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Ein Wahrzeichen wird saniert

Die Preußens renovieren: Millionenbaustelle auf dem Hohenzollern

Es gibt marode Eigenheime, da schafft der Hausherr die anstehenden Arbeiten einfach nicht allein. Die Burg Hohenzollern ist so ein Fall. In den kommenden zehn Jahren wird sie zur Millionen-Baustelle.

09.11.2017
  • Eike Freese

Mittwochmorgen. Im dichten Nebel der tiefhängenden Wolken steht Georg Friedrich Prinz von Preußen auf den Steinen des Lichthofs und reibt sich fröstelnd die Hände. Unter ihm windet sich der so genannte Treppenturm ins Dunkle: 600 kunstvoll zusammengefügte Sandstein-Elemente, die Fußgängern den Weg zum Burg-Ausgang verkürzen. „Wenn er denn nur begehbar wäre“, sagt der 41-Jährige: „In meiner Zeit war das nämlich noch nie der Fall.“

Wie viele der zahlreichen Mauern der 850-Meter-Höhenburg ist auch der Treppenturm von Wind, Wetter und sogar Erdbeben der vergangenen 150 Jahre angegriffen. Die komplexe neugotische Konstruktion hat sich um zwei Handbreit verzogen und wird zunächst komplett demontiert – Stück für Stück. Und sie ist nur der Anfang.

Für einen am Ende wohl zweistelligen Millionenbetrag (so die groben Schätzungen) renovieren die Hohenzollern in den kommenden Jahren, vielleicht Jahrzehnten, ihren Stammsitz. Und weil der ein Kulturdenkmal ist, wird jeder einzelne Stein der betroffenen Treppen und Bastionen kartographiert – um ihn Jahre später mal an genau dieselbe Stelle setzen zu können.

Es quietscht. Der Prinz hat sich mittlerweile die Bauarbeiterhandschuhe angezogen und hievt mit einer Flaschenzug-Kette ein großes Stück vom steinernen Handlauf der Treppe aus der Verankerung. Mit einem Pinsel malt er eine „3“ auf den Stein. Das schwere Teil kommt nun nach Sigmaringen – und wird dort auf einer Pallette für wohl mehr als zehn Jahre dämmern. Dann erst werden Arbeiter anhand der Nummer rekonstruieren, wo der Handlauf wieder eingesetzt werden muss.

Und dort, wo die Steine komplett neu gemacht werden müssen? „Wir werden dafür einen eigenen Steinbruch schaffen, auf sigmaringisch-hohenzollerschem Gelände“, sagt Georg Friedrich von Preußen: „Wir hoffen, dass wir da in ausreichender Qualität und Quantität fündig werden.“ 1200 Tonnen Sandstein, so die Schätzungen, bröckeln allein an den maroden Teilen der Außenbastionen. Das neue Material soll aus der Gegend von Grosselfingen kommen, das überkommene haben die Vorfahren bei Balingen ernten lassen. Damit die Steine nicht auf Lastern über die windungsreiche Auffahrtsanlage müssen, könnte sogar ein Aufzug installiert werden.

„Einfallen lassen müssen wir uns so oder so etwas“, sagt Burgverwalterin Anja Hoppe: „Allein um der Besucher Willen.“ Die studierte Archäologin steckt weit mehr noch als der Hausherr im Tagesgeschäft und muss mit der Sanierung ein wohl einmaliges Projekt managen, das in ihrem Jobprofil zunächst gar nicht vorgesehen war. Hoppe muss dafür sorgen, dass das Mammutprojekt der Restaurierung möglichst reibungslos mit den rund 300000 Touristen zu vereinbaren ist, die jährlich die Burg stürmen: „Durch die Besucher finanzieren wir uns vor allem. Zudem haben wir eine kulturelle Verpflichtung, das Denkmal offen zu halten.“ Die zahlenden Besucher sollen auch nicht allzu stark in ihrem Foto-Enthusiasmus eingeschränkt werden: „Mehr als ein Gerüst zur gleichen Zeit soll die möglichst nicht stören“, so Hoppe. Denkbar sei auch eine völlige Bau-Pause während der Restaurierungszeit.

Immerhin zu 50 Prozent müssen die Unternehmen des Fürstenhauses die Sanierungskosten tragen. Der Rest soll von Denkmalstiftungen kommen, vom Bund und vom Land Baden-Württemberg, dem die Burg mittlerweile ein historisches Wahrzeichen und einträglicher Tourismusmagnet ist. Die Regeln, was bei diesem Denkmal wie genau zu erhalten ist, sind streng. „Und doch habe ich den Denkmalschutz vor allem als Ratgeber mit pragmatischen Lösungen kennengelernt“, sagt Hohenzollern-Chef von Preußen. Um weniger vom aggressiven Salz streuen zu müssen, denke er gar darüber nach, die Auffahrt zum Hof zu beheizen.

Immerhin können die Hohenzollern beim Renovieren auf Hilfe von Freunden zurückgreifen. „Familie Eltz ist mit uns sehr eng, und die haben das Ganze schon hinter sich gebracht“, so Georg Friedrich von Preußen. Der Prinz meint natürlich nicht irgendeine Familie – sondern das Geschlecht von Deutschlands wohl berühmtester mittelalterlicher Anlage überhaupt: Burg Eltz in der Eifel.

Die dritte Burg auf dem Zoller – ein Werk der Neu-Gotik

Anfang Oktober 1867 wurde die jetzige Burg unter König Wilhelm I. von Preußen fertig – die alles in allem dritte auf dem Zollernberg. Vorangegangen waren ein Wehrbauwerk im Mittelalter (wurde im 15. Jahrhundert zerstört) und eins zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges (wurde Ende des 18. Jahrhunderts verlassen und verfiel). Die jetzige neogotische Architektur ist ein Werk des Berliner Architekten Friedrich August Stüler (1800 bis 1865). Größere Schäden an der Anlage verursachten vor allem zwei Erdbeben in den Jahren 1970 und 1978. Bereits diese hatten jahrelange Ausbesserungs-Arbeiten zur Folge. „Im Grunde ist es also die vierte Burg – das ist so ein geflügeltes Wort bei uns“, sagt Hausherr Georg Friedrich von Preußen.

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09.11.2017, 01:00 Uhr
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