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Die Schäfchen stinken zu sehr
Der Geruch der Schafe im Stall von Andreas Quindt brachte das Flüchtlings-Wohnprojekt im Französischen Viertel ins Stocken. Bild: Metz
Flüchtlingswohnprojekt im Französischen Viertel stockt

Die Schäfchen stinken zu sehr

Wegen des nahen Schafstalls, der stockenden Verhandlungen und des Personalmangels liegt das Bauprojekt im Französischen Viertel auf Eis.

24.02.2017
  • Sabine Lohr

Ein „Begegnungsort am Französischen Platz“, ein Wohnhaus für Flüchtlingen, ein soziokulturelles Zentrum hätte es werden sollen, was die Baugemeinschaft „Maison mondiale“ auf dem Französischen Platz realisieren wollte. Die Idee fand die Wettbewerbs- Jury so gut, dass die Gruppe den Zuschlag und damit eine Kaufoption für das Grundstück bekam. Doch während alle anderen Wettbewerbssieger in den vergangenen Monaten ihre Ideen in Bauanträge umgewandelt haben und demnächst zum ersten Spatenstich einladen können, tut sich im Französischen Viertel nichts.

Das Problem sind ausgerechnet sehr friedliebende Nachbarn, die zwar nichts gegen die Bauherren und auch nichts gegen Flüchtlinge haben, die aber stinken: Schafe verhindern das Vorankommen des Projekts.

Nun ist zwar die Schäferei Quindt schon lange an diesem Ort und die Ausdünstungen der Tiere waren bisher kein Grund, ein Bauvorhaben zu verhindern. Doch das hat sich geändert. Denn das Geruchsgutachten, das früher einmal gemacht wurde, ist formal nicht mehr gültig. Ein solches Gutachten aber verlangt das Planungsrecht.

Und mit einem neuen Gutachten ist das so eine Sache. Zwei Arten von Gutachten seien möglich, sagt Baubürgermeister Cord Soehlke. Bei der ersten Art würde die Belästigung einfach berechnet. Das aber sei rechtlich nicht so ganz sicher, könne also angefochten werden. Die zweite Art ist ein olfaktorisches Gutachten. Dazu müssen Menschen mit normalem Geruchssinn immer wieder schnuppern, wie arg es stinkt. Und das ein ganzes Jahr lang.

Ein Jahr für ein einziges Gutachten – das war sowohl der Baugemeinschaft als auch der Stadtverwaltung zu lang. Darum entschieden sie sich schon kurz nach der Optionsvergabe, einen anderen Weg zu gehen und den Schäfer dazu zu bewegen, dass es nicht mehr stinkt.

Soehlke bot Schäfer Andreas Quindt an, neben dessen Schafstall am Österberg einen weiteren zu bauen und die Tiere, die Quindt an seinem Wohnhaus im Französischen Viertel hält, dort unterzubringen. Aber für Quindt kommt das nicht in Frage. „Die Tiere, die ich am Wohnhaus habe, brauchen dauernde Aufmerksamkeit“, sagt er. Das sind mal Lämmer, die alle drei Stunden ein Fläschchen kriegen, oder es ist ein krankes Tier, nach dem Quindt sehen muss. „Da kann ich nicht jedes Mal zum Österberg fahren.“

Er selbst machte dann den Vorschlag, den Stall am Haus zu modernisieren, allerdings auf Kosten der Stadt. „Es kann ja nicht zu meinen Lasten gehen, wenn direkt daneben gebaut werden soll.“ Schließlich sei sein Betrieb schon lange an dieser Stelle – bevor das Französische Viertel geplant wurde. Der Schäfer fürchtet, dass er, wenn die Wohnbebauung zu nah an seine Gelände rückt, den Betrieb aufgeben muss. „Da reicht ja ein einziger Mieter, der sich belästigt fühlt.“ Darum will auch er auf der sicheren Seite sein.

Dass er selbst die beiden Baufenster auf seinem Grundstück bebauen will, spiele in den Verhandlungen um die Geruchsbelästigung keine Rolle, sagt er. Und auch Soehlke betont, dass er das eine vom anderen getrennt behandelt.

Inzwischen war es Dezember geworden und das Bauprojekt war keinen Schritt weiter gekommen. „Wir haben, weil alles so unsicher war, keinen Architekten beauftragt“, sagt Projektleiterin Lucia Landenberger. Dazu kam, dass die Bauverwaltung mit all den anderen Bauvorhaben ungewöhnlich stark belastet und an der Kapazitätsgrenze war. Weil die Zahl der Flüchtlinge, für die gebaut werden sollte, zu diesem Zeitpunkt aber schon kleiner war als beim Start der Projekte, sank der Druck, alle so schnell wie möglich zu realiseren. Als dann das Land bekanntgab, dass der Fördertopf für Flüchtlingswohnen Ende März auslaufe, stellte die Verwaltung nach einem Gespräch mit der Gruppe Maison mondiale das Vorhaben am Französischen Platz zurück. „Es war zeitlich einfach nicht mehr zu stemmen. Für den Förderantrag braucht es ja einen fertigen Bauantrag“, so Soehlke.

Wie es nun weitergehen soll, entscheidet demnächst der Gemeinderat. „Wenn der politische Wille noch da ist, bleiben wir dran, denn es ist ein spannendes, buntes Projekt“, so Soehlke.

Auch die Baugemeinschaft steht noch zu ihrem Projekt. „Wir wollen es nach wie vor gerne machen und vertrauen darauf, dass die Verwaltung weiter daran arbeitet.“ Verkämpfen allerdings würde sich die Gruppe nicht für das Vorhaben.

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24.02.2017, 01:00 Uhr
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