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„Drohnen lösen keine Probleme“
Eine Paket-Drohne der Deutschen Post. Foto: dpa
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„Drohnen lösen keine Probleme“

Die Lieferung von Paketen an die Haustür wird schwieriger. In diesem Jahr werden 3,3 Milliarden Sendungen zugestellt. Es muss sich einiges ändern, sagt PwC-Logistikexperte Alfred Höhn.

02.12.2017
  • THOMAS VEITINGER

Ulm. In der Vorweihnachtszeit wird es besonders eng auf Deutschlands Straßen: 135 000 Zusteller liefern Weihnachtsgeschenke – 25 000 mehr als 2016. Unternehmensberater Pricewaterhouse Coopers hat nach Wegen für die städtische Logistik gesucht. Der Leiter „Öffentlicher Sektor“ Alfred Höhn kennt Lösungen aus der Interneteinkaufsfalle.

Wann kommt es zum Verkehrskollaps in deutschen Innenstädten?

Alfred Höhn: Davon sind wir noch ein Stück entfernt. Natürlich erleben wir gerade einen enormen Anstieg des Logistikverkehrs. In den kommenden Jahren dürfte die Zahl der ausgelieferten Pakete weiter von 3 auf 4 Milliarden pro Jahr steigen. Dies hat auch mit der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung zu tun. Aber der Verkehr wird deshalb nicht überall zusammenbrechen. Auf dem Land und in kleineren und mittleren Städten gibt es ganz andere Bedingungen als in Großstädten, in denen es bereits heute zeitweise sehr eng wird.

Wann nahm die Zustellung eigentlich so stark zu?

Vom Jahr 2000 bis zum Jahr 2015 hat sich die Menge der Sendungen von 1,5 Mrd. auf 3 Mrd. verdoppelt. In die Zukunft geblickt wird diese Entwicklung nicht linear, sondern sogar noch stärker zunehmen. Lebensmittel etwa werden heute noch relativ stationär vertrieben, das dürfte in Zukunft anders werden.

Was hat das für Auswirkungen auf den Handel?

Für den stationären Handel ist der steigende Online-Handel eine Bedrohung. In kleineren Städten droht eine weitere Verödung der Innenstädte. Die Online-Händler selbst entwickeln sich mehr und mehr zu Logistikern, die immer ausgefeiltere Software einsetzen. Der deutsche Kunde möchte eine versandkostenfreie Lieferung haben. Für den Zulieferer entstehen jedoch Kosten, auch deshalb hat er Interesse, effizienter und dadurch günstiger zu liefern.

Die Menge ausgelieferter Lebensmittel soll um 21 Prozent wachsen.

Kunden können sich laut Umfragen vorstellen, online noch weit mehr einzukaufen als bisher. Bei frischen Lebensmitteln, bei der Grundversorgung allgemein wird es Zuwächse geben. Die Supermärkte von morgen werden nicht mehr so aussehen wie heute.

Logistik-Unternehmen haben zu wenig Flächen zum Lagern, Be- und Entladen in Innenstädten und einen engen Zeitrahmen für Lieferungen in Fußgängerzonen.

Stimmt. Deshalb steht für mich ein Wort über allem und das ist das heißt: teilen. Wir müssen viel mehr teilen. Das fängt schon bei der Zahl der Lieferfahrzeuge an. Da sind die Kapazitäten bei weitem nicht ausgenutzt. Hier müssen die Händler stärker nachdenken, wie sie zu einem gemeinsamen System kommen.

Und weiter?

Es muss überlegt werden, wie sich der öffentlichen Raum intelligenter teilen lässt. Nachtzustellungen könnten eine Lösung sein, Waren in den Abend- und Nachtstunden zu liefern, wenn wenig Verkehr herrscht. Aber auch der Kunde und Empfänger sollte über das Teilen nachdenken und sich an Paketshops und andere Zustellungsformen gewöhnen.

Ein Drittel der Kunden ist heute mit der Zustellung unzufrieden.

Es kann nicht immer zeitlich zuverlässig zugestellt werden. Zum Teil werden Pakete in Boxen abgelegt, weil man niemanden in der Wohnung angetroffen hat. Dazu kommt eine gewisse Beschädigungsquote.

Auch wenn sich viele Menschen kostenlose Lieferungen wünschen, sollte nicht Porto zum Eindämmen der Flut vorgeschrieben werden?

Kostenlose Lieferungen sind in erster Linie eine unternehmerische Entscheidung. Die Unternehmen könnten aber überlegen, ob die Auslieferung zu gewissen Uhrzeiten mehr kostet als zu anderen. Lösungen sollten über Anreize geschaffen werden, weniger über Verbote.

Was ist mit dem Öffnen von Parkplätzen zu Abend- oder Nachtzeiten zum Umladen von Waren?

