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Die Entdeckung der Currywurst

Die Entdeckung der Currywurst

Verfilmung von Uwe Timms Novelle über ein lebensgefährliches Liebesabenteuer am Ende des zweiten Weltkriegs.

Die Entdeckung der Currywurst

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© null 01:39 min

Deutschland

Regie: Ulla Wagner
Mit: Barbara Sukowa, Alexander Khuon, Wolfgang Böck, Branko Smarovski

- ab 6 Jahren

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28.07.2008
  • MARTINA KNOBEN, epd

Diese Romanze hat nur als Ausnahmezustand eine Chance. In „Die Entdeckung der Currywurst“ trifft Lena Brücker (Barbara Sukowa) als reife Frau mittleren Alters auf Hermann (Alexander Khuon), der Mitte zwanzig ist. Der Seemann soll noch kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges als Infanterist an der Heimatfront verheizt werden.

In Ulla Wagners Literaturverfilmung bietet die von ihrem Hallodri-Mann enttäuschte Frau dem Jungen aus einem Impuls heraus an, ihn bei sich zu verstecken. „Ich hab’ früher gar nicht so gern gekocht, erst jetzt, wo’s nichts mehr gibt.“ Lena hat ihrem Überraschungsgast eine falsche Krebssuppe gezaubert: „Die schmeckt echter als echt.“ Die Einschränkung, die erfinderisch macht und die Lust steigert – sie wird in diesem Film die Beziehung einer Frau in den fortgeschrittenen Jahren zu einem sehr viel jüngerenMann befeuern. Dass die beiden Liebenden nicht offen miteinander sind, er ihr verschweigt, dass er verheiratet ist, sie ihm dafür das Ende des Krieges unterschlägt, das ihn zuverlässig von ihr wegführen wird, macht den besonderen Reiz dieser Geschichte aus. Unter den Vorzeichen von Not und Lüge ist ihre Beziehung glaubhaft.

Die gewagten oder sonstwie unpassenden Liebschaften reifer Frauen werden gerade in mehreren Filmen verhandelt. Und wie in „42 plus“ von Sabine Derflinger oder in Bernd Böhlichs „Der Mond und andere Liebhaber“ steckt auch eine gehörige Portion Irreales in dieser Verfilmung einer Novelle von Uwe Timm – Anzeichen, dass Beziehungen von älteren Frauen zu jüngeren Männern immer noch mindestens am Rande der Tabuzone anzutreffen sind.

In „Die Entdeckung der Currywurst“ ist es das Kulissenhafte, das die Geschichte aus der Sphäre des Wahrscheinlichen herausholt. Wobei nicht ganz klar ist, in welchem Maß dies von der Regisseurin so gewollt war: Ihr Hamburg am Ende des Zweiten Weltkrieges setzt sich nie als Illusion einer gewesenen Realität durch.

Die ehemalige Fassbinder-Schauspielerin Barbara Sukowa ist sehr verführerisch in der Hauptrolle, ohne im mindesten forciert jugendlich zu erscheinen. Einmal wird Lena mit einer Crème Caramel verglichen – und dieser kulinarische Vergleich beschreibt ihre Reize sehr gut, die Mischung aus Bodenständigkeit und Klasse, dazu die angedeutete Üppigkeit einer reifen Frau. In der Begegnung mit dem jungen Mann ist Lena zugleich selbstbewusst und verunsichert – Sukowa trifft diesen Zustand ganz wunderbar.

Alexander Khuon (Sohn des Intendanten des Hamburger Thalia- Theaters Ulrich Khuon), der hier seine erste Kinorolle spielt, ist nicht ganz so überzeugend. Dennoch geben die beiden ein gutes Paar ab – die Unterschiede sind gerade so groß, dass Spannung entsteht. Es gibt einige eher unwahrscheinliche Wendungen im Film, und insgesamt ist die Inszenierung zu brav. Als Emanzipationsgeschichte aber hat sie eine schöne Wahrhaftigkeit: Die Grenzen dieser Liebe sind klar; dennoch vermag sie sowohl Lena als auch ihren Deserteur zu verändern – Lena beginnt mit dem Gewürz dieser Liebe, dem Curry, nach dem Krieg ein zweites Leben.

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28.07.2008, 12:00 Uhr | geändert: 01.02.2010, 12:00 Uhr

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