Wielandshöhe: Marktwert statt sozialem Zweck

Diakonieschwestern wollen 2,8 Millionen Festpreis für ihr Haus auf dem Österberg

Von koe

Die Diakonieschwesternschaft will das Ende Oktober kurzzeitig besetzte Haus nun für 2,8 Millionen Euro verkaufen.

Diakonieschwestern wollen 2,8 Millionen Festpreis für ihr Haus auf dem Österberg

Transparent an der Wielandshöhe während der Hausbesetzung im Oktober. Bild: Sommer

„Es ist bezeichnend für die Verhältnisse, in denen wir leben, wenn sich ein sozialer Träger nicht anders als ein profitorientierter Immobilienverwerter verhält“, kritisierte Paul Rodermund vom Tübinger Wohnraumbündnis die Entscheidung der Evangelischen Diakonieschwesternschaft Herrenberg-Korntal, die „Wielandshöhe“ über das Makler-Büro Engel & Völkers zu verkaufen. Auf deren Website ist für das Haus in der Stauffenbergstraße 10, das Ende Oktober vorübergehend besetzt worden war, ein Festpreis von 2,8 Millionen Euro angegeben. Die Besetzer wollten mit ihrer Aktion erreichen, dass die Schwesternschaft als Eigentümerin das gut hundert Jahre alte Haus nicht zum Höchstpreis verkauft, sondern einem sozialen Zweck zuführt.

Als sozialer Träger müsse die Schwesternschaft „zum Marktpreis verkaufen“, sagte Oberin Heidrun Kopp auf TAGBLATT-Anfrage. Das Ziel, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, sei zwar richtig, entspreche aber nicht dem Satzungszweck des Vereins. Den „Marktwert“ von 2,8 Millionen Euro habe ein Gutachter der Evangelischen Bank bereits im September ermittelt. Allerdings sollen alle Interessenten eine Chance haben. Falls es mehrere Bewerber geben sollte, könne sie sich vorstellen, das Haus nach bestimmten, gemeinsam mit der Stadt erarbeiteten sozialen Kriterien zu vergeben, so Kopp.

Überrascht von dem Verkaufsangebot zeigte sich auch Baubürgermeister Cord Soehlke, der den Preis als „sehr hoch“ bezeichnete. Je höher der Preis, desto geringer sei die Chance, dass andere Kriterien eine Rolle spielten. „Wir hätten uns etwas anderes gewünscht“, sagte Soehlke. Er hatte vorgeschlagen, dass ein städtischer Gutachter den Verkehrswert der „Wielandshöhe“ ermitteln soll. Dieser wäre vermutlich geringer als der in Tübingen erzielbare Marktwert.

Die von Aktivisten getragene „Initiative Freelandshöhe“ hat für nächsten Dienstag eine Pressekonferenz angekündigt.


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01.12.2016 - 01:00 Uhr