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Das neue Haus mit der Nummer 112

Dußlinger Feuerwehr feierte ihr 150-jähriges Bestehen

Eine Hundertfünfzigjährige, die ein neues Haus bezieht und gleich noch ein Riesenfest ausrichtet: Die Dußlinger Feuerwehr schafft das locker. Jubiläum, Kreisfeuerwehrtag, Übergabe des neuen Hauses – alles an einem Wochenende.

26.07.2010
  • von Jürgen Jonas

Dußlingen. 54 Jahre war die Feuerwehr An der Steinlach 2 beheimatet. Die alte Adresse gilt nicht mehr. Das neue Haus der Dußlinger Feuerwehr hat ganz passend die Adresse Hechinger Straße 112 bekommen. Gestern wurde es offiziell übergeben. „Ein ganz besonderer Tag“ für die Gemeinde, wie Bürgermeister Thomas Hölsch sagte, nach dem ökumenischen Gottesdienst in der Fahrzeughalle, den Gabriele Ruppert von der katholischen, Matthias Adt von der evangelischen und Rudi Münz von der methodistischen Kirche gestalteten, gemeinsam mit dem Chor „Licht und Salz“. Das Kreisfeuerwehrfest hatte schon am Freitagabend begonnen, als die Feuerwehrleute öffentlich ihre Leistungsprüfungen ablegten. Am Samstag war ganztags Programm, mit Show-Übungen und dem Großen Zapfenstreich am Abend.

Hölsch hob in seiner Ansprache Ästhetik, Funktionalität und Wirtschaftlichkeit des Hauses hervor, das er mit Freude und Stolz „die Visitenkarte der Gemeinde“ nannte, da es nicht nur den Kameraden der Feuerwehr, sondern dem ganzen Ort gehöre. Er schilderte noch einmal den Weg, der zurückzulegen war seit der Forderung der Unfallkasse, bis 2010 ein neues Haus zu erstellen. Das Gefährdungspotenzial im alten Haus war zu groß, es entsprach nicht mehr dem Standard. Den Zuschlag für den Neubau hatte das Nürtinger Büro Weinbrenner Single Arabzadeh im April 2008 erhalten, Richtfest war im Oktober 2009. Das Haus sei architektonisch und städtebaulich überaus ansprechend, die Kostenobergrenze von drei Millionen Euro eingehalten.

Großen Beifall erhielt Kommandant Günther Keinath, dem Hölsch für seine „ungewöhnliche Einsatzbereitschaft“ dankte. Landrat Joachim Walter lobte die Gemeinde und ihr neues Gebäude an dem hervorragend geeigneten Standort, das ohne Kreditaufnahme zustande gekommen sei, und wünschte möglichst wenige Einsätze.

Architekt Afshin Arabzadeh bedankte sich bei Gemeinde, Feuerwehr und allen am Bau Beteiligten für die gute Zusammenarbeit und besonders für die Vorschläge der Feuerwehrpraktiker. So sei ein markantes Gebäude entstanden, bestens geeignet für die schnellen Abläufe, die oftmals notwendig seien, und „der Vorbeifahrende erhält einen bleibenden Eindruck, ohne den Ort überhaupt betreten zu müssen“.

Der Feuerwehrkommandant der Partnergemeinde Mezzocorona, Corrado Betta, freute sich der „guten Investition“ und meinte: „Die Dußlinger Feuerwehrleute haben das verdient!“ Keinath, dessen Frau Petra die deutschen Beiträge für die italienischen Gäste übersetzte, stand die Freude übers neue Domizil im Gesicht. Viel Arbeit habe man hineingesteckt, „es ist am Ende etwas Gutes dabei herausgekommen“, ein Zweckbau, der genau den Bedürfnissen vor Ort entspreche.

Der Architekt übergab den gebackenen Schlüssel an Hölsch, der ihn gleich an Keinath weiterreichte. Geschenke gab es auch, Kreisbrandmeister Karl Herrmann übergab eine Wetterfahne für das Dach des Hauses, ein Beamer kam von der Kreissparkasse und ein Sankt-Florian-Bild von einem Dußlinger Hobby-Maler. Das Streichquartett der Jugendmusikschule Steinlach unter Leitung von Dietrich Schöller-Manno spielte den Finalsatz von Mozarts Streichquartett Nr. 4 und Haydns Russisches Quartett. Danach waren die Gäste zu Besichtigungsgängen eingeladen, ließen sich Schulungsräume, Werkstatt, Lagerräume und Küche zeigen.

Das riesige Festzelt füllte sich, die Kinder bemächtigten sich der Hüpfburg, der Eismann zog auf. Dann gehörte der Feuerwehr die Straße. Zahllose Zuschauer füllten die Bürgersteige, als der Festzug sich weit hinten im Dorf sammelte und an der Gaststätte Hirsch um die Ecke bog, um am Lautsprecherwagen vorüberzuziehen, von dem Kreisbrandmeister Herrmann für die Zuschauer kommentierte. Die Feuerwehr im Landkreis zeigte den Zuschauern ein buntes Bild, begleitet von zahlreichen Musikvereinen, angeführt von den Traditionsfahnen, denen die Jugendfeuerwehren folgten, die Steckleiterteile mit sich trugen. Dazwischen Hundertschaften aus den Löschbezirken in Einsatzkleidung. Und natürlich historische Raritäten wie die älteste erhaltene Feuerspritze von 1785, aus Entringen kommend. Inschrift: „Bei einem großen Brand wird mein Werk anerkannt.“

Die Breitenholzer Spritze von 1835, die Bad Niedernauer von 1843, die Öschinger von 1876 und andere machten den Zug zu einem fahrbaren Museum. Wunderschöne Pferde zogen die altertümlichen Zeugen der Entwicklung der Feuerwehrtechnik. Die Ofterdinger führten den einzigen im Kreis erhaltenen Pferdezugmannschaftswagen von 1864 spazieren. „So sah der MTW früher aus“, meinte Herrmann. Baisingen kaufte die letzte Spritze im Landkreis ein, zum Schnäppchenpreis damals, weil ihre Zeit unerbittlich ablief.

Heute verfügt die Feuerwehr im Kreis über 150 meist hochmoderne Einsatzfahrzeuge, von denen auch einige vorbei fuhren. Aber auch die Oldtimer-Kultur wird von den einzelnen Wehren gepflegt, auch davon wurde ein Querschnitt gezeigt, „alles, was Schnauze hat, ist Oldtimer“, kommentierte Hermann. Der Zug bewegte sich in Richtung neues Feuerwehrhaus, wo es im Festtagstrubel noch etliche Darbietungen gab, Übungen im Brandcontainer oder die artistische Meisterleistung der Feuerwehrmänner aus Mezzocorona, die auf ihren Leitern eine Sprossenpyramide bildeten.

Dußlinger Feuerwehr feierte ihr 150-jähriges Bestehen
Ein Festumzug gehört einfach zum Kreisfeuerwehrtag – und die Dußlinger hatten gleich mehrere Gründe zum Feiern. Bild: Franke

Dußlinger Feuerwehr feierte ihr 150-jähriges Bestehen
Mit zwei PS zum Löscheinsatz: So arbeitete die Feuerwehr früher mal. Beim Festumzug war auch historisches Gerät zu sehen. Bild: Franke

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26.07.2010, 12:00 Uhr
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