Am Tag nach der Bluttat gibt es neue Erkenntnisse

Der Täter hat bei der Polizei erste Aussagen gemacht / Verdacht auf psychische Probleme

Von Thomas de Marco

Der 21-jährige Asylant, der am Sonntag eine Frau mit einem Dönermesser getötet hat, sagte gestern aus – allerdings nur bruchstückhaft. Der Syrer war ein Arbeitskollege der 45-jährigen Polin. Bei ihm bestehe der Verdacht auf psychische Probleme, sagt die Polizei.

Der Täter hat bei der Polizei erste Aussagen gemacht / Verdacht auf psychische Probleme

Polizisten und ein Rettungswagen beim Einsatz in der abgesperrten Reutlinger Karlstraße. Hier wurde der Angreifer festgenommen. Bild: Reichert

Reutlingen.Gegen den Syrer wird wegen Mordverdachts und Verdachts der gefährlichen Körperverletzung ermittelt, wie die Staatsanwaltschaft Tübingen und die Kriminalpolizeidirektion Esslingen gestern gemeinsam mitteilten. Der Mann sei am Montagnachmittag auf Antrag der Staatsanwaltschaft vom Haftrichter in eine Justizvollzugsanstalt eingewiesen worden.

Er sei noch in der Nacht vom Sonntag zum Montag vernommen worden, habe dabei aber nur teilweise Angaben machen können, erklärte Polizeisprecher Christian Wörner. Bei dem Mann bestehe der Verdacht auf psychische Probleme. Ob er allerdings als psychisch krank bezeichnet werden könne, sei noch nicht klar.

Fest steht, dass sich Täter und Opfer kannten: Der 21-Jährige und die 45-jährige Polin aus einer Reutlinger Teilgemeinde haben nach Polizeiangaben gemeinsam in einem Dönergeschäft in der Nähe des Tatorts gearbeitet. Der Beschuldigte sagte aus, er hätte mit der Polin eine Beziehung gehabt. Es gebe aber keine Erkenntnisse darüber, dass die Frau schwanger gewesen sei, wie es in sozialen Netzwerken kursiere, betont Wörner.

Mittlerweile kann die Polizei, die bis weit in die Nacht hinein in der Stadthalle Zeugen befragt hat, genauere Angaben zum Tathergang machen: So sei es in der Stadtbachstraße28 aus noch ungeklärter Ursache zum Streit zwischen der Polin und dem Asylbewerber gekommen, bei dem die Frau tödlich im Kopfbereich verletzt wurde – durch ein im Restaurant verwendetes, 60 Zentimeter langes Dönermesser (nicht, wie zunächst vermeldet, mit einer Machete).

Danach schlug der Mann am Federnseeplatz mit dem Messer die Scheiben eines Citroën ein, in dem sich eine 51-jährige Frau sowie ein 41-jähriger Mann befanden. Bei dem Angriff erlitt die Frau Schnittwunden am Unterarm, die stationär in einem Krankenhaus behandelt werden mussten. Der Mann kam wegen eines Schocks ebenfalls in stationäre Behandlung.

Im Anschluss ging der junge Syrer in eine Gaststätte in der Eberhardstraße und verletzte einen 23-jährigen Mann im Gesicht. Auch dieser musste stationär behandelt werden. Danach lief der Täter zu einem Imbiss in der Wilhelmstraße und schlug dort mehrfach mit dem dem Messer auf einen Holztisch ein. Er flüchtete über die Karlstraße, wo er von einem BMW erfasst und zu Boden geschleudert wurde. Dort wurde er schließlich von der Polizei festgenommen.

Was sich viele Menschen nicht nur in Reutlingen fragen: Wie ist es möglich, dass ein Mann, der wegen Körperverletzungsdelikten bereits polizeibekannt ist, noch so eine Tat begehen konnte? „Es ist nicht so, dass er besonders im Fokus stand“, erklärt der Polizeisprecher. Der Mann sei eher ein Kleinkrimineller, der gewalttätig unterwegs war. „Aber nicht so, dass besondere Maßnahmen hätten ergriffen werden müssen“, sagt Wörner.

Der mutmaßliche Täter sei ein anerkannter Asylbewerber, der aus Bayern nach Reutlingen kam – und hier permanent auffällig gewesen wäre, erklärt Wolfgang Löffler, der Pressesprecher der Stadt Reutlingen. Im März diesen Jahres war er zunächst in Ohmenhausen untergebracht, was wegen seines Verhaltens nicht gut gegangen sei, so Löffler. Dann kam er kurz nach Bronnweiler – und wurde dort ebenfalls renitent. Nach seiner Verlegung in die Ypernkaserne in der Ringelbachstraße kam er mit den Mitbewohnern nicht klar und wurde deshalb in einem Einzelzimmer untergebracht.

„Er ist wegen Körperverletzungen, Diebstählen und Drogendelikten mehrfach angezeigt worden“, erklärt der städtische Pressesprecher. Dabei habe er auch in den Unterkünften andere Flüchtlinge bestohlen. „Er hatte deshalb Hausverbot in anderen Unterkünften“, sagt Löffler. „Aber wir haben eben keine Möglichkeit, ihn der Stadt zu verweisen. Wir mussten ihm eine Unterkunft verschaffen – und das funktionierte mit dem Mann nirgends.“

Die Sozialarbeiter in der Unterkunft seien total schockiert, betont der Pressesprecher. Unterstützer hätten ihm auch berichtet, dass viele andere Flüchtlinge fassungslos über die Tat seien. Viele haben sich auch über Facebook selbst gemeldet. Tenor: Es ist furchtbar für sie, dass ein Asylbewerber sie durch diese Tat unter Umständen in Mitleidenschaft ziehe.


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25.07.2016 - 12:11 Uhr