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Dietmar Schöning (FDP)

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06:44 min

Leidenschaftlicher Politiker mit Sachverstand - Überzeugter Liberaler ohne Parteischeuklappen

Dietmar Schöning hat große Erfahrungen in Kommunal- wie Landespolitik

Dietmar Schöning lebt die Politik, im Beruf als Parlamentarischer Berater im Landtag und Ehrenamt im Tübinger Gemeinderat und Kreistag. Seit fast einem halben Jahrhundert ist der 67-Jährige aktiv. Jetzt will der überzeugte Liberale noch einmal in den Landtag einziehen.

25.02.2016
  • Gernot Stegert

Tübingen. Dietmar Schöning steht vor dem Technologiezentrum auf der Oberen Viehweide. Er schaut mit einem Lächeln auf das graue Gebäude wie ein Vater auf sein wohlgeratenes Kind. Das Technologiezentrum ist für Schöning ein „ganz besonderer Ort“. Denn: „Er bündelt verschiedene Ansätze, die für mich als Liberalen wichtig sind.“ Das Zentrum stehe für Bildung und Wissenschaft, für deren Umsetzung in die Wirtschaft durch Gründer mit Mut.

Und es ist für den FDP-Landtagskandidaten ein Beispiel für sein politisches Grundverständnis: Der Staat macht nicht alles selbst, er gibt den Anstoß, bildet den Rahmen, fördert. Wissenschaftler werden zu Existenzgründern, aus diesen werden Firmen, die wachsen und auf eigenen Beinen stehen. Curevac („bundesweit herausragend“) ist ein Musterbeispiel für Schöning. Er zeigt auf die andere Straßenseite, wo Bagger die Gebäude der ehemaligen Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten abreißen. Da baut Curevac Büros und eine große Produktionsstätte für Medikamente.

Neben dem Technologiezentrum hat bereits Cegat gebaut („noch so eine Perle“). Zufrieden ist Schöning mit dem Technologiezentrum auch, weil dort jetzt läuft („absolut irre“), was viele erhofft, aber andere in Tübingen bezweifelt haben, etwa die Linke. „Man hat lange dafür gekämpft“, sagt das langjährige Gemeinderatsmitglied.

Schöning geht weiter in Richtung Norden. Links, zeigt er, werde der Landkreis vorübergehend Flüchtlinge unterbringen. Dahinter, auf dem Horemer, er streckt den Arm, plant die Stadt eine dauerhafte Unterkunft, zunächst für Flüchtlinge, später mal als Boardinghouse für Gastwissenschaftler. „Das ist ein Original-Schöning“, sagt er lächelnd. Was das heißt? Über die Parteigrenzen hinweg Ideen entwickeln. In diesem Fall begann alles bei einer Roten Wurst im X-Imbiss. Dabei waren Vertreter der Grünen und Baubürgermeister Cord Soehlke, wie der Freidemokrat erzählt.

Schöning ist für die Aufnahme von Flüchtlingen, aber auch für die Abschiebung von Nichtberechtigten. Die Leistung der Ehrenamtlichen und der Kommunen sei „große Klasse“. „Ärgerlich aber ist die Landes-, Bundes- und europäische Ebene.“ Seine Kritik: „Die Erstaufnahmestellen funktionieren immer noch nicht richtig.“ Anträge würden zu langsam bearbeitet. Es sei unklar, wer überhaupt im Land ist. Und: „Besonders ärgerlich ist, wenn die politischen Ebenen über das Thema streiten, so dass die nichtdemokratischen Konkurrenten profitieren.“ Besonders erbost ist Schöning über CSU-Chef Horst Seehofer, der nur der AfD helfe.

Schöning ist ein Homo politicus durch und durch. Auf die Frage nach seinem Antrieb antwortet er: „In der Politik geht es um Lebenschancen von Menschen.“ Diese seien zu gestalten. Das bedeutet für den Liberalen an erster Stelle Bildung. In der Schulpolitik heiße das: „Keine 180-Grad-Wende, wir wollen einen Schulfrieden.“ Auch gebe es mit der FDP weitere Gemeinschaftsschulen. Aber sie dürften nicht länger durch kleinere Klassen und mehr Lehrer privilegiert werden.

Schönings Überzeugungen sind biografisch geprägt. „Ich habe mich durchbeißen müssen“, sagt der gebürtige Kieler. Sein Vater, ein Industriemeister, habe seinen Sohn auf ein humanistisches Gymnasium geschickt, um ihm den Aufstieg zu ermöglichen. Als der junge Schöning zwölf Jahre alt war, starb der Vater. Der Sohn war ein guter Schüler und erfüllte so die Erwartungen.

