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Forschung

"Dickkopf-1" stört Jungbrunnen

Heidelberger Forscher wissen jetzt, warum die Leistungsfähigkeit im Alter nachlässt. Ein Molekül namens "Dickkopf-1" ist schuld.

11.02.2013
  • HANS GEORG FRANK

Heidelberg Labormäuse haben Wissenschaftlern des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg zu einer wichtigen Erkenntnis über die versiegende Leistungsfähigkeit mit fortschreitendem Alter verholfen. Zwar war schon bekannt, dass im Hippocampus, einem seepferdchenförmigen Teil des Gehirns, immer wieder neue Nervenzellen entstehen müssen, damit diese "Pforte zum Gedächtnis" ordentlich funktioniert. Im Alter jedoch nimmt diese Produktion drastisch ab. "Das gilt als eine der Ursachen für das Nachlassen der Merk- und Lernfähigkeit", erklärt die Neurowissenschaftlerin Ana Martin-Villalba, Abteilungsleiterin im DKFZ.

Auf der Suche nach den molekularen Ursachen für das Versiegen des Nervennachschubs stieß ihr Team auf das Signalmolekül WNT. Wenn dieses ungestört arbeiten kann, entstehen auch neue Zellen. Doch WNT hat einen überaus mächtigen Gegner namens "Dickkopf-1". Im Gehirn älterer Mäuse fanden die Forscher deutlich mehr "Dickkopf-1" als bei Jungtieren.

Für ihre Experimente setzten die Wissenschaftler Mäuse ein, bei denen der Störenfried blockiert war. Derart ungehindert konnten sich die Stammzellen im Hippocampus permanent selbst erneuern. Bei 80 Prozent der Mutanten entwickelten sich leistungsfähige Neuronen, während sie bei gleichaltrigen Kontrolltieren "deutlich verkümmerten", notierte Martin-Villalba, die 2006 und 2007 für wegweisende Forschungen ausgezeichnet wurde.

Die manipulierten Mäuse fanden sich in einem Labyrinth viel besser zurecht, ihr räumliches Erinnerungsvermögen war stärker ausgeprägt als bei normalem Artgenossen. "Überrascht und beeindruckt" war die Forscherin, dass die relativ betagten Mäuse tatsächlich das Leistungsniveau von Jungspunden erreichten.

Antikörper, die das missliebige Dickkopf-Gen ausschalten, werden nach Angaben des DKFZ bereits klinisch geprüft, allerdings bei einer anderen Krankheit. Ob sie auch dem Menschen zu einem ewig sprudelnden Jungbrunnen verhelfen können, das sei "noch Zukunftsmusik", betont Martin-Villalba. Die Versuche mit den Mäusen hätten ja gerade erst begonnen.

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11.02.2013, 12:00 Uhr
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