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Turm ohne Charme?

Debatte im Rat um geplantes Wohn- und Geschäftshaus

Die Gemeinde Dußlingen hätte gerne einen belebt(er)en Rathausplatz. Ein fünfstöckiges Wohn- und Geschäftshaus an der Nordseite des Platzes soll dafür sorgen, dass dieser künftig bevölkert wird. Über den geplanten Bau wurde am Donnerstag im Gemeinderat angeregt diskutiert.

27.10.2012
  • von Amancay Kappeller

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Dußlingen. Die Bebauung des rund 1200 Quadratmeter großen Grundstücks beschäftigt die Gemeinde schon seit der Fertigstellung des Rathauses im Jahr 2003. Bislang klafft neben der Dußlinger „Vorzeige-Bürgermeisterei“ eine Lücke; die Realisierung des Projekts scheiterte wiederholt an fehlenden langfristigen Mietern für die geplanten Gewerberäume. Das soll sich jetzt endlich ändern. „Es zeichnet sich ein vielversprechender Lösungsansatz ab“, sagte Bürgermeister Thomas Hölsch bei der Ratssitzung am Donnerstag.

Thorismuth Gaiser vom Reutlinger Architekturbüro Riehle & Assoziierte sowie Berthold Hartmann von der Kreisbaugesellschaft Tübingen stellten die Planungen vor. Auf dem freistehenden Grundstück soll demnach ein langgestrecktes Gebäude entstehen, welches auf der Ostseite, zur Bahnhofstraße hin, allerdings auf fünf Etagen ausgebaut werden soll. Geplanter Baubeginn: Frühjahr 2013 – bei mindestens einem Jahr Bauzeit. Eine Kostenberechnung liegt derzeit noch nicht vor.

Im Untergeschoss, welches deutlich breiter als das Erdgeschoss und die Obergeschosse ausfällt, erläuterte Gaiser, wird es eine Tiefgarage geben (Einfahrt auf der Westseite); außerdem ist Platz für das derzeit im Untergeschoss der Mehrzweckhalle untergebrachte Gemeindearchiv.

Krippe mit zwei Kleinkindgruppen drin

Im Erdgeschoss gibt es laut Entwurf zum einen Gewerberäume, eine Bäckerei mit Café – hierfür gebe es bereits einen ernsthaften Bewerber, informierte Hölsch. Zum anderen soll dort von der Gemeinde aus auf 280 Quadratmetern eine Krippe eingerichtet werden: zwei Kleinkindgruppen für jeweils zehn Kinder unter drei Jahren. Der aktuelle Nachholbedarf für Dußlingen betrage rund 30 Kleinkindplätze, erläuterte Hölsch. Für den Ausbau bekommt die Gemeinde einen Zuschuss von 12 000 Euro pro Kind vom Land.

Die vier Obergeschosse sollen, je nach Interesse, gewerblich oder als Wohnungen mit Dachterrasse oder Loggia genutzt werden. Im gesamten Gebäude könnten sieben Wohnungen unterschiedlichster Größe entstehen, die meisten davon „sehr hochwertig und großflächig“, so Hölsch. Man wolle mit unterschiedlichen Putzoberflächen arbeiten, erläuterte Gaiser; die Wohnungen könnten mit „stehenden Fenstern und Verglasungen bis auf den Boden“ ausgestattet werden. Nur der vordere Kopfbereich des Gebäudes schraubt sich in die Höhe, erklärte der Architekt; im rückwärtigen Bereich zum Rathaus hin bleibt der Bau zweigeschossig. Man wolle den Rathausplatz fassen, ohne dass der Platz vom neuen Gebäude dominiert und dadurch das Rathaus verbaut werde, so Hölsch. Die „Turmhöhe“ beträgt im aktuellen Entwurf vom Platz aus 16 Meter; der zweigeschossige Gebäudeteil soll rund sieben Meter hoch werden.

Rathaus dagegen wie ein „Schuhschächtele“

Die Geister schieden sich vor allem am Baustil des geplanten Wohn- und Geschäftshauses. Klaus Zürn (FWV) zeigte sich „enttäuscht von der Bauart“. Das „Turmmäßige“ störe ihn am Entwurf; seiner Meinung nach passt der geplante Neubau nicht ins Stadtbild. „Das Rathaus wirkt dagegen wie ein Schuhschächtele“, so Zürn. Die Obergeschosse seien in erster Linie wirtschaftlichen Gründen geschuldet, erklärte Hölsch. Der Neubau müsse sich schließlich auch rentieren. Die Umsetzung des Projekts an sich wünsche er sich aber sehr, erklärte Zürn.

Berthold Hartmann sagte, als Alternative käme nur ein langgezogener, dreigeschossiger Baukörper in Frage; dieser schirme das Rathaus dann aber komplett von der übrigen Fläche ab. Man könne bei dem Entwurf „unbestritten geteilter Meinung sein“, sagte Hölsch. An der Höhe des geplanten Neubaus habe er persönlich nichts auszusetzen, schließlich stiegen die Gebäude in der Bahnhofstraße passend dazu kontinuierlich an. Man habe sich über zehn Jahre lang an den Freiraum neben dem Rathaus gewöhnt; „es war aber eigentlich immer ein Loch“, so der Dußlinger Rathauschef. Er stehe städtebaulich voll und ganz hinter dieser Lösung.

Renate Schelling (SPD) fand, man solle „jetzt keinen Schritt zurück machen“. Bereits vor zehn Jahren sei man überein gekommen, dass man den Platz beleben wolle. Dazu passe es nicht, dass man sich auch heute noch „auf einer Seite des Platzes ins Nirvana verliert“. Eine knappe Mehrheit der Räte sprach sich bei einem Stimmungsbild gegen den aktuellen Entwurf aus. Der Turm sei zu dominant, „zwei Stockwerke müssten runter“, forderte Zürn. Antje Wellhäuser (DWV) würde „die Gliederung im Gebäude ändern“. Harald Müller (DWV) sagte: „Dreigeschossig wäre besser“. Auch Annerose Wuchter (CDU) möchte „keinen solchen Block“.

Debatte im Rat um geplantes Wohn- und Geschäftshaus
Nicht unumstritten im Dußlinger Gemeinderat: das geplante Wohn- und Geschäftshaus neben dem Rathaus – vorne 16 Meter hoch.Bild: Büro Riehle

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27.10.2012, 12:00 Uhr
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