Ravensburg. Er soll die 30-Jährige Ende Februar in der gemeinsamen Wohnung erwürgt und anschließend einen Autounfall inszeniert haben, um die Tat zu vertuschen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Mord aus niederen Beweggründen vor. Die Verhandlung wurde nach der nur wenige Minuten dauernden Verlesung der Anklage vertagt, weil der psychiatrische Sachverständige nicht zum Prozessauftakt geladen worden war.

Als Tatmotiv werden laut Staatsanwaltschaft erhebliche Ehestreitigkeiten vermutet. Der Angeklagte habe befürchtet, nach einer Trennung nur noch «Wochenend-Papa» zu sein und Unterhaltszahlungen für seine Frau und die beiden gemeinsamen Kinder leisten zu müssen, sagte der Staatsanwalt. Zudem soll er eine Geliebte gehabt haben, wobei die Ehefrau ihm wohl im Wege gestanden habe.

Laut Anklage fuhr der Mann die Leiche der Frau zu einem Acker und platzierte sie dort auf dem Fahrersitz. Dann habe er vom Beifahrersitz des Automatik-Autos aus einen Unfall inszeniert. Dabei wurde er selbst schwer verletzt. Die Eltern und der Bruder des Mordopfers rangen sichtlich um Fassung als der Angeklagte am Morgen den Gerichtssaal betrat und sie dann Einzelheiten der Anklage mit anhörten.

Spaziergänger hatten die tote Frau und den schwer verletzten Mann entdeckt. Er lag etwa 100 Meter vom Auto entfernt. Das Auto stand mit laufendem Motor und eingeschaltetem Licht auf dem Acker. Die Verletzungen soll sich der Mann während der Fahrt über den Acker zugezogen haben. «Wir gehen davon aus, dass er nicht angeschnallt war», sagte der Staatsanwalt.

Zweifel an der Todesursache der Frau waren aufgekommen, weil die Schäden am Auto nach Einschätzung von Experten nicht zu einem tödlichen Verkehrsunfall passten. Zudem hatte die Familie des Opfers auf eheliche Probleme hingewiesen. Eine Obduktion der Toten ergab, dass die Frau vermutlich gewürgt worden war und erstickte. «Die Frau hatte Einblutungen in den Augen und einen eingedrückten Kehlkopf», sagte der Staatsanwalt.

Bei seiner Vernehmung hatte der 35-Jährige laut Staatsanwaltschaft angegeben, sich wegen seiner Verletzungen an nichts erinnern zu können. Er könne sich nicht vorstellen, seine Frau umgebracht zu haben. Ein Verhältnis zu einer Geliebte habe er bestritten, Eheprobleme jedoch eingeräumt. Der Prozess ist auf zwölf Verhandlungstage angesetzt. Ein Urteil wird im Februar erwartet.


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09.11.2017 - 07:03 Uhr