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Zahl der Studienanfänger aus Nicht-EU-Ländern eingebrochen
Grafik: SWP
Die Studiengebühren-Delle

Zahl der Studienanfänger aus Nicht-EU-Ländern eingebrochen

Die Zahl der Studienanfänger aus Nicht-EU-Ländern ist eingebrochen. Doch die Ergebnisse sind regional sehr unterschiedlich.

11.11.2017
  • AXEL HABERMEHL & JENS SCHMITZ

Stuttgart. Die Studiengebühren für internationale Studierende wirken. Das ist nun, kurz nach Beginn des Wintersemesters, nachgewiesen. Es handelt sich, wie erwartet, um einer Doppelwirkung: Einerseits kommen weniger Nicht-EU-Bürger an die baden-württembergischen Hochschulen, andererseits nimmt das Land von denen, die trotzdem kommen und zahlen, Millionen Euro ein.

Im Mai hat Baden-Württemberg Gebühren für internationale Studierende und für Zweitstudien eingeführt. Nun müssen Studenten aus Nicht-EU-Staaten pro Semester 1500 Euro zahlen.

Das im Mai mit den Stimmen der grün-schwarzen Regierungskoalition – gegen die gesamte Opposition – beschlossene, bundesweit einmalige Gesetz sieht Ausnahmen vor: Asylbewerber mit guten Anerkennungschancen sind von Gebühren befreit. Ebenso Studierende entwicklungsbezogener Postgraduiertenstudiengänge und Studierende mit studienerschwerender Behinderung. Hochschulen können fünf Prozent aller internationalen Studenten ausnehmen. Alle anderen Nicht-EU-Ausländer sollen die Hochschulmaut entrichten.

Die Zahlen, die das Wissenschaftsministerium von Theresia Bauer (Grüne) nun zusammengestellt hat, sind vorläufig. Noch ist nicht überall die Einschreibefrist zuende. Doch die Delle ist sichtbar: Bisher haben sich im Vergleich zum Vorjahr 26 Prozent weniger internationale Studienanfänger an Baden-Württembergs Hochschulen eingeschrieben. Das Ministerium erwartet, dass der Schwund am Ende zwischen 20 und 25 Prozent liegt.

Allerdings gibt es deutliche Unterschiede – mancherorts stieg die Zahl internationaler Neuzugänge sogar. An der Uni Konstanz haben sich elf ausländische Studienanfänger mehr angemeldet als 2016 (plus 1,6 Prozent), ebenso wie an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart (plus 157,1 Prozent). Auch die Musikhochschulen Mannheim (sieben zusätzliche Ausländer) und Karlsruhe (neun), die Gesamtheit der Pädagogischen Hochschulen (elf) und die Hochschule Nürtingen-Geislingen (14) verzeichnen Zunahmen. Bei anderen stagniert die Anfängerzahl.

Es gibt aber auch Standorte mit starken Rückgängen. In absoluten Zahlen ist das vor allem die Uni Freiburg, wo 200 internationale Studenten weniger anfangen als 2016 (minus 34 Prozent). Prozentual meldet die Hochschule Pforzheim die herbste Einbuße: 30 ausländische Neukommilitonen weniger, ein 49-Prozent-Rückgang.

Unter den bislang veröffentlichten Universitäten hat Ulm mit minus 45,5 Prozent den steilsten Abwärtstrend; dafür gibt es bislang keine Erklärung. Tübingen liegt mit einem Rückgang von 21 Prozent gut im Mittel.

Zu anderen großen Hochschulen wollte das Ministerium vorerst keine Zahlen nennen, weil noch Einschreibefristen liefen. Dazu gehören die Unis Heidelberg und Stuttgart sowie das Karlsruher Institut für Technologie. Für Hohenheim, wo die Frist am Mittwoch endet, bezifferte ein Ministeriumssprecher den Rückgang auf zuletzt 20 Prozent.

Unklare Ursachen

Ein Ministeriumssprecher erklärte, dass an den Beispielen Pforzheim und Freiburg auch gebührenfremde Einflüsse deutlich würden. So hatte die Universität Freiburg sehr frühe und knappe Einschreibefristen. In Pforzheim wiederum sorge das Zulassungsverfahren für sinkende Chancen der einzelnen Bewerber.

Ministerin Bauer will die Ergebnisse gemeinsam mit den Hochschulen analysieren. „Klar ist bereits jetzt, dass weder der jeweilige Standort noch die Hochschule ausschlaggebend ist“, erklärte sie. Ihr Ressort erwartet, dass es sich, wie in anderen Ländern auch, um temporäre Rückgänge handelt, die sich über die Zeit wieder ausgleichen.

Die bislang gemeldeten internationalen Studienanfänger bedeuten für das Land rein rechnerisch Mehreinnahmen von bis zu 14 Millionen Euro im Jahr, teilte das Ministerium mit. Dabei sind allerdings Befreiungen und Ausnahmeregelungen noch nicht berücksichtigt. Das Land hofft, nach einem Übergangszeitraum jährlich 41 Millionen Euro einzunehmen.

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11.11.2017, 06:00 Uhr
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