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Das ganze Leben liegt vor Dir

Das ganze Leben liegt vor Dir

Von der Uni ins Callcenter: Der Film prangert satirisch die düsteren Zukunftsaussichten junger Leute in Berlusconi-Italien an.

Frau Doktor im Callcenter - "Das ganze Leben liegt vor mir"

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Frau Doktor im Callcenter - "Das ganze Leben liegt vor mir" --

01:59 min

Tutta la vita davanti
Italien

Regie: Paolo Virzì
Mit: Isabella Ragonese, Micaela Ramazzotti, Sabrina Ferilli, Valerio Mastandrea

Tagblatt-Wertung

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16.03.2010
  • Dorothee Hermann

Wie es ist, wenn einen das Leben nicht haben will, merkt Marta (Isabella Ragonese) gleich nach ihrer brillanten Promotion in Philosophie. Was sie von Platons Höhlengleichnis oder von Zenon und der Schildkröte erzählen kann, interessiert niemanden außer einer vernachlässigten Vierjährigen. Ihr Freund setzt sich nach Kalifornien ab, weil er im Berlusconi-Italien keine Perspektive hat.


Um irgendwie zu Geld zu kommen, heuert Marta in einem hyperkapitalistischen Callcenter an. Die Beschäftigten müssen um jeden Preis sinnlose Produkte verhökern, wenn sie ihre unterirdisch entlohnten Arbeitsplätze irgendwie erhalten wollen. Auch der zu ihrer Unterstützung herbei geeilte Gewerkschafter ist eine dubiose Figur, der seinen Job gerne für Affären nutzt.


Regisseur Paolo Virzì inszeniert die bekannten Mechanismen der Ausbeutung als rasante Choreographie mit trashigen Slapstick-Elementen. Die allgegenwärtigen Rituale der Demütigung und Kontrolle sind je nach Geschlecht unterschiedlich, um noch fieser durchzuschlagen. Nur Marta wahrt von Anfang an eine gewisse Distanz. Sie lässt sich nie aus der Fassung bringen, ganz gleich, was um sie herum tobt.


Der Film ist viel mehr als eine weitere Innenansicht der Generation Praktikum. Er ist eine tragikomische Persiflage auf das System Berlusconi und zielt darauf, was es unter den weniger begünstigten Bevölkerungsschichten anrichtet. Nur Kinder und Alte sind vom Zwang zur Selbstverwertung noch ausgenommen. Ein Happy End ist ausgeschlossen – es sei denn, eine kleine humane Geste durchbricht den Teufelskreis.

Berlusconi-Italien als rabenschwarzes Drillcamp für alle außer Kindern und Alten.

Spielplan

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16.03.2010, 12:00 Uhr | geändert: 07.04.2010, 12:00 Uhr

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Hm, der Film lässt eher kalt, eine Mischung aus zu gewollt und zu distanziert. Das Zielpublikum sind eher die Brexit-Briten die historisch-verquast von Nolan vermittelt bekommen sollen dass mit einer stiff upper lip und nationaler Einheit eine Schlacht zwar verloren gehen kann, der Krieg aber gewonnen wird. Am Ende sind alle Helden. Rule Britannia, we'll be back.
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