Bis Ende Juli ist ein kostenloser Umstieg aufs neue Betriebssystem möglich

Die Windows-Uhr läuft

Von GEORG H. PRZIKLING

Man liebt es oder man hasst es. Die Rede ist von Windows 10. Noch bis Ende Juli können Besitzer der Vorgängerversionen kostenlos umsteigen.

Die Windows-Uhr läuft

Noch gibt es das Neue gratis: Bis Ende Juli haben Nutzer von Windows 7, 8 und 8.1 noch Zeit, sich das neue Betriebsprogramm kostenlos auf den Rechner zu laden. Nach dem 29. Juli soll es dann 119 Dollar kosten . Foto: dpa

Das Angebot für das kostenfreie Upgrade endet am 29. Juli, teilte Microsoft jetzt mit. Nach dem 29. Juli könnten Nutzer das Betriebssystem nur noch zusammen mit einem neuen PC erwerben oder alternativ die Home-Version für 119 Dollar kaufen, erklärte Microsoft-Manager Yusuf Mehdi in einem Blog-Eintragmit. Zu den Preisen für die Pro- und Enterprise-Versionen machte er keine Angaben. Umstiegswillige sollten daher nicht mehr lange zögern und das Upgrade in den kommenden Wochen in Angriff nehmen.

Die entscheidende Frage ist jedoch: Lohnt sich der Umstieg wirklich? Wie Microsoft mitteilt, läuft das System inzwischen auf 300 Millionen Geräten weltweit. Nach Angaben der Analysten von NetMarketShare läuft Windows 10 ein knappes Jahr nach seiner Einführung auf gerade einmal 14,35 Prozent aller Rechner weltweit. Ungeschlagener Spitzenreiter ist laut NetMarketShare Windows 7, das auf 48,79 Prozent aller Rechner zum Einsatz kommt. Zwar finden sich bei Statcount etwa leicht abweichende Zahlen (Windows 7: 48,41 Prozent; Windows 10: 11,7 Prozent), an der Tendenz ändert das aber wenig - Windows 10 kommt nur langsam in Fahrt.Das hat teilweise mit der Datensammelwut des Betriebssystems zu tun. Und natürlich der aggressiven Upgrade-Politik von Microsoft. Letzterer wird nicht müde, Anwendern das Angebot mit aller Macht aufs Auge drücken zu wollen. Beim Thema Datensammelwut scheiden sich hingegen die Geister. Niemand regt sich heutzutage darüber auf, dass Apples Sprachassistent Siri eine Internetverbindung braucht, um zu funktionieren. Oder dass Android-Geräte und -Apps fröhlich Daten an Google übermitteln. Nur bei Windows 10, Cortana & Co. sehen die Nutzer "Rot". Hier scheint sich eine emotionale Abneigung entwickelt zu haben.

Technisch und in puncto Sicherheit ist Windows 10 jedenfalls auf der Höhe der Zeit und bleibt es auf lange Sicht auch. Dafür sorgt unter anderem "Windows as a service": Anders als bei den Vorgängern, will Microsoft zwei bis drei Mal im Jahr neue Ausgaben des Betriebssystems verteilen. Anwender haben so stets die neueste Ausgabe auf ihrem Rechner. Bei Windows 7 sieht es dagegen mau aus: Der Main Support für dieses Betriebssystem ist im Januar 2015 abgelaufen, bis 2020 erhält man dafür nur noch Updates, aber keine neuen Funktionen in Form von Service Packs.

"Windows as a service" hat allerdings einen Haken: Sollte sich ein gravierender Fehler einschleichen, sind ihm die Anwender auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Das gilt zumindest für Nutzer der Windows 10 Home-Edition, bei der sich Updates nicht mehr aufschieben lassen, sondern umgehend eingespielt werden.

Wer darf umsteigen? Upgrade-berechtigt sind alle Rechner, auf denen Windows 7, 8 oder Windows 8.1 läuft. Aber: Nutzer des ersten Windows 8 müssen vorher auf 8.1. aktualisieren. Nutzer der jeweiligen Home-Editionen erhalten die Home-Edition von Windows 10. Dazu gehören auch Netbooks und andere Rechner, auf denen eine abgespeckte Starter- oder Home Basic-Version von Windows 7 läuft. Wer mit solchen Geräten ein Upgrade durchführt, erhält im Gegenzug ebenfalls die uneingeschränkte Win10 Home-Edition. Besitzer einer Pro-Version von Windows 7 oder 8.1 wiederum kommen in den Genuss der Pro-Version von Windows 10. Wichtig: Das alte Betriebssystem darf nach der Aktivierung nicht mehr genutzt werden, auch nicht in einer virtuellen Maschine.

Wie kommt man ans Upgrade? Der einfachste Weg führt über das "Media Creation Tool" (MCT), das Microsoft auf seiner Webseite anbietet. Es lädt das mindestens drei Gigabyte große Upgrade-Paket auf den Rechner herunter. Unser Tipp: Besorgen Sie sich unbedingt die neueste MCT-Version, um das aktuellste Win10-Upgrade zu erhalten. Ob Sie die richtige Version erwischt haben, lässt sich leicht feststellen: Klicken Sie mit der rechten Maustaste auf die heruntergeladene Datei und wählen Sie im Kontextmenü "Eigenschaften". Auf der Karteikarte "Details" sollte sich jetzt der Hinweis "10586" finden.

Wählen Sie beim Programmstart von MCT die Option "Installationsmedien für einen anderen PC erstellen". So lässt sich das Upgrade bequem auf einen USB-Stick übertragen oder auf eine DVD brennen.

Wie schränkt man die Datensammelei ein? Am sichersten fährt,wer beim Upgrade die entsprechenden Schritte unternimmt. Sinnvoll ist, kein Microsoft-Konto, sondern ein lokales Konto zu nutzen. Fragt der Setup-Assistent nach Namen und Mailadresse, klicken Sie auf den Link "Diesen Schritt überspringen". Außerdem empfiehlt es sich, nach der Installation die Einstellungen aufzurufen und unter der Rubrik "Datenschutz" jene Funktionen zu deaktivieren, die man Microsoft verwehren will.


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14.05.2016 - 06:00 Uhr