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Umzug der Spione

Der Bundesnachrichtendienst verlegt seine Zentrale nach Berlin

Der Zeitplan des BND-Umzugs ist geheim. Doch es hat sich herumgesprochen, dass nun die erste Abteilung anfängt.

08.11.2017
  • GUNTHER HARTWIG

Berlin. Groß, größer, BND. Für den Auslandsgeheimdienst der Bundesrepublik hat der Staat tief in die Tasche gegriffen: Das neue Berliner Domizil der Schlapphüte auf der Chausseestraße in Mitte verfügt über eine Grundfläche von 260.000 Quadratmetern und hat deutlich mehr als eine Milliarde Euro gekostet. Der erste Spatenstich fand schon 2006 statt, der Einzug war für 2011 geplant. Doch erst jetzt beginnt der Regelbetrieb im Haus der Spione und Aufklärer – die erste Abteilung mit rund 400 Mitarbeitern nimmt ihre Arbeit auf.

Dass es sich dabei um die Experten für „Internationalen Terrorismus und Organisierte Kriminalität“ handelt, wird vom BND offiziell ebenso wenig bestätigt wie der weitere Fahrplan des großen Umzugs der Pullacher Behörde an die Spree, der dem Vernehmen nach in drei Etappen bis Ende 2018 abgeschlossen sein soll. Nur so viel steht fest: Von den 2500 Arbeitsplätzen im angestammten BND-Quartier vor den Toren Münchens wechseln nur etwas mehr als 1000 nach Berlin, der Rest bleibt in Bayern – so haben es die Bundesregierung und der Freistaat vereinbart.

Gegenwärtig beträgt die Sollstärke des BND 6500 Stellen, von denen 4000 im kolossalen Neubau Platz finden. Die Standardbüros auf acht überirdischen Etagen messen 17 Quadratmeter für zwei Mitarbeiter, Einzelbüros elf Quadratmeter. Nur der Chef hat es geräumiger: Für BND-Präsident Bruno Kahl hat das Architektenteam von Kleihues und Kleihues im 7. Stock 42 Quadratmeter Bürofläche realisiert, dazu ein Vorzimmer und einen Besprechungsraum mit Fernblick aufs Kanzleramt, wo die oberste Fachaufsicht des Dienstes sitzt. Das riesige Gebäude mit 14.000 Fenstern, größer als jedes Bundesministerium in Berlin, ist gesichert durch Metallzäune, Mauern und ein ausgeklügeltes Alarmsystem.

Die Belegschaft wird an den Zugängen doppelt kontrolliert – erst der Hausausweis, dann per Scanner die Handvenen des Mitarbeiters. Wer eingelassen wird, kann sich bloß in seinem ausgewiesenen Bürobereich („Zone“) frei bewegen – andere Etagen und Flure sind tabu. Wenigstens gibt es überall Treffpunkte, an denen man in Pausen mit Kollegen mal einen Kaffee trinken kann.

Fertig war der technisch aufwändige Superbau unweit des Regierungsviertels bereits Ende vorigen Jahres, nachdem die Schäden eines unangenehmen Vorfalls beseitigt waren. Unbekannte hatten sich auf der Baustelle zahlreicher Wasserhähne bemächtigt, und als die Leitungen probeweise durchgespült wurden, ergossen sich zehntausende Liter in mehrere Büroetagen. Seither werden Handwerker und Spediteure noch penibler durchleuchtet, nur gut beleumundete Fremdfirmen sind im Einsatz. Sabotage etwa an den 20.000 Kilometern Glasfaserkabel im Gebäude kann sich der BND nun wirklich nicht leisten.

Schließlich rückt der Dienstleister der Regierung aus der Abgeschiedenheit der Pullacher Waldsiedlung mitten hinein und weithin sichtbar ins Herz der deutschen Hauptstadt, eine durchaus beabsichtigte Wirkung der politischen Standortentscheidung. Die BND-Mitarbeiter sind nun plötzlich direkte Nachbarn ganz normaler Berliner Bürger, aber auch des Deutschen Jagdverbandes, des Ballhauses Mitte und des Verbindungsbüros der syrischen Opposition. Das Besucherzentrum wartet auf interessierte Bürger, das Zentrum für nachrichtendienstliche Aus- und Fortbildung auf akademischen Nachwuchs, der hier seinen Bachelor machen kann.

Die Beschäftigten des Geheimdienstes kommen entweder mit dem Auto zur Arbeit und parken in der Tiefgarage, steigen an der Haltestation Schwarzkopffstraße aus der U-Bahn oder stellen ihr Fahrrad an einem der Ständer auf dem Gelände ab. Anders als am bisherigen Arbeitsplatz blicken sie aus ihren Büros zwar nicht mehr auf einen dichten bayerischen Mischwald, aber ein paar haushohe Kiefern sind wenigstens im Außenbereich auch schon gepflanzt – und stählerne Palmen gehören zur Kunst am Bau.

Zug um Zug wird der BND jetzt in Berlin heimisch. Eine alte Kaserne im Berliner Ortsteil Lichterfelde diente über Jahre als Provisorium und wird trotz des erweiterungsfähigen Neubaus auch jetzt nicht aufgegeben – man braucht Platz, denn der Dienst wird personell aufgestockt. Das ist der Tribut an eine zunehmend unübersichtlicher und unsicherer werdende Welt. An der Chausseestraße residiert ab sofort die Moderne des digitalen Nachrichtenwesens, die kaum noch etwas zu tun hat mit jener Welt, die ein paar Minuten entfernt am Leipziger Platz zu besichtigen ist – im Deutschen Spionage-Museum.

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08.11.2017, 06:00 Uhr
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