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Weg in die Gewalt

Dito Tsintsadze und sein Film „Invasion“

„Invasion“ ist ein militärischer Begriff. Doch in seinen Filmen verlegt der georgische Regisseur Dito Tsintsadze die Schlachtfelder gern ins Private, in Beziehungen, in die Familie, wie er im TAGBLATT-Gespräch am Freitag im Kino Atelier sagte.

04.03.2013

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Tübingen. Dito Tsintsadze treibt seine Figuren gern in die Enge – bis sie derart explosiv aus scheinbar ehernen Verhaltensmustern ausbrechen, dass es persönlichkeitsfremd wirken kann. In „Schussangst“ (2006) greift ein Zivildienstleistender schließlich zur Waffe. Tsintsadzes jüngster Film heißt „Invasion“: Der biedere Witwer Josef (Burghart Klaußner) wird von einer Gruppe von Schnorrern belagert, die einfach bei ihm einziehen. Diese Lesart ist dem Regisseur zu negativ, ganz dem deutschen Hang zur Vereindeutigung entsprungen. „Dem deutschen Kino fehlt die Ambivalenz“, findet er. „Das will ich ändern.“ Josef warte auf den Tod, „und plötzlich kommen diese Leute. Zuerst freut er sich“, sagt Tsintsadze. Der Film lasse sich als Metapher für Deutschland oder Europa verstehen – oder als existenzielles Psychodrama.

Sie sehen nur aus wie Rausschmeißer

Zwei der Nebenfiguren sind bullige, glatzköpfige Rausschmeißertypen. „Aber sie sind keine Kriminellen“, betont der Regisseur. Keine der Figuren verhalte sich kriminell. Das gilt zumindest so lange, bis sich die auf die Spitze getriebenen Interessengegensätze gar nicht mehr bändigen lassen. Das Spiel mit etwaigen Vorurteilen der Zuschauer wirkt mit am Suspense dieser Thrillerfarce.

Am Ende schafft ausgerechnet der scheinbar Schwächste, das Kind (ein Junge, blass wie ein Freak), die Voraussetzungen für eine Konstellation, die als Rettung zu sehen einem widerstrebt. Jedenfalls stellt sie Josef endgültig auf eine Ebene mit den Gästen. Tsintsadze bevorzugt eine andere Interpretation: „Der Junge wählt seinen Vater“, meint er. Der Filmemacher will damit nicht zum Ausdruck bringen, dass sich die (Klein-)Familie auf Gewaltverhältnisse gründe. „Die traditionelle Familie basiert auf Strukturen der Dominierung, auf Machtspielen.“ Die zielten nicht auf Überwältigung durch Gewalt, sondern auf psychologische Dominanz. „Konstantin (einer der Eindringlinge) ist ein Großmeister dieser Mechanismen.“

Geboren am 2. März 1957 in der georgischen Hauptstadt Tbilissi, studierte Tsintsadze an der dortigen Filmhochschule Regie bei Altmeister Otar Iosseliani. „Seine Filme muss man nicht synchronisieren“, findet er. Wie den französischen Großmeistern René Clair und Jacques Tati gelinge es Iosseliani, eine Geschichte allein in Bildern zu erzählen – ohne auf Dialoge angewiesen zu sein.

Seit zehn Jahren lebt Tsintsadze, international mehrfach ausgezeichnet („Schussangst“, „Lost Killers“, „An der Grenze“), mit seiner Familie in Berlin. „Es ist im Moment die großartigste Stadt in Europa – nicht arrogant wie Paris und nicht chauvinistisch wie Spanien.“

Für seine Heimat Georgien erwartet der Regisseur nach dem jüngsten Wahlsieg des Oppositionsbündnisses über die Partei des noch amtierenden Präsidenten Michail Saakaschwili eine weitere Öffnung nach Westen – was er auch als Sicherheit gegen „Putin und sein KGB-Team“ in Russland begrüßt. Der deutsche Ex-Kanzler Gerhard Schröder sei „ein Krimineller“, so Tsintsadze. „Er hat einen großen Fehler gemacht, sich mit dem russischen Präsidenten Putin anzufreunden.“dhe

Info: „Invasion“ läuft im Kino Atelier, täglich um 20.30 Uhr; ab Donnerstag, 7. März, 18.15 Uhr (ab 16).

Dito Tsintsadze und sein Film „Invasion“
Der georgische Regisseur Dito Tsintsadze.

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04.03.2013, 12:00 Uhr
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