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Der kleine Stinker wird 60

Von DPA

Der Trabant hat eine treue Fangemeinde. Ein Zwickauer liefert Ersatzteile von der Schraube bis zum Motor.

Der kleine Stinker wird 60

An Form und graublauer Abgaswolke zu erkennen: ein Trabbi, aufgenommen im November 1989. Foto: dpa

Zwickau. Sobald der Mittvierziger Frank Hofmann den Zündschlüssel herumdreht, ist die Erinnerung da. Das Knattern und der Abgasgeruch des Benzingemischs können nur zu einem gehören – dem Trabant. Auch 60 Jahre, nachdem am 7. November 1957 mit dem „P50“ in Zwickau die erste „Pappe“ vom Band lief, fasziniert das Auto mit dem Kulleraugen-Gesicht. „Der Trabbi ist einfach ein Auto, das sich abhebt“, sagt Hofmann. Er fährt einen baligelben P 601.

Hofmann teilt seine Leidenschaft mit anderen treuen Anhängern des Trabants, von dem bis zum Jahr 1991 rund drei Millionen Stück gebaut wurden. Der Zwickauer ist Inhaber eines Onlineversandhandels für Trabant-Ersatzteile. Die werden in Kleinserien produziert. Er vertreibt 1500 Artikel von der Schraube bis zum kompletten Motor und beschäftigt acht Leute.

„Der Trabant ist das Gegenteil unserer technisierten Welt von heute“, sagt Hofmann. Wenige Kenntnisse genügten, um das Auto selbst zu reparieren, weil es technisch einfach aufgebaut sei.

Genau das war 1954 die Vorgabe des DDR-Ministerrats: Robust, sparsam und preiswert sollte der Kleinwagen sein. Weil Blech in der DDR Mangelware war, entwickelten Konstrukteure die berühmte Kunststoff-Karosserie aus Duroplast. Dabei blieb es.

Für Hofmann zahlt sich das aus. „Ich brauche eigentlich keine Nummern aus der Zulassung, weil das meiste zwischen 1958 und 1991 ohnehin deckungsgleich ist.“ Die Lieferzeit hingegen habe sich dramatisch verändert, sagt er. DDR-Bürger hatten im Durchschnitt zwölf Jahre auf ihren Trabant warten müssen. Heute hat ein Trabbi-Fan sein Ersatzteil bereits am nächsten Tag.. dpa


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07.11.2017 - 06:00 Uhr