Der Sound der Scheune

Das Projekt Barn54: Der Dußlinger Klaus Lang startete mit Freunden eine internationale Band

Von Claudia Jochen

Die Musiker Klaus Lang und Simon Buss kennen sich schon aus der Schule, genauer: der Kreuzerfeld-Realschule in Rottenburg.

Das Projekt Barn54: Der Dußlinger Klaus Lang startete mit Freunden eine internationale Band

Abgezählte 288 Ideen kondensierten in einer CD: Klaus Lang in seinem Studio.Bild: Franke

Während Lang jedoch nach 44 Schuljahren erstmals nach den Sommerferien nie wieder zur Schule muss, darf Buss noch ein Weilchen als Musiklehrer unterrichten – mittlerweile in Bruchsal. Die beiden Kollegen bemerkten schnell, dass sie auf einer Wellenlänge liegen: 2005 beschlossen die passionierten Musiker, in Langs selbstgebautem Tonstudio in Dußlingen ein paar gecoverte Stücke für den 60. Geburtstag von Buss’ Mutter aufzunehmen. Nicht nur die Freundschaft zwischen den beiden gedieh, auch das geplante Musikprojekt nahm konkrete Formen an. Gemeinsam tüftelten sie an eigenen Songs.

Zeit also, sich einen geeigneten Bandnamen zu suchen. Da das Dußlinger Tonstudio in einer umgebauten Scheune (englisch „barn“) liegt und Langs Geburtsjahrgang für hervorragend befunden wurde, einigte man sich flugs auf „Barn54“. Bis jedoch die erste gemeinsame Scheibe auf den Markt geworfen werden sollte, musste noch viel Wasser von der Steinlach in den Neckar fließen.

Zudem zeigten sich auch andere Musiker interessiert an dem Projekt. 2016 beschlossen Buss und Lang schließlich, die vielen musikalischen Ideen – 288, um genau zu sein – endlich in die Tat umzusetzen: Im Juni formierten die beiden eine buntgemischte Band aus Musikern aller Altersklassen – von 22 bis 63 – aus dem Kraichgau, Italien und Frankreich. Von den hunderten Songideen schafften es acht Stück in die enge Auswahl für die geplante erste CD, und die gemeinsamen Proben begannen. Ganze 14 Musiker gaben bei einem Probenwochenende im Schwarzwald dem Projekt den Feinschliff, bevor man sich im Februar diesen Jahres auf den Weg in die „Kangaroo Digital Studios“ in Karlsdorf machte.

Das erste gemeinsame Baby stand nun kurz davor, das Licht der Welt zu erblicken, jedoch: Die Aufnahmen, das Abmischen, das Mastern und die Gema-Gebühren verschlangen Unmengen an Geld. Während man schon eifrig über den Namen der neuen Scheibe brütete, starteten im Mai 2017 die Musiker der Sektion Kraichgau einen Aufruf auf einem Internet-Portal zum Crowdfunding: „Diese Kraichgau-Rocker brauchen Euch!“ – und innerhalb kürzester Zeit fanden sich genügend Spender, um die Geburt der „Lost Tapes“, so der künftige Name der CD, voranzutreiben. Die CD-Release-Party fand unter abenteuerlichen Umständen an einem Juniwochenende in Prag im Jazz&Blues Club Ungelt statt, wie Klaus Lang berichtet.

Auf der Fahrt nach Tschechien wurde Langs Geldbörse gestohlen, nicht nur die Reisekasse war weg, auch alle Papiere. „Zum Glück wurde ich nicht an der Grenze kontrolliert“, meint Lang: „Ich fühle mich erst seit wenigen Wochen wieder wie ein richtiger Mensch: Jetzt habe ich wieder alle Papiere beisammen!“ Der wohl fulminante Auftritt in Prag machte den Unmut über die gestohlene Geldbörse wieder wett: Im Programm des Clubs Ungelt wird die Band besonders hervorgehoben und als „very very special guest“ angekündigt.

„Was Klang zu erreichen vermag, können Worte niemals ausdrücken“ – so lautet das Credo des harten Kerns von acht Musikern aus Italien, Frankreich und Baden-Württemberg. „Lost Tapes“ – Verlorene Musikkassetten-Bänder, die niemals gesucht, aber trotzdem gefunden wurden: Von unterschiedlichen Menschen mit verschiedenen Lebensgeschichten, die ihre eigenen Genres – von Blues über Punk, Rock und Italian Folk oder elektronische Musik – zu einem gemeinsamen Ganzen verschmelzen.


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16.09.2017 - 01:00 Uhr