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Die Welt zu Gast im Wohnzimmer
Die Startseite von Younow: Unter verschiedenen Hashtags, Schlagworten kann der Nutzer beispielsweise nach anderen Nutzern suchen, die Musik machen oder seinen Lieblings-Streamer ausfindig machen. Foto: Leonie L. Maschke
Social-Media-Plattform Younow ist mehr als Youtube: Kommunikation in Echtzeit

Die Welt zu Gast im Wohnzimmer

Jederzeit hunderten von Menschen zeigen können, was man gerade macht: Eine Webseite aus den USA macht das Filmen und Chatten in Echtzeit möglich. Vor allem junge Leute nutzen es zur Selbstvermarktung.

11.01.2016
  • von LEONIE L. MASCHKE

New York. Es ist kurz vor sechs Uhr morgens und dennoch sehen sich schon mehrere Dutzend Leute den Video-Kanal "Manufernandesss" an - Manu ist der Künstlername des jungen Mannes. "Ich will frühstücken, aber ich suche eine scharfe Peperoni", sagt Manu und knabbert probeweise an einer. "Die dunklen sind scharf", schreibt ein Zuschauer. "Die hier?", fragt Manu und hält eine dunkle, krumme Peperoni in die Kamera.

Solche Alltagssituationen finden sich zuhauf auf der Social-Media Plattform Younow, die 2011 von Adi Sideman in New York gegründet wurde. Nutzer können mit der Kamera an ihrem Laptop, Tablet oder Smartphone Videos streamen, also Live-Aufnahmen ins Netz stellen. Der Unterschied zur Video-Plattform Youtube: Alles geschieht in Echtzeit. In einer Chatfunktion können die Zuschauer mit dem Streamer, der gerade Live auf Sendung ist, in direkten Kontakt treten. Dieser kann wiederum unmittelbar darauf reagieren.

"Junge Leute möchten sich ausprobieren", erklärt Adi Sideman den Reiz von Younow für die junge Netzgemeinde. "Im Prinzip wirkt Younow der Vereinsamung entgegen. Man kann sich mit Menschen austauschen, obwohl man dabei Zuhause sitzt. Younow ist ein virtuelles Lagerfeuer."

Manu ist seit einem Jahr auf Younow aktiv und einer der erfolgreichsten deutschen Streamer. Den Vorteil gegenüber Youtube sieht er darin, "dass du einfach immer streamen kannst, wann du willst. Youtube ist aufwändiger, weil du die Videos planen, drehen und schneiden musst".

Obwohl Younow bereits seit vier Jahren existiert, wurde es erst kürzlich bekannt. "Younow vereint viele aktuelle Trends, die vielleicht vor ein paar Jahren noch nicht so präsent waren", sagt Sideman. "Heutzutage hat jeder eine Kamera in seiner Tasche, es gibt überall Wlan und gute Handynetzverbindungen. Selbstvermarktung ist alltäglich, genauso wie soziale Netzwerke."

Im Gegensatz zu Youtube gibt es auf Younow keine Werbung. "Die Kreativität steht im Vordergrund", sagt Philipp von Roeder, Pressesprecher der deutschen Younow-Abteilung. Dennoch können erfolgreiche Streamer auch ohne offensive Produkt-Platzierung in ihren Videos Geld verdienen: Läuft der eigene Stream besonders gut und steigt somit im Ranking, kann man sich als Partner von Younow bewerben oder wird sogar von den Betreibern der Plattform selbst angeworben.

Für diese Kooperation erhalten die Streamer einen finanziellen Zuschuss, der sich unter anderem aus den virtuellen Geschenken der Fans ergibt. Diese können beispielsweise "Goldbarren" kaufen und ihrem Idol schenken. Das hat einen Vorteil für beide Seiten: Der Fan steigt im Ranking und bekommt mehr Aufmerksamkeit im Live-Chat eingeräumt, der Streamer wiederum steigt auf der Beliebtheits-Skala nach oben und kann das Geschenk gegen echtes Geld eintauschen. In den USA können manche Younow-Nutzer damit schon ihren Lebensunterhalt bestreiten, sie verdienen zwischen 3000 und 5000 Dollar (2746 bis 4577 EUR) im Monat, schätzt von Roeder. Auch Manu ist Younow-Partner. Wie viel Geld er bekommt, möchte er nicht sagen, merkt jedoch an: "Es hat mich zum Nachdenken gebracht, wie unfair das Leben sein kann. Ich habe hier Spaß mit den Leuten und verdiene dabei fast mehr, als manch einer, der täglich hart arbeiten geht."