Es gibt keine Standardlösungen, jede Stadt muss Lösungen überlegen. Etwa, welche Mobilität sie unterstützt: Bekommen Fahrzeuge mit E- und Gas-Antrieb eine Vorzugsgenehmigungen für die City? Lassen sich Container in einiger Entfernung entladen und die Ware in engen Innenstädten über Sackkarren und Elektro-Fahrzeuge verteilen?

Heute halten 2,8-Tonner in der zweiten Reihe und blockieren in der Rush-Hour den Verkehr.

40 Prozent der Staus in Innenstädten entstehen durch Lieferbetriebe.

Aber es gibt doch schon Paketstationen.

Besser wären Paketcenter, die nicht einem Unternehmen gehören, sondern für alle offen sind und die Entnahme 24 Stunden ermöglichen. Beim Entwurf von Stadtteilen könnten diese mit eingeplant werden. Heute findet der Kunde daheim eine Karte im Briefkasten, weil er mal wieder nicht da war. Anschließend muss der Zusteller im schlimmsten Fall drei Mal vorbei kommen. So kann es nicht weitergehen.

Was ist mit Lieferungen an den Kofferraum eines Autos oder sogar in die Wohnung, für den die Zusteller den Schlüssel bekommen und dabei mit einer Kamera überwacht werden? Beides sind Versuche, die derzeit laufen.

Da ist die Bevölkerung nicht sonderlich begeistert. Private Räume für Fremde zu öffnen, ist insbesondere in Deutschland ein Problem. Das andere ist eine Abneigung gegen Technologie, die man noch nicht kennt. Da gibt es in verschiedenen Ländern unterschiedliche Ansichten. Die Zustellung an den Nachbarn ist in Deutschland dafür sehr populär und in manchen Nachbarländern eher verpönt.

Was ist mit Drohnen und Zustellrobotern?

Es gibt die ersten Tests. Man muss aber auch realistisch sein. Ich kann mir schwer vorstellen, dass Hunderte von Drohnen durch die Gegend fliegen, in einem Raum, der bereits extrem belastet ist. Vielleicht wird die Technik aber noch besser. Wir werden damit aber keine Probleme in den Städten lösen. Bei der Drohnen-Zustellung dürfte es sich um höherwertige Ware handeln, die leicht ist und schnell ausgeliefert werden soll. Der autonom zustellende Roboter wird auch noch ein Stück auf sich warten lassen. Andererseits wird aber über Drohnen-Taxis schon nachgedacht. Da müssen jedoch zunächst Gesetze verändert werden. Ein unterstützender Roboter, der den Menschen begleitet, ist schon in der Erprobung.

Es gab bereits in allen 25 deutschen Großstädten City-Logistik -Projekte, 13 wurden eingestellt. Das lässt nicht gerade hoffen.

City-Logistik-Projekte halte ich für essenziell. Das Thema hat einen relativ hohen Komplexitätsgrad. Es hat viele Beteiligte und Handlungsfelder. Warum es oft nicht funktioniert, liegt an der Vielzahl von Beteiligten. Da treffen Personenverkehr, Wirtschaftsverkehr, Verkehrsträger, Logistiker und Händler aufeinander. Manchmal fehlt es an Vertrauen, weil Informationen behalten und nicht ausgetauscht werden sollen. Der Druck, eine gemeinsame Logistik zu entwickeln, wird nun nach dem zweiten Diesel-Kongress in dieser Woche für alle Beteiligten aber steigen.

Wer ist vor allem gefordert?

Die Städte. Die in der Stadt lebenden Bürger entscheiden final und müssen gleichzeitig an der einen oder anderen Stelle mit Regulierungen leben. Das größte Vertrauen, das der Bürger gegenüber Autoritäten hat, hat er gegenüber seinen Stadtvertretern. Diese sind zentral verantwortlich für die urbane Mobilität.

Warum ist das noch nicht erfolgt?

Früher lief die Logistik vom Lieferanten zum Einzelhändler, vielleicht gab es noch einen Großhändler dazwischen. Jetzt haben wir viele dezentrale Prozesse. Es wird an den Endkunden geliefert. Dazu kommt das Problem mit Luftverschmutzung, Verkehr und Lärm. Das verbindet sich jetzt zu einer komplexen Gemengelage. Man darf nicht vergessen, die Liberalisierung des Postwesens ist noch nicht so alt. Früher gab es nur die Post, heute ist das deutlich kleinteiliger. Der brutale Anstieg der Zahl der Pakete hat das Thema erst richtig groß gemacht. Früher wurde in großen Mengen geliefert. Heute werden zur Reduzierung der Lagerhaltung auch kleinere Warenmengen bewegt.

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02.12.2017, 06:00 Uhr
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