Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Ramponiertes Image eines Ökopioniers

Der neue Besitzer des Modeversandes Hessnatur soll Verbindungen zur Waffenindustrie haben

Der Ökomodeversand Hessnatur kämpft seit der Übernahme durch einen Finanzinvestor um sein Image: Eine Kundeninitiative sieht Verbindungen zur Waffenindustrie. Der Geschäftsführer wehrt die Vorwürfe ab.

20.11.2012
  • MIRIAM BUNJES, EPD

Butzbach/Frankfurt . Mode "im Einklang mit der Natur", die "uneingeschränkte Bereitschaft, Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen" - dafür steht seit Jahren das Biomodelabel Hessnatur.

Seit im Juni der Finanzinvestor Capvis den Betrieb aus der Karstadt-Insolvenzmasse kaufte, hat das Image Risse - obwohl sich am Produkt nichts geändert hat und der Betrieb erst im August mit dem begehrten Future Shapers Awards ausgezeichnet wurde: als besonders nachhaltige Textilfirma.

Aber um Pullis geht es den Kritikern nicht. Sondern um die Besitzer. Und um die Logik von Investmentgeschäften, also von Geschäften mit Investitionen in die Geschäfte anderer. "Capvis verwaltet das Kapital von Gesellschaften, die ihrerseits in Rüstung und Atomwaffen investieren", sagt Johannes Mosmann, Betreiber der Website wir-sind-die-konsumenten.de, auf der Hessnatur-Kunden seit dem Verkaufsprozess kritische Kommentare schreiben.

Mosmann recherchiert die Capvis-Geldketten und stellt sie mit Belegen ins Netz. Tatsächlich gehört Hessnatur einem Fonds verschiedener Anteilseigner, den Capvis verwaltet: "Capvis III". Das zeigen eine Bekanntmachung der Bundeswettbewerbsbehörde und die Capvis-Website. "Capvis III" hat seinen Sitz im Steuerparadies Jersey und gehört unter anderem F&C Investment. Dieser US-Investor listet "Capvis III" im Portfolio auf, und auf seiner Website stehen auch Kundennamen wie BAE Systems und Babcock International, die zu den größten Atomwaffenproduzenten der Welt gezählt werden.

Macht das Capvis mitverantwortlich? Und in der Folge auch Hessnatur, deren Kundschaft Handel mit Kriegswaren ablehnen dürfte? "Capvis selbst steckt das Geld seiner Partner in saubere Unternehmen wie Hessnatur", sagt Mosmann. Er wolle die ökonomischen Verflechtungen für Hessnatur-Kunden transparent machen. "Abstrus", findet das Marc Sommer, der für Capvis die Hessnatur-Geschäftsführung übernommen hat. "Für die Geschäfte von Kunden von Geschäftspartnern trägt Capvis keine Verantwortung. Nach der Logik dürften wir auch keine Kunden annehmen, die auch Kleidung beim Discounter kaufen." Sorge machen ihm die Recherchen der Initiative trotzdem. Kundenrückgänge von 18 Prozent hatte Sommer vor Gericht beklagt.

Gegen Mosmann hat Hessnatur eine einstweilige Verfügung angestrengt, weil dieser schon vor Wochen über Rüstungskunden des Capvis-Partner Harbour Vest schrieb und sie in direkten Zusammenhang mit Hessnatur stellte. Dass die Zahlungen der Hessnatur-Kunden an die Rüstungsindustrie gehen, darf nicht mehr veröffentlicht werden. Gegen die neuen Aussagen wird Sommer nicht klagen.

Mark Starmanns kann sich gut vorstellen, dass Hessnatur-Kunden sensibel auf derartige Veröffentlichungen reagieren. Ökologische und sozialverträgliche Produktion sei aber prinzipiell auch mit einem Investor als Besitzer möglich. "Gelten erkennbar die gleichen Herstellungsstandards, kaufen Kunden weiter bei Hessnatur", glaubt Volker Wittberg, Wirtschaftsprofessor an der Fachhochschule des Mittelstandes. Der Besitzer sei dabei weniger entscheidend. "Sicher wussten viele gar nicht, dass Hessnatur vorher Karstadt gehörte."

Der neue Besitzer des Modeversandes Hessnatur soll Verbindungen zur Waffenindustrie haben
Hessnatur steht für ökologische Kleidung, die es online und in eigenen Läden, hier in München, gibt. Nun gibt es wegen des neuen Besitzers Kritik. Foto: Hessnatur

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

20.11.2012, 12:00 Uhr
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden

Newsletter-bestellen

· Samstags verschicken wir die News der Woche, unser Klassiker: Die wichtigsten Themen und Geschichten direkt im E-Mail-Postfach. So bleiben Sie auch in der Ferne immer informiert, was in und rund um Tübingen passiert.
· Werktags versenden wir um 9 Uhr die News am Morgen mit den wichtigsten aktuellen Nachrichten.
· Sonntagabend kommt unser Sport-Newsletter mit den wichtigsten Lokalsport-Berichten und Ergebnissen vom Wochenende.

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder sich neu als Benutzer registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter (nur falls Sie weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese) verwendet. Ihre Daten werden nicht an andere Unternehmen weitergegeben.
 
Nachrichten aus ...
Reutlingen Wannweil Pliezhausen Walddorfh�slach Ammerbuch T?bingen Dettenhausen Kirchentellinsfurt Kusterdingen Gomaringen Dusslingen Ofterdingen Mössingen Nehren Bodelshausen Hirrlingen Neustetten Rottenburg Starzach Horb
Das Tagblatt bei
Facebook Google+ Twitter Instagram
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesen
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Neueste Artikel
Anzeige

Themen-Dossiers

Themen-Dossiers
Single des Tages
date-click
Das Tagblatt als E-Paper

Kontakt zu den Redaktionen

Schwäbisches Tagblatt Tübingen
07071/934-0
redaktion@tagblatt.de

Neckar-Chronik Horb
07451/9009-30
nc@neckar-chronik.de

Tagblatt Online         
07071/934-0
online@tagblatt.de

Steinlach-Bote Mössingen
07473/9507-0
sb@tagblatt.de

Rottenburger Post
07472/1606-16
ro@tagblatt.de

Reutlinger Blatt
07121/3259-50
rt@tagblatt.de

Tagblatt Anzeiger
07071/934-344
tagblatt-anzeiger@tagblatt.de

Wirtschaft im Profil
07071/934166
wip@tagblatt.de

Zum Kontaktformular