Früh erwachte das politische Interesse. Schöning schrieb für eine Schülerzeitung und besuchte politische Diskussionen. Nach Tübingen kam der junge Kieler 1967. Seitdem trägt er auch seinen markanten Bart. Schöning ist ein Achtundsechziger. Keiner, der roten Fahnen oder Diktatoren wie Mao oder Fidel Castro hinterhergelaufen ist. Der Norddeutsche war Mitglied der Jungen Demokraten, wie die Jugendorganisation der FDP damals hieß. Bei der Wahl für den Allgemeinen Studierendenausschuss (Asta) wurde diese Gruppe stärkste Kraft. Der Politikstudent Schöning wurde Asta-Vize. Die Auseinandersetzungen seien aber nie konfrontativ gewesen, erinnert sich der heute 67-Jährige. „Es gab schon damals eine Tübinger Linie.“

Dietmar Schöning hat große Erfahrungen in Kommunal- wie Landespolitik
Wirtschaftsstandort Obere Viehweide: FDP-Landtagskandidat Dietmar Schöning vor dem Technologiezentrum. Bild: Sommer
Sein Leben lang hat Schöning Politik gemacht. Hat er sich je etwas a nderes vorstellen können? Der Gefragte stutzt kurz und erwähnt dann, dass er als Student Wissenschaftliche Hilfskraft war und Tutorien für jüngere Semester gegeben habe. Das Lehren habe ihm viel Spaß gemacht. Davon hat sich Schöning einiges erhalten. Im Tübinger Gemeinderat und Kreistag ist er über alle Parteien hinweg für seine breite Sachkenntnis bekannt – und für sein Dozieren. Er gilt als „Aktenfresser“ und damit bestens vorbereitet. 2000, manchmal 5000 Seiten im Monat habe er zu lesen, berichtet er. „Ich habe den Anspruch, die Grundlinien von allen Themen zu kennen.“ Und wenn er im Gemeinderat spricht, dann ist seine Rede oft genauso ausgreifend wie die unterstreichende Geste. Kein anderer in dem Gremium bringt so viel Wissen ein – von Fördertöpfen des Landes bis hin zu Hintergründen einstiger Ratsbeschlüsse.

Immer wieder vermittelt Schöning auch bei widerstreitenden Positionen. Dennoch ist er FDP-Mitglied mit klarem Profil. Das zeigen seine Antworten auf die Frage, warum man ihn denn wählen solle. Als erstes sagt er: „Ich bin für die Gleichheit der Chancen aller, vor allem Anfang. Auch wenn gleiche Chancen nicht gleiche Ergebnisse heißt.“ Er tritt für den „liberalen Rechtsstaat“ ein. Die Innere Sicherheit dürfe die Freiheit nicht gefährden wie im Fall der Vorratsdatenspeicherung. Drittens weise nur die FDP den Staat in seine Grenzen und handle nach der Devise: „Alles, was verteilt werden will, muss vorher erwirtschaftet werden.“ Schließlich müsse in allen Bereichen Nachhaltigkeit gelten, nicht nur in der Ökologie, sondern auch bei den Staatsfinanzen und der Generationengerechtigkeit. „Die Finanz- und Haushaltspolitik ist meine Stärke“, sagt der Kandidat.

Schöning gilt als Sozialliberaler. Doch das hört er nicht gerne. Denn er mag keine Etiketten und liebt die Freiheit. Über sein Privatleben plaudert er kaum. Der 67-Jährige wohnt seit Anfang der 80er Jahre in der ehemaligen Bosch-Villa über Lustnau, in einer bescheidenen „Zwei-Zimmer-plus-Wohnung“. In seiner Freizeit geht der Politiker regelmäßig in der Stuttgarter Oper. Früher hat er Handball gespielt und ist bis heute Fan des THW Kiel. Hat die FDP eigentlich keine jüngeren Kandidaten? „Sie hatten ja die Wahl“, erklärt Schöning lächelnd. Der 44-jährige Kreisverbandsvorsitzende Sascha Schmidt war bei der Nominierung im Juli unterlegen. „Und ich habe noch Spaß.“

Kandidaten zur Landtagswahl (4): Dietmar Schöning, FDP

Dietmar Schöning wurde 1948 in Kiel geboren. Er besuchte die Grundschule und ein humanistisches Gymnasium in Kiel, studierte in Kiel und Tübingen Politikwissenschaft. Seit 1967 ist er in Tübingen und Mitglied der FDP. Ehrenamtlich ist er in Tübingen im Gemeinderat seit 1994 und im Kreistag seit 1989 tätig. Von 1992 bis 1996 war Schöning bereits Landtagsabgeordneter. Er arbeitet derzeit dort als parlamentarischer Berater für Haushalt und Finanzen, Wirtschaft, Politische Grundsatzfragen und Strategie. Schöning ist im Aufsichtsrat der Technologieförderung Reutlingen/ Tübingen, Beirat des Tageselternvereins, Vorstand des Vereins Pro Regio-Stadtbahn und ist Fördermitglied beim „Tübinger Projekt häusliche Betreuung Schwerstkranker“ und „Ein Konzertsaal für Tübingen“. FDP-Zweitkandidatin ist die Juristin Stefanie Assmann.

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25.02.2016, 01:00 Uhr
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