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Studium-Generale-Vorlesung „Intersex“

Das binäre Denken

Eine Studium-Generale-Vorlesung „Intersex“ beschäftigt sich in diesem Semester mit geschlechtlicher Vielfalt und Ambiguität. Den Organisatorinnen geht es vor allem um den gesellschaftlichen und kulturellen Umgang damit.

06.06.2012
  • upf

Tübingen. Ein „Tatort“ handelte vergangene Woche von Intersexualität. Der Krimi trug eine Menge dazu bei, das Tabu wegzuziehen, mit dem das Thema nach dem Eindruck von Prof. Regina Ammicht Quinn immer noch „verhängt“ ist. Auch die Ringvorlesung, welche die Tübinger Theologin vom Internationalen Zentrum für Ethik in den Wissenschaften zusammen mit der Ethnologin Maria Beimborn organisiert hat, will zunächst aufklären. „Jeder von uns kennt intersexuelle Menschen, ohne dass wir es wissen“, sagt Ammicht Quinn. Geschlechtliche Uneindeutigkeit kommt etwa so häufig vor wie Zöliakie – und jede/r ist doch schon einem Menschen mit Gluten-Unverträglichkeit begegnet.

Immerhin hat der Nationale Ethikrat in diesem Jahr intersexuellen Menschen mehr Selbstbestimmung zugestanden. Andererseits ist die Medizin mit der pränatalen Diagnostik schon weiter, wie Beimborn berichtet: Da das androgenitale Syndrom auf Kortison-Mangel zurückgeht, werden schwangeren Müttern, bei deren Babys es vermutet wird, von manchen Kliniken prophylaktisch Hormongaben empfohlen – was möglicherweise die Entwicklung des Gehirns beeinträchtige.

Die Empfehlungen des Ethikrats gegen den Tübinger Ethikerinnen nicht weit genug: Sich mit Intersexualität zu befassen, bedeutet für Ammicht Quinn auch eine Auseinandersetzung über die Frage, welche kulturellen Geschlechts-Zuschreibungen „am Körper dieser Menschen ausgehandelt werden“. Dass Ärzte und Gesellschaft Menschen nur als Mann oder Frau denken können und eindeutig zuordnen möchten, zeigt ihr, „dass Ambiguität uns Angst macht“. Etwa, weil sie eine vermeintliche Sicherheit bedroht?

Abweichungen von der Norm Mann oder der Norm Frau werden nicht toleriert, sondern sanktioniert. Ein Beispiel ist die Verfolgung von Sportlerinnen, denen intersexuelle Eigenschaften unterstellt werden. „Haben sie das Recht, den DNA-Test zu verweigern?“ fragt Ammicht Quinn – es ist eine Toleranztest-Frage. Sie kann sich kleine Schritte zur Abkehr vom „binären Denken“ vorstellen, wie diesen: „In Situationen, wo es nicht nötig ist, eben kein Geschlecht anzugeben.“

Die Gesellschaft sieht die Ethikerin in der Haltung zu Intersexualität erst am Anfang eines großen Lernprozesses. Der gute Besuch der Vorlesungsreihe zeigt immerhin, dass einige dazu bereit sind.

Info: Vorlesung „Intersex“, dienstags, 18.15 Uhr Hörsaal 23, Kupferbau.

Das  binäre Denken
Maria Beimborn

Das  binäre Denken
Regina Ammicht Quinn

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06.06.2012, 12:00 Uhr
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