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Die ganze Breite des Trickfilms im Waldhorn
Filmemacherin und Regisseurin Verena Fels im Gespräch mit Dittmar Lumpp. Bild: Straub
Ruft ein schwangerer Kothaufen ein Taxi

Die ganze Breite des Trickfilms im Waldhorn

Ausgewählte Animationsfilme ekelten, faszinierten und begeisterten am Freitag ein großes Publikum im Waldhorn-Kino. Es wurde kontrovers diskutiert.

20.03.2017
  • Andreas Straub

Muss Trickfilm immer niedlich, lustig und kindgerecht sein? Mit diesem Image wollten die Macher des Internationalen Trickfilmfestivals Stuttgart (ITFS) um den Rottenburger Dittmar Lumpp aufräumen und die ganze Bandbreite des Trickfilms abbilden. Seit sieben Jahren zeigt er ausgewählte Animationsfilme. Anfangs ein Geheimtipp für eine handvoll Enthusiasten, kamen am Freitag über hundert Zuschauer ins Waldhorn-Kino, um sich künstlerische Animationsfilme verschiedenster Art anzusehen.

Lumpp hatte Filme mit Anspruch für Rottenburg ausgewählt. „Diesem Publikum kann ich das zumuten“, sagte er mit Blick auf vergangene Jahre und Diskussionen. Er schockierte gleich zu Beginn mit einem Film, der für heftige Diskussionen sorgte. „The external World“, ein gesellschaftskritischer Episodenfilm über digitale Parallelwelten in Computerspiel-Ästhetik, polarisierte mit Darstellungen von Sex und Gewalt und erinnerte in seiner surrealen Erzählweise ein wenig an den Klassiker „Ein an dalusischer Hund“ von Luis Bunuel und Salvador Dali. In einer Szene ruft ein schwangerer Kothaufen ein Taxi; doch dessen Fahrer lehnt es ab, ihn zu transportieren, so dass
er sein Kothaufenbaby in einem Hinterhof zwischen Mülltonnen gebären muss.

Einige Zuschauer waren von dem Film überfordert, fanden ihn zu „überfrachtet“. Eine Zuschauerin sagte: „Ich würde gerne von der Handlung des Films noch irgendetwas verstehen.“ Einem anderen Zuschauer waren „diese Art von Filmen zu depressiv“. Er fragte, ob das ein künstlerisches Kriterium sei, um Preise zu gewinnen.

Andere widersprachen heftig und erklärten, dass sie genau für solche Filme ins Waldhorn gekommen seien. „Im Fernsehen läuft doch sowieso nur noch Fußball, die üblichen Serien und ,Wer wird Millionär?‘“, meinte einer. Dittmar Lumpp sagte, er wisse, dass er solche Filme nicht jedem Publikum zumuten könne. Für ihn spiegelten sie die gesamte Breite des Trickfilms wider. Als Stammgast des Waldhorns wisse er zudem, wie aufgeschlossen viele Rottenburger/innen seien.

Im zweiten Teil, als die Filme der im Kino anwesenden Filmemacherin Verena Fels aus Biberach gezeigt wurden, wurde es bekömmlicher. Sowohl ihr preisgekrönter Film „Mobile“ (den es inzwischen auch als Kinderbuch gibt) als auch der mit dem SWR produzierte Film „Kuschelgeschichte“ für Vorschulkinder erhielten vom Publikum lautstarken Applaus.

Verena Fels, die derzeit beim dritten Teil des erfolgreichen Kinderfilms „Der kleine Rabe Socke“ Regie führt, unterrichtet an der Filmakademie in Ludwigsburg Experimentalfilm. Sie plädierte dafür, Trickfilme nicht so schwarz-weiß zu sehen. Sowohl ihre Kinderfilme wie auch gesellschaftskritische Experimentalfilme funktionierten über das Ansprechen von Gefühlen. „Aber weder ist es so, dass man in Filmen wie ,The external World‘ keinen Sinn erkennen kann, wenn man sich darauf einlässt, noch, dass meine Filme nur niedlich, lustig und platt sind.“

Dittmar Lumpp sprach mit der Regisseurin auch darüber, wie schwierig es sei, im Trickfilmbereich als freier Filmemacher finanziell zu überleben. „Ich bin froh über einen Tag in der Woche, den ich an der Hochschule arbeite“, sagte Verena Fels.

Im dritten Teil zeigte Dittmar Lumpp noch einige seiner persönlichen Lieblingsfilme, darunter einen Antikriegsfilm mit der Stimme des US-Schriftstellers William S. Borroughs und einige, die einen Oscar bekommen haben. Das ITFS ist, wie Lumpp erklärte, eines von drei Oscar-qualifizierenden Festivals. Wer dort einen Preis bekommt, ist automatisch für den Oscar nominiert.

Das diesjährige ITFS Anfang Mai wird das letzte für Dittmar Lumpp sein, der im August in den Ruhestand geht. Dann wird er auch keine Trickfilmnächte im Waldhorn mehr moderieren. Es war somit seine Abschiedsvorstellung. Er sagte allerdings: „Ich gehe davon aus, dass das ITFS weiterhin Interesse an Veranstaltungen in Rottenburg hat, und es deshalb unter meinen Nachfolgern weitergehen wird.“

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20.03.2017, 01:00 Uhr

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