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Gewerkschaften und VVN rufen zu „historischer“ Aktion auf

Demo zum Mössinger Generalstreiktag

Geschichte wiederholt sich doch. Manchmal. Wie schon vor 30 Jahren rufen auch zum 80. Jahrestag des Mössinger Generalstreiks Gewerkschaften und VVN zur „historischen“ Demo mit Kundgebung auf.

16.01.2013
  • Ernst Bauer

Mössingen. Tausende sind damals auf den Platz vor der Langgass-Turnhalle geströmt, um an die Ereignisse vom 30. / 31. Januar 1933 zu erinnern. Manche Mössinger fühlten sich von den vielen auswärtigen Demonstranten etwas überfahren. Es waren 1983 allerdings auch noch etliche „echte“ Streikteilnehmer von 1933 dabei, etwa Paul Ayen, der Mann mit der Trommel – die nun sogar in einer Ausstellung im Haus der Geschichte in Stuttgart zu sehen ist: „Anständig gehandelt“, heißt der programmatische Titel der Sonderschau zum Widerstand der kleinen Leute.

Zum 80. Jahrestag mobilisiert nun wiederum ein breites politisches, gewerkschaftliches Bündnis zur Demonstration auf den Spuren des dörflichen Widerstands gegen Hitler – „auf nach Mössingen am 2. Februar 2013“, heißt es im Aufruf der Gewerkschaften IG Metall Reutlingen-Tübingen, Verdi Fils-Neckar-Alb, DGB-Kreisverband, GEW Reutlingen/Tübingen sowie der VVN /Bund der Antifaschisten Baden-Württemberg und Tübingen-Mössingen.

„Politischer Streik hätte Hitler gestürzt und verhindert!“, so die Schlagzeile auf dem Flugblatt, das ein Faksimile des Streikaufrufs von 1933 enthält: „Massenstreik! Hitler Reichskanzler!“, war auf dem Aufruf vor 80 Jahren in dicken Lettern zu lesen. „Illegal“ wäre die damalige Aktion in Mössingen auch heute, heißt es im Begleittext. Denn seit den 1950er Jahren gälten hierzulande politische Streiks als rechtswidrig. Nur bei Tarifauseinandersetzungen und mit komplizierten Einschränkungen seien Streiks „erlaubt“.

Mit ihrer Mössinger Demo – Start am 2. Februar um 14 Uhr am Jakob-Stotz-Platz, benannt nach einem der Generalstreik-Anführer – wollen Gewerkschaften und Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes /Bund der Antifaschisten in erster Linie an „diese mutigen Mössingerinnen und Mössinger erinnern“, die als einzige im ganzen damaligen Deutschland den Aufstand gegen die an die Macht gekommenen Nazis wagten. „Sie riskierten viel und wussten das“, betonen die Veranstalter. Schon beim Kapp-Putsch 1920 hätten die Arbeiterinnen und Arbeiter erfolgreich mit einem Generalstreik die Republik gerettet, die den rechten Putschisten nicht gepasst habe. „Wäre dieses Mittel des zivilen Ungehorsams 1933 überall von einer einheitlich handelnden Bewegung eingesetzt worden, so wie in Mössingen, wäre die deutsche Geschichte anders verlaufen.“

Warum läuft die „historische“ Demo – die sich auch gegen neue rassistische Hetze und Umtriebe von Neonazis wendet – zum 80. Generalstreik-Jahrestag erst am 2. Februar? „Der eigentliche Jahrestag fällt mitten in die Woche, deshalb sind wir auf den Samstag gegangen“, erklärt Jens Rüggeberg von der VVN. Der Veranstalterkreis rechnet mit ordentlichem Zulauf. „Die Liste der Unterstützer wird täglich länger“, so Rüggeberg. Das Spektrum reicht von Attac über die Naturfreunde im Land bis zum Tübinger Friedensplenum.

Demo zum Mössinger Generalstreiktag
Das war am 29. Januar 1983: 15000 kamen damals nach Mössingen auf den Platz vor der Langgass-Turnhalle (im Hintergrund), um 50 Jahre nach dem Generalstreik gegen Neofaschismus und neue Kriegstreiberei zu demonstrieren. Darunter auch noch einige der Streikteilnehmer von 1933. Archivbild: Franke

Druckfrisch hat die Mössinger Stadtverwaltung jetzt eine „Übersicht über die Veranstaltungen“ zum 80. Jahrestag des Mössinger Generalstreiks vom 31. Januar 1933 herausgebracht. Hier die wichtigsten Termine:
31. Januar Festvortrag Prof. Ewald Frie in der Langgass-Turnhalle und Ausstellungseröffnung in der Kulturscheune.
31. Januar bis 15. Dezember Ausstellung „Mössingen, 31. Januar 1933“; Kulturscheune.
1. Februar Vortrag Hans-Ernst Böttcher, Landgerichtspräsident i. R.: „Das Recht des NS-Staates ist Unrecht“; Kulturscheune.
8. März „Internationaler Frauentag trifft Mössinger Generalstreikfrauen“; Kulturscheune.
20. März „Geislinger Weiberschlacht“, der unbekannte Frauenaufstand 1941 gegen das NS-Regime; Kulturscheune.
19. April „Fakten-Check“ zum Generalstreik; Pausa-Tonnenhalle.
21. April Spaziergang auf den Spuren des Demonstrationszuges vom 31. Januar 1933; Treffpunkt Langgass-Turnhalle.
11. Mai Premiere des Lindenhof-Theaterstücks „Ein Dorf im Widerstand“; Pausa-Bogenhalle.

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16.01.2013, 12:00 Uhr
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