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EU will E-Autos erzwingen
Bald nur noch Autos mit einem 4-Liter-Verbrauch? Zumindest rechnerisch plant dies die EU. Foto: dpa
Umwelt

EU will E-Autos erzwingen

Neue Abgas-Grenzwerte, ein Anreizsystem und eine Milliarde Euro Unterstützung sollen dem Elektro-Antrieb zum Durchbruch verhelfen.

09.11.2017
  • CHRISTIAN KERL

Brüssel. Die EU-Kommission hat ihren mit Spannung erwarteten Vorschlag für die Abgas-Grenzwerte im kommenden Jahrzehnt vorgelegt. Bliebe es bei der Dominanz des Verbrennungsmotors, dann ließen sich die Kohlendioxid-Vorgaben ab 2030 wohl nur mit Autos erreichen, die 2 Liter Benzin auf 100 Kilometer verbrauchen. Doch hinter den Auflagen steckt das Kalkül, in Europa in wenigen Jahren dem im Betrieb emissionsfreien Elektroauto zum Durchbruch zu verhelfen.

Der Plan: Der Flottengrenzwert von 95 Gramm Kohlendioxid (CO2) pro Kilometer, der bereits verbindlich ab 2021 vorgeschrieben ist, soll bis 2030 um zusätzliche 30 Prozent unterschritten werden. Für 2025 könnte ein Zwischenziel von minus 15 Prozent gelten. Allerdings: Schon der CO2-Grenzwert für 2021 ist nur mit einem Durchschnittsverbrauch von 4 Litern pro 100 Kilometer erreichbar. Die Hersteller liegen derzeit noch weit darüber. Statt der angepeilten 95 Gramm CO2 liegt der Flottenemissionswert im Schnitt bei etwas über 120 Gramm.

Verfehlen die Autobauer die Vorgaben, drohen milliardenschwere Sanktionen. Auch die Überschreitung der geplanten neuen Grenzwerte soll Geldstrafen zur Folge haben. Energie-Kommissar Arias Cañete betonte, die Einhaltung der Ziele werde künftig strenger kontrolliert. Dazu würden Verbrauchsanzeigen für alle Neuwagen vorgeschrieben.

Auf die ursprünglich angedachte verbindliche Quote für Elektroautos verzichtete die Kommission. Stattdessen ist ein Anreizsystem geplant: Wenn die Unternehmen ihren Anteil an abgasarmen oder abgasfreien Modellen rasch steigern, sollen sie beim Erreichen der CO2-Ziele Bonuspunkte bekommen.

Kommissar Cañete versicherte, bis 2025 könne die Massenproduktion sauberer Elektroautos in Europa erreicht sein. Er mahnte allerdings, dazu müssten die Hersteller die Preise senken, die derzeit vor allem wegen der hohen Batteriekosten höher sind als bei Autos mit Verbrennungsmotor. Zur Förderung des Stromer-Absatzes will die EU mit 800 Mio. EUR den Ausbau des Ladesäulennetzes vorantreiben; die fehlende Infrastruktur ist bislang eines der großen Hindernisse für den E-Auto-Verkauf. Zudem sollen 200 Mio. EUR in die Batterieentwicklung fließen.

Cañete sagte, die Neuregelung werde nicht nur den Klimawandel bekämpfen und die Luft in Europas Städten verbessern, sondern Verbrauchern wegen geringerer Spritkosten auch Hunderte von Euro an Einsparungen an der Zapfsäule bringen.

Auf die Autohersteller rollen mit den Vorgaben indes deutlich höhere Kosten für die Entwicklung neuer Technologien zu. Der jetzt vorgezeichnete Umstieg auf die Elektroauto-Technologie sei mit großen Unwägbarkeiten behaftet, heißt es in der Branche. Ob die Stromautos von den Kunden angenommen und die Infrastruktur rechtzeitig erweitert werde, sei völlig unklar, warnte der VDA. Im ersten Halbjahr 2017 betrug der Anteil von E-Autos bei den Neuverkäufen in ganz Europa gerade einmal 1,2 Prozent. Die Branche hatte deshalb ein CO2-Minderungsziel von 20 Prozent bis 2030 vorgeschlagen – und sich vergeblich gegen ein verbindliches Zwischenziel für 2025 gewehrt, das wegen der kurzen Zeit als sehr schwer erreichbar gilt. Auch in der Kommission wurde noch in dieser Woche heftig um die Grenzwerte gestritten. Unter den Kommissaren hatten sich zwei Lager gebildet – noch strengere Vorgaben forderte unter anderem die Industriekommissarin Elzbieta Bienkowska, der deutsche Haushalts-Kommissar Günther Oettinger warnte dagegen vor einer Überforderung der Fahrzeugbauer.

Bis zuletzt hatten auch Lobbyisten der Autoindustrie und der Umweltverbände versucht, Einfluss zu nehmen. Kommissar Cañete kommentierte das milde: „Ich bin nicht unter Druck gesetzt worden, wir haben unsere Arbeit frei erledigt.“

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09.11.2017, 06:00 Uhr
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