Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Quartier in gefährdetem Paradies

Deutsches WM-Camp entsteht mitten im Naturschutzgebiet

Bauschutt im Wald ist erst der Anfang. Umweltschützer in Brasilien befürchten, dass das Naturparadies, in dem das deutsche WM-Quartier entsteht, durch die Weltmeisterschaft und Touristen geschädigt wird.

12.04.2014
  • ANDREAS BEHN, EPD

Rio de Janeiro . Die deutsche Nationalmannschaft hat sich in Brasilien einen Platz an der Sonne ausgesucht. Direkt an einem Palmenstrand, fernab vom hektischen Trubel der Großstädte, wird sie zur Fußball-Weltmeisterschaft ab Anfang Juni ihr Hauptquartier aufschlagen. Santo André heißt das kleine Fischerdorf. Es liegt im Bundesstaat Bahia, nahe der Stelle, wo die Portugiesen im Jahr 1500 erstmals südamerikanischen Boden betraten.

Zwei Monate vor dem WM-Anpfiff wird rund um die Uhr gebaut. Die Zeit drängt. Doch die 14 Villen samt Schwimmbad und Rasenfläche liegen in einem Naturschutzgebiet, das Umweltschützer durch die Unterkunft und den zunehmenden Tourismus gefährdet sehen. "Es ist verwunderlich, dass die Baugenehmigung so schnell ausgestellt wurde", sagt der Umweltschützer César dos Santos. Er ist Mitglied des lokalen Gremiums in Santo André, das die Umsetzung der Umweltauflagen beaufsichtigt. Seit Jahresbeginn habe es keine Sitzung mehr gegeben. "Offenbar kommen diesmal die Anweisungen von ganz oben. In solchen Fällen ist die Natur zweitrangig."

Viele einzigartige Tier- und Pflanzenarten gehören zu den Schätzen des Küstenstreifens, der einst vollkommen vom Regenwald Mata Atlántica bedeckt war. Von dem Unesco-geschützten Urwald sind nur noch neun Prozent übrig. Eukalyptus-Plantagen prägen jetzt die Landschaft. Ökologen befürchten, dass sich der Raubbau an der Natur fortsetzen wird. Immer wieder werden die Auflagen für das Naturschutzgebiet am Meeresufer verletzt. Auch das "Campo Bahia", das Hauptquartier der deutschen WM-Auswahl, liegt in einem Gebiet, in dem die wirtschaftliche Nutzung des Bodens engen Umwelt-Richtlinien unterliegt.

Zudem bezweifelt Umweltschützer Dos Santos, dass die labile Infrastruktur im Dorf dem Massenansturm Hunderter Journalisten und Besucher gewachsen sein wird. Als Beispiel nennt er die improvisierten Müllkippen, die langsam aber sicher das Grundwasser verseuchen. "Auch der ganze Bauschutt wird nicht entsorgt, sondern einfach in die Mata Atlántica abgeladen."

Die Anwohner sehen die neue Berühmtheit ihres Dorfes zwiegespalten. Denn die Immobilienpreise steigen schon jetzt. Zudem ist der Bau des WM-Quartiers im Verzug. So arbeiten an die 200 Handwerker fast rund um die Uhr. Baulärm und Dreck belasten die Menschen. "Tag und Nacht weht der feine Holzstaub herüber und in unsere Fenster. Hinzu kommt der Krach. Die Kinder schlafen nicht mehr richtig, sie werden immer wieder krank", beschwert sich Mariane Ferreira. Ihre Familie wohnt direkt gegenüber der Baustelle.

Gleichzeitig hegt Ferreira die Hoffnung, dass sich die Lage der Bewohner verbessert, die Wasserversorgung zuverlässiger, eine Müllabfuhr eingerichtet wird. "Alles hat seine guten und schlechten Seiten." Es seien viele neue Arbeitsplätze entstanden. Das Geld sei wichtig für die Leute.

Deutsches WM-Camp entsteht mitten im Naturschutzgebiet
Baustelle im Naturschutzgebiet: Das deutsche Camp für die Fußball-WM, Campo Bahia. Foto: dpa

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

12.04.2014, 12:00 Uhr
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 
Nachrichten aus ...
Reutlingen Wannweil Pliezhausen Walddorfh�slach Ammerbuch T?bingen Dettenhausen Kirchentellinsfurt Kusterdingen Gomaringen Dusslingen Ofterdingen Mössingen Nehren Bodelshausen Hirrlingen Neustetten Rottenburg Starzach Horb
Das Tagblatt bei
Facebook Google+ Twitter Instagram
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesen
Wirtschaft im Profil


In der aktuellen Ausgabe des Business-Magazins Wirtschaft im Profil : Kultur als regionaler Wirtschaftsfaktor
Neueste Artikel
Anzeige

Themen-Dossiers

Themen-Dossiers
Single des Tages
date-click
Das Tagblatt als E-Paper

Kontakt zu den Redaktionen

Schwäbisches Tagblatt Tübingen
07071/934-0
redaktion@tagblatt.de

Neckar-Chronik Horb
07451/9009-30
nc@neckar-chronik.de

Tagblatt Online         
07071/934-0
online@tagblatt.de

Steinlach-Bote Mössingen
07473/9507-0
sb@tagblatt.de

Rottenburger Post
07472/1606-16
ro@tagblatt.de

Reutlinger Blatt
07121/3259-50
rt@tagblatt.de

Tagblatt Anzeiger
07071/934-344
tagblatt-anzeiger@tagblatt.de

Wirtschaft im Profil
07071/934166
wip@tagblatt.de

Zum Kontaktformular