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Bodelshausen schrumpft - Verteilungskampf um Familien

Demografischer Wandel macht sich bald bemerkbar

Mehr Alte, weniger Junge: Erich Stutzer, Leiter der Familienforschungsstelle des Statistischen Landesamtes, erläuterte dem Bodelshäuser Gemeinderat am Dienstag, wie sich der demografische Wandel auf die Kommune auswirkt.

11.10.2012
  • Susanne Mutschler

Bodelshausen. „Was kommt auf uns zu?“, fragte Bürgermeister Uwe Ganzenmüller den Statistikexperten Erich Stutzer zu Beginn des Berichts. Denn der demografische Wandel sei „das beherrschende Thema für die kommunale Entwicklung“. Dass die Menschen im Dorf immer weniger und immer älter werden, steht bei der nächsten Klausurtagung des Gemeinderats ganz oben auf der Tagesordnung.

Innerhalb einer auf sieben Milliarden angestiegenen Weltbevölkerung sei „Europa die einzige Region, die nicht mehr wächst“, begann Stutzer seinen Überblick. Selbst Baden-Württemberg – obwohl als Zuwanderungsland begünstigt – werde bis 2060 eine Million Einwohner verloren haben.

Das Durchschnittsalter der Baden-Württemberger wird sich bis dahin auf 50 Jahre einpendeln. „Wir sind eine sehr alte Bevölkerung“, sagte Stutzer. Ursachen dafür seien die gestiegene Lebenserwartung und die geringen Geburtenzahlen. 2011 kamen im Ländle nur noch halb so viele Kinder zur Welt wie im Jahr 1964. Für fast alle Landkreise verzeichnet Stutzer ähnliche Entwicklungen. Die jetzige mittlere Generation der Erwerbstätigen wandere ins Rentenalter, während der Anteil der Jugendlichen an der Gesamtbevölkerung sinke. Zuwächse sieht Stutzer nur in der Altersgruppe der Hochbetagten. Der ländliche Raum sei – aufgrund wegen der Abwanderung in die Zentren – noch härter betroffen als die Städte. Nach Stutzers Berechnungen werden von den 5769 Bürgern, die gegenwärtig in Bodelshausen wohnen, im Jahr 2030 voraussichtlich nur noch 5410 übrig sein.

Auch „die familiäre Lebenssituation“ sei vom demografischen Wandel betroffen, stellte er fest: „Das Zusammenleben mit Kindern ist eine Minderheitsform geworden.“ Inzwischen seien 42 Prozent der 25- bis 45-jährigen Frauen in Baden-Württemberg kinderlos. Im Landkreis Tübingen liege die Geburtenrate mit 1,26 Kindern pro Frau sogar unter dem Landesdurchschnitt von 1,36.

In manchen ostdeutschen Dörfern habe die Abwanderung und Überalterung bereits dazu geführt, dass Schulen, Läden, Betriebe, Gaststätten und Arztpraxen dichtmachten. Bei gleichbleibender Belastung der kommunalen Haushalte „dünnt die Infrastruktur aus“, warnte Stutzer. Um solche Entwicklungen zu vermeiden riet Stutzer, „nicht die Augen zuzumachen“, sondern den demografischen Wandel als „Herausforderung und Chance“ zu begreifen. Im Wettbewerb der Kommunen gewinne die Familienfreundlichkeit an Bedeutung und gewähre Vorteile. Der große Anteil älterer Bürger in den Gemeinden sei „unausweichlich“. Es gelte, deren Potential zu nutzen und das Miteinander der Generationen gut zu gestalten.

„Es wird in Baden-Württemberg einen Verteilungskampf um junge Familien geben“, sagte Uwe Ganzenmüller. Nur mit einer breiten Basis familienfreundlicher Angebote sei der Abwärtstrend aufhaltbar. Aus Bodelshausen ziehen junge Leute weg, weil es „zu wenige bezahlbare Bauplätze gibt“, sagte er. Das geplante Baugebiet „Oberwiesen“ (siehe Kasten) ist eine seiner „strategischen Überlegungen“, um den Ort für junge Familien dauerhaft zur Heimat zu machen.

Demografischer Wandel macht sich bald bemerkbar
Senioren sind die Zukunft, auch in Bodelshausen (unser Bild stammt aus dem Jahr 2009).

Kleine Parzellen sollen die Lage attraktiv machen: In der Planung des Baugebiets Oberwiesen sei man städtebaulich noch „ganz am Anfang des Verfahrens“, sagte Bürgermeister Uwe Ganzenmüller: „Wir fangen bei Null an.“ Ob etwa zur Anbindung des Gebiets statt der Kreuzung an der Hechinger Straße künftig ein Kreisel nötig werden könnte, kann erst nach einem Lärmgutachten und einer Verkehrszählung entschieden werden. Es gibt noch keinen verbindlichen Bebauungsplan für das Gebiet. Doch die im ersten städtebaulichen Vorentwurf eingezeichnete verdichtete „Klötzchenstruktur“, wie der betreuende Ingenieur Jörg Tigges die vielen engstehenden Häuser nannte, sehe immerhin aus wie eine Reaktion auf den demografischen Wandel. „Große Bauplätze sind nicht veräußerbar“, sagte Ganzenmüller. „Es müssen auch kleine Grundstücke für junge Familien dabei sein“. Mitte November wird es für die Umlegungsbeteiligten eine erste Gesprächsrunde über die Fortentwicklung der Planung geben. Auf ein einheitliches Energiekonzept verzichteten die Räte mehrheitlich.

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11.10.2012, 12:00 Uhr
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