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E-Bikes und Pedelecs: Zahl der Unfälle ist stark gestiegen
Schnell mal durch die Stadt flitzen: mit einem Pedelec ganz einfach. Doch auch riskanter als mit einem normalen Fahrrad. Foto: dpa
Risiken der Elektromobilität

E-Bikes und Pedelecs: Zahl der Unfälle ist stark gestiegen

Seit immer mehr Menschen mit Pedelecs und E-Bikes fahren, steigt die Zahl der Unfälle damit. Sie steigt viel schneller als die Zahl der Fahrradunfälle insgesamt. Auch das Alter spielt eine Rolle.

11.01.2017
  • ELENA KRETSCHMER

Ulm. In die Pedale treten und sich dabei vom Elektromotor unterstützen lassen. Das ist das Prinzip der Pedal Electric Cycles, kurz Pedelecs. Im Volksmund werden sie gerne E-Bikes genannt, auch wenn der Begriff nicht korrekt ist (siehe Info-Box). Immer mehr Menschen in Deutschland finden Gefallen an dieser Art der Fortbewegung und legen sich ein Elektrorad der einen oder anderen Art zu.

Aber je mehr Pedelecs auf den Straßen unterwegs sind, desto mehr Unfälle passieren. Im Jahr 2016 ist ein neuer Höchststand erreicht worden, geht aus Übersichten des Statistischen Bundesamtes und der Landesämter hervor. Von Januar bis September sind 3214 Unfälle mit Pedelecs passiert. 46 Menschen kamen dabei ums Leben. Das waren 39 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum 2015. Damals waren es 2313 Unfälle, 26 Menschen starben.

In Baden-Württemberg sieht es ähnlich aus: Von Januar bis Oktober 2015 sind 543 Menschen mit ihren Pedelecs verunglückt, sieben kamen ums Leben. Im gleichen Zeitraum 2016 waren es 709 Verunglückte, das waren rund 31 Prozent mehr. Neun Menschen starben dabei.

Auffällig ist, dass die Zahl der Fahrradunfälle (Pedelecs zählen zu den Fahrrädern) deutlich weniger stark gestiegen ist, nämlich nur um rund 6 Prozent. 2015 waren es 61 358, im Jahr darauf 64 964. In Baden-Württemberg nahm die Zahl der Radlerunfälle von 2015 bis 2016 um ebenfalls rund 6 Prozent zu.

E-Bikes hingegen zählen zu den Kleinkrafträdern. Die Zahl der Unfälle damit ist von 294 im Jahr 2015 auf 367 im Jahr 2016 gestiegen, sprich um 25 Prozent, jeweils von Januar bis September. In Baden-Württemberg waren es rund 12 Prozent.

Mehr Unfälle ab 65

Woher kommt diese Zunahme? Stephanie Krone, die Pressesprecherin des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC), ist überzeugt: „Der Anstieg der Unfallzahlen liegt an der steigenden Zahl der Pedelecs, die gekauft und gefahren werden. Oder anders gesagt: Die Zahl der Unfälle ist nicht stärker gestiegen als die Zahl der Pedelecs.“

Nach Einschätzung des Zweiradindustrieverbandes bewegte sich die Zahl der Pedelecs und zulassungspflichtigen E-Bikes auf deutschen Straßen im Jahr 2015 bei rund 2,5 Millionen. 2016 dürften noch einmal rund 560 000 hinzugekommen sein. Das ist ein Plus von 22 Prozent.

Siegfried Brockmann, der Leiter der Unfallforschung der Versicherer (UDV), stimmt Krone zu. Immer mehr Pedelecs würden verkauft, gerade auch an Senioren. „Sie bilden eine neue Nutzergruppe, die jetzt wieder ungeschützt auf dem Zweirad sitzt.“

Passieren diese Unfälle also vor allem alten Leuten? Könnten sie ein Grund für die steigenden Unfallzahlen sein, weil sie dank der Elektroräder wieder vermehrt am Straßenverkehr teilnehmen? Ein Schaubild des Statistischen Bundesamtes legt den Zusammenhang nahe: Die Zahl der getöteten Fahrrad- und Pedelecfahrer ab 65 Jahren hat sich nahezu vervierfacht.

Krone betont dennoch: „Pedelecs sind nicht gefährlicher als normale Fahrräder, das haben mehrere Studien gezeigt.“ Sie verweist auf eine entsprechende Masterarbeit für die Deutsche Hochschule der Polizei sowie eine Studie der UDV.

Sie rät grundsätzlich allen Pedelec-Anfängern: „Wer viele Jahre nicht mehr Fahrrad gefahren ist, sollte sich vor der ersten Ausfahrt ausführlich mit dem Antriebs- und Bremsverhalten vertraut machen, beispielsweise bei einer Probefahrt in verkehrsarmem Gelände.“

Das Fahrverhalten sollte man sich vor dem Kauf erklären lassen, sagt Jürgen Enderle von der Koordinierungsstelle Verkehrsunfallprävention beim Landeskriminalamt. Ein Pedelec beschleunige und bremse anders und schneller als ein Fahrrad.

Wie unterscheiden sich Pedelecs und E-Bikes?

Das Pedelec fährt bis zu 25 Stundenkilometer schnell. Der Elektromotor geht nur an, wenn der Fahrer in die Pedale tritt. Es kann ohne Versicherungskennzeichen auf Radwegen gefahren werden. Helmpflicht besteht nicht.

Eine Abwandlung ist das S-Pedelec, das bis zu 45 Stundenkilometer schnell fährt. Auch hier wird der Fahrer beim Treten vom Motor unterstützt. Für diese Fahrzeuge sind ein Führerschein sowie ein Versicherungskennzeichen erforderlich. Es besteht Helmpflicht, das Mindestalter liegt bei 16 Jahren.

Ein E-Bike wird von offizieller Seite so bezeichnet, wenn es 20 bis 45 Stundenkilometer schnell fährt – komplett ohne Treten, mit Hilfe eines Hebels. Da es zu den Kleinkrafträdern zählt, benötigt der Fahrer einen Führerschein Klasse AM, ein Versicherungskennzeichen und muss einen Helm tragen. Radwege dürfen nur in Ausnahmefällen befahren werden. ek

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11.01.2017, 06:00 Uhr
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