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Die Wirtschaft humanisieren

Diese Woche eröffnet das neue Weltethos-Institut

Mitten in der Stadt liegt der Tübinger Thinktank, der in die Wirtschaft und die Wissenschaft hineinwirken soll: Mit der zehnten Weltethos-Rede am kommenden Mittwoch, 18. April, wird zugleich das neue Weltethos- Institut eröffnet.

16.04.2012
  • Ulrike Pfeil

Tübingen. Die Räume sind fertig, der Einzug kann beginnen: Im Gebäuderiegel beim Kelternturm, direkt neben dem Kino Arsenal, kann sich das Weltethos-Institut auf zwei großzügigen Etagen mit insgesamt 700 Quadratmetern einrichten. Früher war hier einmal ein Sportgeschäft, dann stand das Ladenlokal längere Zeit leer. Jetzt kündet ein nobles gläsernes Schild an der ruhigen Hinteren Grabenstraße (dort ist der Eingang) von der neuen Bestimmung der Immobilie, die vom Kelternturm-Architekten Gerd-Rüdiger Panzer für eine halbe Million Euro umgebaut wurde.

Das Weltethos-Institut ist ein so genanntes An-Institut der Uni Tübingen. Es betreibt Forschung und Lehre in Kooperation mit der Universität, finanziert sich jedoch selbst. Ermöglicht wird es von einer privaten Stiftung des Unternehmers Karl Schlecht aus Aichtal, einem Maschinenbauingenieur, der es mit innovativen Verputz-Systemen zu internationaler Marktführerschaft brachte („Putzmeister“). Schlecht ist Mitglied des sechsköpfigen Institutsbeirats, in dem die Universität mit Rektor Bernd Engler und Prorektor Heinz-Dieter Assmann vertreten ist.

Der Beirat wählte Ende des vergangenen Jahres unter 31 Bewerbern aus dem In- und Ausland den Philosophen Claus Dierksmeier zum Direktor des Instituts, der zuletzt am Summit-Institut für Nachhaltigkeitsforschung in Boston als Co-Direktor tätig war. Der 40-Jährige ist Anfang März nach Tübingen gezogen und erfüllt die noch weitgehend leeren Institutsräume bereits mit seinen Arbeitsvisionen. Ziel des Instituts ist es, auf wissenschaftlicher Grundlage ein globales Wirtschaftsethos zu entwickeln und zu verbreiten.

Das Institut, sagt Dierksmeier, wolle ein „intellektueller Leuchtturm für eine humanistische Wirtschaft“ sein. Seine Forschungsarbeit verfolge den Nachweis, dass ein vor allem an quantitativem Wachstum orientiertes Wirtschaftsverständnis in der globalisierten Welt nicht zu einer Verbesserung der Lebensbedingungen führt, sondern diese bedroht: „Uns geht es darum, das menschliche Wohl und Wehe wieder zu einem Wirtschaftsfaktor zu machen.“ Dierksmeier sieht sich dabei nicht als naiven „Weltverbesserer“. Vielmehr sammelt er Belege dafür, dass sich mit „social entrepreneurship“, einem am Menschen und der Umwelt orientierten Wirtschaften, durchaus Gewinne erzielen lassen.

In diesem Sommersemester werden bereits drei Seminare in dem Institut angeboten, für Studierende aus allen Fachbereichen, etwa zum Thema „Unternehmensethik“. Noch in diesem Jahr soll eine zweite Professur mit dem Schwerpunkt „Interkulturelle Pädagogik“ besetzt werden. Außer den beiden Professoren wird das Institut zehn bis zwölf Mitarbeiter beschäftigen, überwiegend Doktoranden. Deren ebenfalls gläserne Arbeitsräume und ein Besprechungsraum liegen in der oberen Etage.

Das Weltethos-Institut (nicht zu verwechseln mit der Stiftung Weltethos, die mit ihrem Präsidenten Hans Küng weiterhin an der Waldhäuser Straße ihren Sitz hat) will über die Uni hinaus auch in die Öffentlichkeit und die Wirtschaft hineinwirken, Entscheidungsträger erreichen, „Relevanz erzeugen“, wie Stephan Schlensog sagt, der in der Stiftung wie im Institut mitarbeitet.

Davon wird auch die Stadt etwas haben. Denn die gläserne Wand zwischen Foyer und Seminarraum im Erdgeschoss lässt sich leicht zur Seite schieben. Dann entsteht ein Vortragssaal für bis zu 120 Personen. Er soll auch für öffentliche Veranstaltungen und Fortbildungs-Seminare genutzt werden. „Ein Forum für Aufklärung und kritisches Denken“, so sieht Dierksmeier sein Institut.

Diese Woche eröffnet das neue Weltethos-Institut
Ein transparentes Institut: Großzügige, klare Räume, viel Glas und Licht, ein lebhafter Teppichboden, dessen Stäbchen-Muster sich in den Bänder-Blenden an den Glaswänden wiederholt: Prof. Claus Dierksmeier, der Direktor des Weltethos-Instituts, Stephan Schlensog, der Generalsekretär der Stiftung Weltethos, und Architekt Gerd-Rüdiger Panzer (von links) testen das Instituts-Foyer im Komplex des Kelternturms. Links im Hintergrund der Seminarraum. Bild: Sommer

Der Direktor des neuen Weltethos-Instituts, Prof. Claus Dierksmeier, ist auch der diesjährige Weltethos-Redner: Am Mittwoch um 18.15 Uhr hält er im Festsaal der Universität (Neue Aula) seinen Vortrag mit dem programmatischen Titel „Wie sollen wir wirtschaften? Weltethos im Zeichen der Globalität“. Die Karten, die für die freien Plätze im Festsaal ausgegeben wurden, sind bereits vergriffen. Es besteht jedoch die Möglichkeit, die Rede ohne Anmeldung im Audimax (gegenüber dem Festsaal) in einer Video-Direktübertragung zu verfolgen.
Der Theologe und Präsident der Stiftung Weltethos Prof. Hans Küng tritt anschließend in einen Dialog mit Dierksmeier. Küng begründete 2010 die Tradition der Tübinger Weltethos-Reden. Unter den bisherigen Rednern: der frühere UN-Generalsekretär Kofi Annan, Altbundespräsident Horst Köhler, Altbundeskanzler Helmut Schmidt, dieFriedensnobelpreisträger Desmond Tutu und Shirin Ebadi, IOC-Präsident Jacques Rogge.

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16.04.2012, 12:00 Uhr
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