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Lichter Blick

Der kanadische Fotokünstler Jeff Wall zeigt in Bregenz seine Leuchttafeln

Magische Momente schafft der kanadische Fotokünstler Jeff Wall, indem er wie jetzt im Kunsthaus Bregenz alle Scheinwerfer auf ganz alltägliche Dinge richtet. Oder er setzt biblische Themen in Szene.

28.10.2014
  • BURKHARD MEIER-GROLMAN

Bregenz Bekanntlich holt sich der kanadische Fotokünstler Jeff Wall Anregungen für seine großformatigen Leuchtkastenbilder hauptsächlich aus der Kunstgeschichte, wenn er beispielsweise Edouard Manets 1863 gemaltes "Frühstück im Grünen" in unsere Zeit herüberbeamt und es passend unter eine Autobahnbrücke bei Vancouver platziert. Aber er hat auch schon einmal die von den Evangelisten beschriebene Tempelaustreibung in eine amerikanische Vorstadtsiedlung übertragen und sie damit in die Gegenwart verlegt.

Jeff Wall, Jahrgang 1946, hat eine ausgesprochene Schwäche für biblische Themen, dabei meidet er ganz bewusst so spektakuläre Dinge wie Kreuzigungen oder Auspeitschungen, er bevorzugt eindeutig die ruhigeren unaufgeregteren Geschichten in der Biblia pauperum, also die stilleren Erzählungen in der Bibel der Armen. Wenn er nicht einen vor seiner Krippe gedankenverloren vor sich hin starrenden Esel in seine Fotoinszenierungen hereinholt, dann wird er es wie jetzt im Bregenzer Kunsthaus versuchen, die legendäre Flucht nach Ägypten, als sich Josef mit Maria und dem kleinen Jesus aus Angst vor dem Kindsmörder Herodes zum Nil aufmachte, ins Hier und Heute zu übertragen.

Und da bietet sich für Jeff Wall in seinem Bild "Overpass" von 2001 als Szenerie ein ziemlich anonymes und tristes Stück Straßenbrücke an. Passanten rollen dort ihre Trolleys, schultern ihre Tragetaschen und tragen ihre Kleiderbeutel in Richtung urbanes Nirgendwo. Ja, das könnten die Flüchtlinge aus Syrien oder Eritrea anno 2014 sein.

Noch penibler und gründlicher geht Jeff Wall in Sachen Bildverdichtung vor, wenn er Unauffälligkeiten in unserem Alltag unter den Scheinwerfer bringt. Eine Seife liegt da am Rand des Waschbeckens, eine Hand befördert einen Schmutzlappen in die Waschmaschine, abgeschnittene Zweige an einem Baumstumpf. Wall hebt diese Nichtigkeiten heraus, weil er uns staunen machen möchte, zeigen will er, wie unsere Umgebung und wie wir selbst gestrickt sind. Details und kleine Handreichungen werden wichtig.

Sehr attraktiv und eindrucksvoll wird es, wenn Wall einen einfachen Alltagsvorgang in ein ganz spezielles Ambiente einbindet. Hier geht es um das Leuchtbild, das diesen Fotokünstler zurecht international ganz nach vorne gerückt hat: "Morning Cleaning" von 1999, sozusagen Hausputz im Mies van der Rohe-Pavillon in Barcelona. Da flutet das Morgenlicht in diesen außerordentlich schmucken hochdesignten Flachbungalow mit den Edelmöbeln. Und ein Bediensteter schrubbt und wienert den eh schon blitzblanken Fußboden, bevor die ersten Bildungstouristen auftauchen und angesichts solcher architektonischer Eleganz die Augen verdrehen.

Die 34 Prachtstücke aus Jeff Walls Atelier, die aus dem Stedelijk-Museum in Amsterdam an den Bodensee kamen und die im Januar ins Louisiana-Museum nach Humlebaek bei Kopenhagen weiterwandern, finden in Peter Zumthors Bregenzer Kunsthaus einen idealen Platz: Diese leuchtenden Bildkästen vor dieser minimalistischen Betonarchitektur, das ist ein ganz besonderes Ausstellungserlebnis.

Der kanadische Fotokünstler Jeff Wall zeigt in Bregenz seine Leuchttafeln
Jeff Wall vor seinem Fluchtbild-Leuchtkasten "Overpass" von 2001 im Kunsthaus Bregenz. Foto: Gerda Meier-Grolman

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28.10.2014, 12:00 Uhr
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