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Reanimation der Klassiker

Disney sucht sein Heil in der Vergangenheit

„Maleficent“, „Cinderella“ und „Das Dschungelbuch“ waren Riesenhits. Daher macht sich Disney an die Neuverfilmungen vieler Erfolge von einst.

28.12.2016
  • MAGDI ABOUL-KHEIR

Los Angeles. Aus gemalten Kleidern wird Stoff, aus der gezeichneten Belle wird Emma Watson – und große Gefühle bleiben große Gefühle. Der Trailer zu Disneys „Die Schöne und das Biest“ wirkt gleichermaßen wohltuend vertraut und doch irgendwie neu. Kein Wunder, denn der Film, der im März in die Kinos kommt, ist das Remake eines zauberhaften modernen Klassikers, der vor 25 Jahren als erster Animationsstreifen überhaupt für den Oscar in der Kategorie „Bester Film“ nominiert war. Nun kommt er als Realfilm heraus: Disney adaptiert Disney.

Aktuell läuft mit „Vaiana“ ein neuer Kassenerfolg des Mäuse-Studios in den Kinos. Aber das traditionsreiche Haus hat erkannt, welche Schätze es besitzt – und macht diese schon von mehreren Generationen geliebten Geschichten und Figuren erneut zu Geld.

Manchmal sind es mehr oder minder originalgetreue Remakes der Zeichentrick-Fassungen, wie zum Beispiel „Cinderella“ (2015). Manchmal bekommt die Geschichte einen neuen Dreh. So hat etwa „Maleficent“ die „Dornröschen“-Geschichte aus der Perspektive der bösen Fee erzählt. Und manchmal sind es schnöde Fortsetzungen, wie in diesem Jahr bei „Alice im Wunderland: Hinter den Spiegeln“.

Lizenz zum Gelddrucken

Nachdem Jon Favreaus Neuverfilmung des „Dschungelbuchs“ in diesem Frühjahr eine Lizenz zum Gelddrucken war und im Sommer mit „Pete’s Dragon“ selbst die Neufassung eines weniger bekannten Disney-Films („Elliot, das Schmunzelmonster“ von 1977) gut ankam, setzt der Entertainment-Konzern vermehrt auf diese Schiene. Ein gutes Dutzend Neuauflagen in eigener Sache entwickelt Disney derzeit.

Dabei wird Nostalgie bedient, aber eben zudem die neueste Technik eingesetzt: So war das neue „Dschungelbuch“ ein fotorealistisches Abenteuer, in dem außer dem menschlichen Mowgli-Darsteller tatsächlich die komplette Flora und Fauna per Computeranimation zu Leben erweckt wurde. Solche Film-Updates haben offenbar ein riesiges Zuschauerpotenzial: Sie sprechen die Eltern und Großeltern an, die Disney-Klassiker lieben, und zugleich die Kids, denen der zeitgemäße Erzählstil und die Ästhetik zusagen.

Bemerkenswert ist, welchen Riesenaufwand Disney betreibt. Für die Remakes werden Stars der ersten Garde verpflichtet, dazu Top-Autoren und -Regisseure. Man denke nur an „Cinderella“, von Shakespeare-Fachmann Kenneth Brannagh inszeniert, exquisit gespielt von Cate Blanchett und anderen Leinwandgrößen. In „Maleficent“ wirbelte Angeline Jolie herum.

Klar, es sind angesichts der zu erwartenden Einspielergebnisse (vom ergiebigen Heimkinomarkt gar nicht zu reden) vergleichsweise sichere Investitionen. Aber Disney ist es auch ganz offensichtlich wichtig, Qualität abzuliefern – nicht zuletzt, um den Markennamen zu schützen.

Im März 2017 geht es also weiter mit der Neuauflage von „Die Schöne und das Biest“. Regisseur Bill Condon („Dreamgirls“, „Breaking Dawn“) dürfte ein Händchen für den Stoff haben. Die ersten Bilder sehen prachtvoll romantisch aus, Komponist Alan Menken, dem das Original zwei Oscars bescherte, adaptiert seine eigene Musik und schreibt neue Songs hinzu, und die Besetzung ist staunenswert: Neben Emma Watson sind famose Akteure wie Kevin Kline, Ewan McGregor, Ian McKellen und Emma Thompson mit dabei.

Und es geht so weiter. „Mary Poppins“ wird mit Emily Blunt anstelle von Julia Andrews weitererzählt, „101 Dalmatiner“ wird als „Cruella“ wahrscheinlich mit Emma Stone rundumerneuert (beide wohl 2018), dazu werden Fortsetzungen von „Maleficent“ (für 2019, voraussichtlich wieder mit Angelina Jolie) und „Dschungelbuch“ (wieder von Jon Favreau) vorbereitet. Doch wagt sich Disney auch an seine ganz großen Klassiker aus den 40er und 50er Jahren. So darf sich Regisseur David Lowery nach „Pete’s Dragon“ nun an „Peter Pan“ versuchen, „Dumbo“ soll von keinem Geringeren als Tim Burton inszeniert werden, und „Pinocchio“ steht ebenso auf der Liste. Fehlt nur noch ein berühmtes Rehkitz.

Auch seine Hits, die seit dem Wiederaufblühen des Studios seit den späten 80ern entstanden sind, nimmt sich Disney vor. So werden Meerjungfrau Arielle und Mulan den Weg auf die Leinwand zurückfinden, der König der Löwen mit der gleichen Technik wie die Tiere im „Dschungelbuch“ reanimiert, und „Genies“ wandelt auf Aladdins Spuren.

Damit nicht genug, sind Drehbücher für „Winnie the Pooh“ und „Tinker Bell“ am Entstehen, während „Game of Thrones“-Macher Bryan Cogman eine Neufassung von „Die Hexe und der Zauberer“ schreibt. „Rose Red“ wird ein rosenrotes Licht auf das Schneewittchen-Märchen werfen, mit „Prince Charming“ ist ein weiterer „Cinderella“-Dreh angedacht. Sogar die „Nacht auf dem kahlen Berge“-Episode aus Disneys „Fantasia“ soll zu einem eigenen neuen Filmspektakel werden.

Bleibt zu hoffen, dass das Studio über die lukrative Selbstverwurstung hinaus nicht vergisst, weitere Original-Stoffe wie „Die Eisprinzessin“ oder nun „Vaiana“ zu entwickeln. Nicht zuletzt, damit Disney noch mehr Filme hat, von denen es in 20 Jahren dann wiederum weitere Remakes drehen kann.

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28.12.2016, 06:00 Uhr

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Hm, der Film lässt eher kalt, eine Mischung aus zu gewollt und zu distanziert. Das Zielpublikum sind eher die Brexit-Briten die historisch-verquast von Nolan vermittelt bekommen sollen dass mit einer stiff upper lip und nationaler Einheit eine Schlacht zwar verloren gehen kann, der Krieg aber gewonnen wird. Am Ende sind alle Helden. Rule Britannia, we'll be back.
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