Das Landesmedienzentrum (LMZ) Baden-Württemberg sieht vor allem die Möglichkeit der Zuschauer, ihren Idolen Geschenke zu kaufen, kritisch. Gerade für Kinder und Jugendliche sei der Umgang mit der virtuellen Währung eine Herausforderung, da die Höhe der Ausgaben oft nicht eingeschätzt werden könne, heißt es in einem Bericht. Außerdem beanstandet das LMZ, dass viele der sehr jungen Nutzer bedenkliche Einblicke in ihr Privatleben geben und keine wirkliche Kontrolle stattfindet.

Die Jugendlichen müssten für einen verantwortungsvollen Umgang sensibilisiert werden, sagt Ingrid Bounin, Leiterin des Referats Mediendialog vom LMZ, aber das gelte für alle Social-Media-Dienste: "Es ist ein weiteres Angebot für Jugendliche, sich zu präsentieren. Letztendlich müssen sie nicht nur auf einer Plattform aufpassen."

Geschäftsführer Sideman betont, dass Younow eine Null-Toleranz-Politik gegenüber unangemessenem Verhalten verfolgt: "Nutzer, die die Regeln brechen, werden aus Younow rausgeschmissen - und zwar so, dass sie nicht wieder rein können." Ein Moderatorenteam kontrolliere rund um die Uhr die Chats auf mögliche Verstöße, es gibt einen Sprachfilter, der bei obszönen Worten Alarm schlägt.

Hinzukommen Freiwillige, so genannte Younow-Botschafter, die mit besonderen Rechten innerhalb der Gemeinschaft ausgestattet sind und aufpassen, dass sich alle an die Regeln halten. Sideman rät den Jugendlichen aber auch: "Tue online nichts, was du nicht auch offline tun würdest. Man geht ja zum Beispiel nicht auf den Marktplatz und schreit vor lauter Fremden, wo man wohnt."

Manu möchte in seinem Kanal vor allem unterhalten. Blöde Kommentare hat aber auch er schon bekommen. Anfangs habe ihn so etwas sehr beschäftigt, inzwischen könne er damit umgehen. Es gäbe ja auch viele positive Erlebnisse: So hat er beispielsweise den bekannten Youtuber Liont kennen gelernt, mit dem er bereits eine Reise nach Norwegen gemacht hat. Außerdem schätzt er den direkten Kontakt zu seinen Fans und Zuschauern. "Mir macht s einfach Spaß!"

Live auf Sendung im Internet

Community Monatlich werden bis zu 100 Mio. so genannte User Sessions - also Nutzer-Zugriffe - auf Younow verzeichnet. Als User Sessions wird jeder Nutzer gezählt, der gerade online ist, egal ob er zuschaut oder gerade ein Live-Aufnahme macht. Der deutsche Anteil auf Younow beträgt etwa 20 Prozent.

Streamer Die beliebtesten Streamer - Menschen, die live senden - sind meist auch auf Youtube bekannt und populär: Die Youtuberin Bibi hat auf Younow über 300 000 Fans, auf Youtube hat sie über 2,5 Mio. Abonnenten. Ihre Kollegin DagiBee kommt auf knapp 250 000, bei Youtube hat sie etwa 2,3 Mio. Abonnenten.

Nutzung Vor allem bei den 13- bis 18-Jährigen ist die Plattform beliebt. Laut Geschäftsführer Adi Sideman greifen etwa 90 Prozent der Nutzer per App auf die Seite zu. Eine neues Feature ist das Guest-Broadcasting, bei dem zwei Streamer gemeinsam auf einem Bildschirm auftreten können. In Amerika wird diese Funktion inzwischen sogar für den Vorentscheid der amerikanische Version von „Deutschland sucht den Superstar“ verwendet. Die Verweildauer auf Younow beträgt im Schnitt 50,2 Minuten pro Tag. Facebook kommt auf 41,2 Minuten und der Instant-Messaging-Dienst Snapchat auf gerade einmal 17 Minuten pro Tag. (Quelle: eMarketer) lema

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11.01.2016, 08:30 Uhr
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