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Showdown auf der Wilhelmsburg

Dast Theater Ulm zeigt open air eine spektakuläre "West Side Story" von Leonard Bernstein

Bandenkrieg in Ulm, aber jetzt als mitreißende Musical-Show: Rhys Martin hat Leonard Bernsteins "West Side Story" auf der Wilhelmsburg inszeniert.

15.06.2015
  • von JÜRGEN KANOLD

Ulm Wer hier zu spät kommt, bestraft sich selbst. Denn schon eine gute Viertelstunde vor dem musikalischen Start der "West Side Story" geht_APOSTROPHE_s auf der Bühne zu wie auf einem Film-Set. Großeinsatz der Polizei, ein Hubschrauber lärmt bedrohlich aus dem Off, Cops fahren auf knarrenden Motorrädern, Wachtmeister Krupke düst mit silbernem Helm auf einem Segway herum. FBI-Agenten schirmen einen Tatort zu den Zuschauerrängen hin ab.

Ein mörderischer Bandenkrieg in keiner guten Gegend: brennende Autowracks, graffiti-bemalte Häuserwände, und dann entlädt die bunte Multikulti-Gang der Sharks einen Transporter und treibt ins Land geschleuste Flüchtlinge ins Gemäuer einer Import-Export-Firma. Die Jets kommen Fascho-Bund mit Fahne daher, schwarz herrisch.

Bandenkrieg? Natürlich halten die Zuschauer ob dieses Spektakels auch deshalb den Atem an, weil in Ulm gerade erst ein Sprengsatz hochging, live gewissermaßen, weil Rockergruppen aus dem Rotlicht-Milieu sich bekämpfen. Aber wir sind im Theater: Regisseur Rhys Martin zeigt eine tolle Musical-Show, es gelingt, die sozialkritische, aber etwas in die Jahre gekommene "West Side Story" aus dem New York der 50er ins Heute zu ziehen.

Die aufwändige Szenerie ist jedenfalls nicht nur Dekor. Martin hat einige Figuren und die Handlung seiner Story überzeugend angepasst. "Doc" etwa führt keinen Drugstore, Doc ist tatsächlich ein Arzt, eine Hippie-Ärztin vielmehr, die eine medizinische Notfall-Station betreibt. Im Zelt arbeitet auch Tony, der Ex-Anführer der Jets als Hilfspflegekraft - ausgerechnet. Sozialtherapie aber in einer Welt, in der Kommissar Shrank im Smoking alles unter Kontrolle halten will, aber als Oberschicht-Zyniker meilenweit entfernt ist von der Realität?

Natürlich ist Bernsteins "West Side Story" trotzdem eine romantische Romeo-und-Julia-Liebesgeschichte, und Evergreens wie "Maria", "America" oder "I Feel Pretty" passen ja eigentlich nicht zu dieser inszenierten Gegenwart. Die Jets und Sharkes von heute haben eine andere Musik, Martin deutet das an, mit aggressiv angestimmtem Rap. Aber wir befinden uns schließlich in einer Musical-Show. Und da wird sich angemessen rührend und kitschig verliebt: Maria Rosendorfsky spielt die gar nicht so naive Maria, die endlich ausbrechen will aus dem Alltag, Nikolaus Heiber den Tony, der eigentlich den Mumm hat, aus dem Teufelskreis der Bandenkriege auszusteigen. Die Opernsopranistin und der Musical-Profi: ein starkes Paar.

Nur der Klang dieser Open-Air-Produktion des Theaters Ulm: anfangs katastrophal, ein Blechbüchsensound. Keine Spur von Bernsteins so differenzierten Rhythmen, seinem auskomponierten sinfonischen Jazz - was auch immer Hendrik Haas mit den unsichtbar in der Burg abgeschotteten Philharmonikern aufgeführt haben mag. Aber es wurde besser, der "Cool"-Song kam später richtig cool (noch 16 Aufführungen bis zum 15. Juli).

Dast Theater Ulm zeigt open air eine spektakuläre "West Side Story" von Leonard Bernstein
Maria (Maria Rosendorfsky) als Freiheitsstatue - aber es herrscht ein brutaler Bandenkrieg in dieser "West Side Story". Foto: Jochen Klenk

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15.06.2015, 12:00 Uhr
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