Kommentar zur Vergabe des Nobelpreises

Die Zeiten ändern sich

Von Jürgen Kanold

Alle Jahre wieder geisterten wilde Spekulationen, Bob Dylan sei ein Favorit auf den Literaturnobelpreis, durch die Nachrichtenkanäle, Internet-Foren und Wettbüros. Ein guter Scherz. Dann erhielt ihn der Rock-Poet tatsächlich – nicht unverdient, aber es war dann eigentlich auch nur ein Spuk und für andere ein schlechter Scherz, denn der seltsame Amerikaner kam nicht zur Verleihung nach Stockholm.

Aber danke, dieses Thema ist endlich vorbei. Auch irgendwie erleichtert wählte die Schwedische Akademie den britisch-japanischen Schriftsteller Kazuo Ishiguro als nächsten Preisträger aus. Auch eine Überraschung – nicht zuletzt für den deutschen Blessing Verlag, der jetzt kräftig Bücher nachdrucken darf.

Aber die Jury verzichtete auf Experimente, Ishiguro hat Bestseller geschrieben und gleichermaßen große Literatur, seine Bücher sind international prominent verfilmt worden. Er ist kein Exot. Es ist keine politisch motivierte Wahl – auch wenn der Autor gegen den Brexit wettert. Da bekommt einfach ein guter Autor den wichtigsten Literaturpreis der Welt. Und das Beste für die Jury: Kazuo Ishiguro hat keine Superstar-Allüren und schon zugesagt, sich für die umgerechnet 940 000 Euro Preisgeld persönlich in Stockholm zu bedanken: „The Times They Are A-Changin‘“, singt Bob Dylan.


Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

(c) Alle Artikel und sonstigen Inhalte der Website sind urheberrechtlich geschützt. Eine Weiterverbreitung ist nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Verlags Schwäbisches Tagblatt gestattet.


06.10.2017 - 06:00 Uhr