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Dönermesser-Angreifer muss wegen Mordes vor Gericht
Mitarbeiter der Kriminalpolizei arbeiten in der Innenstadt von Reutlingen. Foto: Sdmg/Wassermann/dpa dpa/lsw
Staatsanwaltschaft erhebt Anklage

Dönermesser-Angreifer muss wegen Mordes vor Gericht

Anklage erhoben Der 21-Jährige, der im Juli in Reutlingen eine 45-Jährige auf offener Straße tötete, muss sich vor dem Schwurgericht verantworten.

20.12.2016
  • ik/lsw

Die Staatsanwaltschaft Tübingen hat Anklage wegen Mordes gegen den 21-Jährigen erhoben, der im Juli in Reutlingen eine 45-Jährige mit einem Dönermesser getötet haben soll. Der junge Mann, ein Asylbewerber aus Syrien, befindet sich seit dem 25. Juli in Untersuchungshaft.

Die Tat hatte großes Entsetzen ausgelöst und bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Zunächst war sogar ein terroristischer Angriff vermutet worden. Die Befürchtungen bestätigten sich jedoch nicht. Die Staatsanwaltschaft geht inzwischen von einer Beziehungstat aus. Anhaltspunkte für einen politischen oder religiösen Hintergrund gibt es nicht.

Wie die Ankläger mitteilt, war der Mann im Juni 2015 nach Deutschland gekommen und wohnte seit Januar 2016 in Reutlingen. Im Juli begann er, in einem türkischen Restaurant zu arbeiten. Dort lernte er das spätere Opfer kennen, eine 45-jährige Frau, die aus Polen stammte und ebenfalls in dem Restaurant beschäftigt war. Zwischen den beiden entwickelte sich eine Beziehung.

Staatsanwaltschaft: Der Angriff war heimtückisch

Am Nachmittag des 24. Juli hatte der 21-Jährige seine Arbeit früher beendet. Aus der Küche soll er das etwa 60 Zentimeter lange Dönermesser mitgenommen haben, um seine Freundin zu töten. Nach einem Telefonat mit dem 21-Jährigen verließ die Frau gegen 16.20 Uhr das Restaurant und traf ihn in einem Hinterhof. Während des Gesprächs soll er ohne Vorwarnung mit dem Messer auf sie eingeschlagen haben, wobei er ihr nach Ansicht der Staatsanwaltschaft tödliche Verletzungen zufügen wollte. Die 45-Jährige wurde so schwer an Kopf und Hals verletzt, dass sie an Ort und Stelle starb.

Der 21-Jährige ging zum Restaurant und hieb mit dem Dönermesser auf zwei Gäste ein. Einen verletzte er schwer im Gesicht, der andere konnte den Angriff mit einem Stuhl abwehren. Mit dem Messer lief der Mann dann durch die Innenstadt. Er schlug auf ein Auto ein und soll gezielt versucht haben, Fahrerin und Beifahrer zu töten. Die Fahrerin wurde am Unterarm verletzt. Ein anderer Mann konnte fliehen, ehe der 21-Jährige auf ihn einschlagen konnte. Beim Überqueren der Karlstraße wurde er schließlich von einem BMW erfasst und zu Boden geschleudert. Dort konnten Polizeibeamte und ein Zeuge ihn überwältigen.

Laut Staatsanwaltschaft hat der 21-Jährige das Tatgeschehen nicht in Abrede gestellt. Sein Motiv konnte nicht geklärt werden. Einzelheiten, so die Ankläger, bleiben der Aufklärung in der Hauptverhandlung vorbehalten. Der Mann wird sich vor dem Schwurgericht in Tübingen verantworten müssen.

In rechtlicher Hinsicht wertet die Staatsanwaltschaft den Tod der Frau als Mord. Die weiteren Taten werden als versuchter Mord mit gefährlicher Körperverletzung gewertet. Das Mordmerkmal der Heimtücke sei gegeben. Nach der juristischen Definition handelt heimtückisch, wer die Arg- und Wehrlosigkeit des Opfers bewusst in feindlicher Willensrichtung ausnützt. Das Strafgesetzbuch sieht für Mord eine lebenslange Freiheitsstrafe vor.

Ermittlungen gegen den BMW-Fahrer wurden eingestellt

Das Verfahren gegen den 20-jährigen BMW-Fahrer, der den bewaffneten Mann auf der Karlstraße stoppte, hat die Staatsanwaltschaft derweil eingestellt. Weil der Fahrer erklärte, er habe den 21-Jährigen bewusst angefahren, bestand der Verdacht des gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr und einer gefährlichen Körperverletzung. In diesem Fall aber, so die Staatsanwaltschaft, hätte der 20-Jährige aufgrund einer Nothilfe gerechtfertigt gehandelt, da er weitere gewalttätige Attacken durch den bewaffneten Mann verhinderte.

Vieles deute jedoch darauf hin, dass es sich bei dem Zusammenprall um ein zufälliges Unfallgeschehen handelte und es dem 20-jährigen Fahrer schlicht nicht mehr möglich war, dem plötzlich auf die Straße rennenden 21-Jährigen auszuweichen. In jedem Fall konnte kein strafbares Verhalten des Fahrers festgestellt werden.

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20.12.2016, 10:25 Uhr | geändert: 20.12.2016, 20:10 Uhr
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