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Markt und Schöpfungsmythos

Der Weblog „theopop“schaut an der Schnittstelle von Religion und Popkultur hin

Bibelzitate bei der Berliner Band „Seeed“ und die Schöpfungsgeschichte in einer Baumarkt-Werbung: Dort, wo Religion auf Popkultur trifft, schaut der Tübinger Weblog „theopop“ gern mal genauer hin.

01.06.2013
  • Madeleine Wegner

Tübingen. Die frohe Osterbotschaft der Auferstehung bei James Bond? Theologisch anspruchsvolle Fragen aus dem Mund des Zeichentrick-Sofa-Helden Homer Simpson? Fälle für Theopop! Das von Tübinger Theologie-Studenten und Dozenten entwickelte Weblog geht religiösen Phänomenen in Alltag und Popkultur nach. „Mal frech, mal hintergründig“, meint die Jury der Evangelischen Kirche Deutschland (EKD), die den Blog im April mit dem dritten Platz, dem bronzenen „Webfish“ ausgezeichnet hat. Den „Webfish“-Preis vergibt die EKD für „besonders gelungene christliche Internet-Angebote“.

Online gibt es so genannte Internet-Friedhöfe (also Seiten zum Gedenken an Verstorbene), Gebetsseiten, Seelsorge via Internet und religiöse Internet-Communities. Auch Kirchengemeinden nutzen das Netz, um sich vorzustellen. Dies sind Beispiele für „religiöse Kommunikation im Internet“, die Seminar-Thema an der Uni Tübingen war. In dem Seminar der evangelisch-theologischen Fakultät („Web 2.0 – neue Herausforderung für kirchliches Handeln?“) entstand im Sommersemester 2012 die Idee zum Theopop-Blog.

„Theologie hat sich für Alltagsphänomene zu interessieren und für das, was die Menschen umtreibt“, sagt Dr. Kristin Merle, Dozentin für Praktische Theologie. Zusammen mit Tobias Weimer hat sie das Seminar geleitet. Das Thema sei nicht neu und das Feld weit – Wissenschaftler beschäftigen sich seit gut 20 Jahren mit der Verbindung von Religion und Populärkultur.

Doch nicht die theologisch-wissenschaftliche Analyse sei Ziel des Blogs, sondern ein eher essayistisches Schreiben mit theologischer Sichtweise – das aber nicht nur Theologen, sondern ein breites Publikum ansprechen soll.

Fabian Maysenhölder ist einer von vier Studierenden, die den Blog im Sommer zusammen aufgebaut haben. Den Theologiestudenten könnte man als den aktuellen Theopop-Macher bezeichnen: Er hat in den vergangenen Monaten den Großteil der Themen eingebracht und schreibt die meisten Beiträge.

Für Maysenhölder war das Projekt zunächst ein „Selbstversuch“: Was muss man tun, um religiöse Kommunikation anzustoßen und mit Leuten in Kontakt zu treten? Im gleichen Zug bezeichnet er den Blog als „ein Projekt, das nie abgeschlossen ist“. Über die Kommentarfunktion können Leser ihre Meinung zu den einzelnen Artikeln und Themen auf der Seite einbringen. „Es ist wichtig, aktiv zu werden, auf Kommentare einzugehen, Diskussionen am Laufen zu halten und auch andere Blogs zu verfolgen“, sagt Maysenhölder. Neue Artikel verlinkt er auf Twitter und Facebook. Neben den Texten gibt es auch Rubriken wie die „Fundstücke“: Momentaufnahmen aus dem Alltag, zum Beispiel Fotos von Streetart , die sich in einem religiösen Kontext sehen lässt. Doch der theopop-Blog streift auch die ganz großen Themen – das Verhältnis von Wissenschaft und religiösen Gefühlen etwa.

Mittlerweile bekommt Maysenhölder, der zur Zeit mitten in seinen Abschlussprüfungen steckt, sogar Themenvorschläge zugeschickt. Hatte der Blog im September des vergangenen Jahres – also kurz nach dem Start – noch 800 Klicks, so waren es im Februar bereits 3500.

Der bronzene „Webfish“ ist für den Theologiestudenten eine zusätzliche Motivation, den Blog auszubauen. Auf den ersten Platz schaffte es das evangelische Portal „Gemeindemenschen“, den silbernen „Webfish“ erhielt der katholische Karmelitenorden für seinen Internetauftritt. Bei beiden Online-Angeboten waren Profis mit am Werk. Vor diesem Hintergrund sagt Dozentin Merle: „Bei uns ist viel aus persönlicher Motivation entstanden.“

Mit religiöser Kommunikation in digitalen sozialen Medien beschäftigte sich Merle auch in ihrem Habilitationsprojekt. In der Praktischen Theologie erhalte das Thema immer mehr Gewicht, schließlich eröffne das „Social Web“ neue Räume von Öffentlichkeit, die von den Kirchen wahr- und ernst genommen werden wollen. „Das ist eine Frage, die sich die Kirchen stellen müssen: Wie kann man in diesem immer wichtiger werdenden Medium mit den Menschen ins Gespräch kommen?“, sagt Merle. Das Internet biete neue Möglichkeiten, sich zu vergemeinschaften. Aufgabe und „strukturelle Notwendigkeit“ der Kirche sei deshalb, dies wahrzunehmen und sich daran zu beteiligen.

Info: Der Blog ist im Internet unter der Adresse www.theopop.de zu finden.

Der Weblog „theopop“schaut an der Schnittstelle von Religion und Popkultur hin
Theopop-Macher: Fabian Maysenhölder und Dr. Kristin MerleBild: Wegner

Der Weblog „theopop“schaut an der Schnittstelle von Religion und Popkultur hin

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01.06.2013, 12:00 Uhr
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