Die Nile Hilton Affäre

Die Nile Hilton Affäre

Von Dorothee Hermann

Noir-Thriller am Schauplatz Kairo um einen korrupten Polizisten, der in der Endphase des Mubarak-Regimes einen Mordfall ermittelt.

Die Nile Hilton Affäre

Er verkörpert vollendet den einzelgängerischen Detektiv des Film noir - markantes Gesicht, fast immer eine Zigarette in der Hand und von einem Hauch von Melancholie umgeben. Doch Noredin Mostafa (der schwedisch-libanesische Schauspieler Fares Fares aus „Yalla Yalla“) lebt nicht im Los Angeles der Schwarzen Serie, sondern im Kairo der Beinahe-Gegenwart, unmittelbar vor den Massenprotesten Ende Januar 2011, die zum Sturz von Machthaber Hosni Mubarak führten.

Die explosive Atmosphäre, die extremen sozialen Kontraste und die allgegenwärtige Korruption heben den rasanten Politthriller des schwedisch-ägyptischen Regisseurs Tarik Saleh über Genrekonventionen hinaus. Er schafft es, dass die sozialpolitischen Zutaten mindestens genau so stark wirken wie der mysteriöse Mordfall, mit dem Noredin es zu tun bekommt: Eine bekannte Sängerin wird im Kairoer Luxushotel „Nile Hilton“ tot aufgefunden. Einzige Zeugin ist Salwa (Mari Malek), ein Zimmermädchen aus dem Sudan.

Als die Spuren in ägyptische Regierungskreise weisen, wollen Noredins Kollegen den Mord als Selbstmord zu den Akten legen. Das Zimmermädchen, prompt entlassen, als wäre sie verantwortlich für den Skandal, der das Hotel getroffen hat, taucht ab. Nur an einem regulären Broterwerb interessiert, hat Salwa längst verinnerlichen müssen, konspirativ zu leben wie ein Verbrecher.

In bester Thrillermanier (es gibt keine harmlosen Begegnungen) treiben seine Ermittlungen vor allem den Detektiv in die Enge. Da hilft auch eine Affäre mit einer weiteren Zeugin nicht - die Sängerin Gina (Hania Amar) war eine Freundin der Verstorbenen.

Zugleich ist Noredin eine attraktive Variante der uralten Figur des Einzelnen, der versucht, in einem korrupten System sauber zu bleiben - aber erkennen muss, dass das nicht reicht. Erst recht nicht, wenn die Verhältnisse sich einmal wirklich ändern.

Der Film greift einen realen Fall auf, den Mord an der Popsängerin Suzanne Tamim 2008 in Dubai. Er ist auch im Programm des eben gestarteten Arabischen Filmfestivals Tübingen (ab 12; Arsenal und Atelier).

Attraktiver Film-noir-Wiedergänger verstrickt sich in einen mysteriösen Mordfall in der ägyptischen Hauptstadt.


Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

(c) Alle Artikel und sonstigen Inhalte der Website sind urheberrechtlich geschützt. Eine Weiterverbreitung ist nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Verlags Schwäbisches Tagblatt gestattet.


07.10.2017 - 09:13 Uhr