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Das Staunen der Welt

Die neueste CD von Patrick Bebelaar und Vincent Klink tummelt sich auf der Bestenliste

Vor wenigen Tagen gab die Jury für den Preis der deutschen Schallplattenkritik ihre erste Bestenliste für 2015 heraus. Jedes Quartal werden hier die interessantesten Neuerscheinungen nominiert. In der Kategorie „Grenzgänge“ ist es diesmal die CD „Stupor Mundi“ – eingespielt vom Wielandshöhe-Sternekoch und begabten Basstrompeter Vincent Klink und Jazzpianist Patrick Bebelaar, Dozent für Jazz und Pop an der Tübinger Kirchenmusikhochschule.

28.02.2015
  • Achim Stricker

„Stupor Mundi“, das „Staunen der Welt“ – so wurde der Stauferkaiser Friedrich II., Förderer der Künste und Wissenschaften, ehrfurchtsvoll genannt. Die CD ist eine spielerische Spurensuche im Kaiserreich der Staufer und ein bibliophiles Gesamtkunstwerk. Das 64-seitige Booklet auf hochwertigem Papier, in Deutsch, Französisch und Italienisch, ist liebevoll mit farbigen Reproduktionen mittelalterlicher Handschriften-Miniaturen und atmosphärischen Fotografien der Musiker ausgestattet.

Hier forscht Klink kundig nach den Wurzeln der abendländischen Musik – eben jenen byzantinischen „Kirchentonarten“, auf denen auch die orientalische Musik aufbaut –, und präsentiert nebenbei das Lieblingsgericht Friedrichs II.: Grünkohl in der Brühe. Tatsächlich soll der Kaiser selbst den Koch-Traktat „Liber de Cocina“ in Auftrag gegeben haben, der als erster zündender Funke der französischen Hochküche gilt. So wird das Booklet abgerundet durch Rezepte für ein mittelalterlich inspiriertes Staufer-Menü: Neunkräutersuppe, Kohl in Brühe, Porchetta vom Spanferkel und Nonnenfürzle. Klinks kreative „Küche der gleichen Klimazone“ mit ihren schwäbisch-mediterranen Wahlverwandtschaften ist in zahlreichen Regionen verortet. Ebenso mischen sich in den neun Musik-Titeln der CD die unterschiedlichsten Aromen und interkulturellen Anspielungen, werden herbe und süße, zarte und kernige Klänge kühn gewürzt ineinander verflochten.

Klink gibt auf der Basstrompete oft Atem und Gestus vor, eine führende, sinnlich verhangene Stimme durch all die musikarchäologischen Klangschichten. In „Interlude“ wechselt Saxophonist Gavino Murgia ganz plötzlich in sardischen Tieftongesang. Noch schärfer die Kontraste in „Pos Pregatz Mi“, das zwischen rockigen Ausbrüchen und einem vermeintlich altfranzösischen Reigen hin und her pendelt. In „E Mi Me Ne So ’Ndao“ singt Tamburin-Virtuose Carlo Rizzo eine eigene Melodie, die mit mittelalterlichen Formeln und folkloristischen Wendungen spielt - ein heutiges Echo der Troubadoure, kontrapunktiert durch arabische Percussion-Rhythmen. (Das Booklet erinnert hier an die Kontakte Friedrichs II. zur islamischen Kultur.)

Vielstimmig verwirbelter Klangkosmos

Ein klingender Bewusstseinsstrom, eine Abenteuer-Expedition durch die labyrinthischen Gänge und Wurmlöcher der Musikgeschichte. Michel Godard grundiert diese Klang-Recherche auf Tuba und E-Bass. Ganz unerhörte Akzente setzt er auf dem Serpent: Das „schlangenförmige“ Blasinstrument aus der Zinken-Familie stammt noch aus der Spätrenaissance, zeigt sich aber mit seinen spielfreudig überblasenen Loopings frappierend Jazz-affin. Die fauchenden Flatterzungen-Soli der Bläser stehen in Spannung zum mitunter lässigen Pop-Balladen-Schmelz des Klaviers. Bebelaars verspieltes Jazzpiano wirkt oft wie ein Kompass, eine Konstante in diesem vielstimmig verwirbelten Klangkosmos, Zeiten und Räume durchquerend.

Und noch eine CD, und noch eine

Überhaupt war Bebelaar in letzter Zeit sehr produktiv. Ende 2014 erschienen noch zwei weitere CDs: Auf dem experimentierfreudigen Album „Three Seasons“ konzertiert er zusammen mit Michel Godard und Free-Jazz-Legende Günter Baby Sommer am Drum Set. „Reflection in Your Eyes“ schließlich ist ein „ganz persönliches, privates und öffentliches Album von und über Patrick Bebelaar“ (erstmals in der Quartett-Kombination mit Pierre Favre, Schlagzeug; Frank Kroll, Saxophon und Bassklarinette; sowie Günter Lenz, Bass). Ein „persönliches Statement“ – nachdenklich sinnierend, auch melancholisch, am pursten im eröffnenden Titel „Calming Influence“.

Die neueste CD von Patrick Bebelaar und Vincent Klink tummelt sich auf der Bestenliste

Die neueste CD von Patrick Bebelaar und Vincent Klink tummelt sich auf der Bestenliste
Vincent Klink (links) und Patrick Bebelaar motorisiert unterwegs zum musikalischen Metallbläserpicknick in Wald und Flur.Bild: Agentur

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28.02.2015, 12:00 Uhr
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