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Neuro-Netzwerker Hans-Peter Thier

Der Vater des Exzellenz-Clusters für integrierte Hirnforschung

Dass Tübingen innerhalb weniger Jahre ein Spitzenzentrum neurowissenschaftlicher Forschung wurde, ist nicht zuletzt das Werk von Hans-Peter Thier. Der Neurologe und Direktor am Hertie- Institut ist auch der Kopf hinter dem interdisziplinären „Cluster“ CIN, dessen Neubau jetzt eröffnet wird.

17.05.2012
  • Ulrike Pfeil

Tübingen. „Ja, ich bin der arme Mensch, der den Antrag für das Centrum für Integrative Neurowissenschaften geschrieben hat“, sagt Hans-Peter Thier mit dem für ihn typischen ironischen Understatement. Thier hat aber nicht nur den Forschungsverbund der Tübinger Uni konzipiert, der als einziger in der ersten Exzellenz-Initiative 2007 erfolgreich war. Er war auch der Headhunter, der über die Jahre die besten Köpfe aus der Neurowissenschaft umwarb, nach Tübingen zu kommen, international bekannte Namen wie den Parkinson-Forscher Thomas Gasser oder den Schlafforscher und Leibniz-Preisträger Jan Born.

Als Thier, heute 58, nach Tübingen kam, gab es hier einen Neurologieprofessor, seinen Lehrer Prof. Johannes Dichgans. Heute hat allein das Hertie-Institut für klinische Hirnforschung sechs Arbeitsgruppen mit 15 Professoren; das Werner-Reichardt-Centrum für Integrative Neurowissenschaften umfasst neben den dort tätigen 150 Wissenschaftlern eine Vielzahl von kooperierenden Mitgliedern aus anderen Disziplinen, von der Kindermedizin über die Neurobiologie, die Psychologie, die Wahrnehmungsforschung, die Biokybernetik bis zur Philosophie, Physik, Informatik, Genetik, zur Augen- und Ohrenheilkunde.

Thiers eigenes Forschungs-Spezialgebiet ist die Sensomotorik, das Zusammenwirken von Sinneseindrücken und motorischen Reaktionen im Gehirn (etwa, der Zusammenhang von Sehen und Greifen). Er selbst hat noch Medizin und Biologie parallel studiert, was heute gar nicht mehr möglich ist, in Essen, Hohenheim und Tübingen. Er arbeitete am Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt und war vor seiner Berufung nach Tübingen mehrere Jahre als Heisenberg-Stipendiat am Massachusetts Institut of Technology (MIT) in Boston.

Doch so fern die Laborstudien manchmal von den konkreten Problemen neurologischer Patienten wirken mögen – der Antrieb für seine Forschung war stets, den Patienten zu helfen. So sieht er auch den entscheidenden Vorteil des Hertie-Instituts darin, dass dessen Abteilungsleiter zugleich als Ärzte an der Neurologischen Uni-Klinik tätig sind und dort unmittelbaren Kontakt zu Patienten haben. Gerade „unerwartete Aspekte“ von Krankheiten, die sie dort erlebten, sagt Thier, erwiesen sich oft als fruchtbar für die Forschung. Nicht zu vergessen: In der Geschichte der Neurologie hat die Behandlung von Kranken vieles über die gesunde Natur des Menschen vermittelt: „Der Patient zeigt uns die Funktion im Gehirn“, sagt Thier.

Von den Anfängen der noch jungen medizinischen Disziplin in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis zu heutigen molekularen und genetischen Ansätzen ist es ein weiter Weg, der auch mit einigen Irrwegen verbunden war. Thier ist deswegen zurückhaltend mit wissenschaftlichen Heilungsprognosen: „Wir wären gut beraten, wenn wir in unseren Versprechungen vorsichtig wären“, warnt er vor all zu hohen kurzfristigen Hoffnungen.

Interdisziplinarität hält Thier jedoch gerade in den Neurowissenschaften für sehr entscheidend. Gerne erwähnt er das Beispiel der Salzbakterien aus Wüstenregionen, die vor 40 Jahren erstmals beschrieben wurden. Heute werden sie als bakterielle Ionenkanäle bei Versuchstieren in Hirnzellen eingefügt, um diese zu stimulieren – ein vielversprechender Ansatz in der Parkinsonforschung. Für Thier auch ein typischer Beleg, dass Ergebnisse aus der Grundlagenforschung oft einen Nutzen bringen, „an den niemand gedacht hat“.

Weil das Gehirn ein so komplexes Organ zwischen Sinneswahrnehmung, Steuerung, Kommunikation und Emotionalität ist, braucht seine Erforschung diese Kooperation und diese Methodenvielfalt, die modernsten bildgebenden Verfahren, die vielen Ansätze und Experimente, wie sie mit dem CIN möglich geworden sind.

Und sie braucht Nachwuchswissenschaftler, die sich wie Thier faszinieren lassen von den Rätseln und Möglichkeiten der Neurologie. Deswegen sind ihm die mittlerweile drei Tübinger Graduiertenschulen mit neurologischen Schwerpunkten so wichtig, an denen Studenten aus aller Welt zu Spitzenforschern ausgebildet werden. Und das Schülerlabor, das ebenfalls im neuen CIN-Gebäude untergebracht ist: „Man kann nicht früh genug anfangen, junge Leute für die Wissenschaft zu begeistern.“

Der Vater des Exzellenz-Clusters für integrierte Hirnforschung
Arbeitet ständig an der Verbesserung und dem Renommee der Tübinger Neurowissenschaften: der Neurologe Hans-Peter Thier. Archivbild: Sommer

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17.05.2012, 12:00 Uhr
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