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Prostitution

„Das Gesetz hat viele Fehler“

Kritiker fürchten, dass die neuen Regelungen viele Frauen in die Illegalität drängen.

30.10.2017
  • LSW

Stuttgart. Vom 1. November an greift das Prostituiertenschutzgesetz in Baden-Württemberg. Betroffene und Hilfseinrichtungen kritisieren das Gesetz als zu bürokratisch und teils wirkungslos.

Die Novelle schreibt vor, dass Sexarbeiterinnen sich auf dem Amt eine Arbeitserlaubnis abholen und eine Gesundheitsberatung mitmachen müssen. Für die Kunden gilt eine Kondompflicht. Die Arbeitszimmer müssen einen Notrufknopf haben. Frauen dürfen zudem nicht in dem Zimmer schlafen, in dem sie arbeiten; Bordelle brauchen künftig eine Betriebserlaubnis. Das Gesetz soll menschenverachtende Auswüchse in der Szene unterbinden, so das baden-württembergische Sozialministerium. Es diene damit vor allem den Frauen. Doch bei vielen Frauen in der Szene herrschen Skepsis und Ablehnung vor.

„Ich glaube nicht, dass das Gesetz die Schwachen schützt“, sagt etwa die 45-jährige Prostituierte Claudia. Sie fühle sich „bevormundet und gegängelt“. Sie empfängt ihre Kunden in einer Stuttgarter Terminwohnung. An der Haustür sind Klingeln mit den Namen der Frauen, die auf vier Stockwerken arbeiten. Dass sie nicht mehr in dem Zimmer schlafen dürfen, in dem sie die Dienstleistung anbieten, hält sie für „absoluten Quatsch“.

„Das Gesetz hat viele Fehler“, sagt auch die Sozialarbeiterin Margarete Schick-Häberle. Sie berät Prostituierte im Gesundheitsamt der Stadt Stuttgart. Auch sie kritisiert die Zwei-Zimmer-Regelung. Das sei in der Theorie interessant gedacht. Wenn ein Etablissement aber morgens um vier schließe, müssten Frauen, die wegen ihres Berufes oder Migrationshintergrundes keine Wohnung in Stuttgart bekommen und sich ein Hotel nicht leisten können, auf die Straße gehen – oder mit einem Kunden nach Hause.

Kontakt zu Hilfsangeboten

Das Gesetz bietet aus ihrer Sicht aber durchaus auch eine Chance: die, dass Prostituierte Kontakt zu Beratungsangeboten bekommen. Die vorgeschriebene Erstberatung müsse professionell und wertschätzend gemacht sein, sagt Schick-Häberle, damit sich die Frauen nicht abgewertet fühlen, sondern Vertrauen fassen können.

Das Amt kann einer Frau die Arbeitserlaubnis verweigern, wenn es Hinweise auf eine Zwangslage gibt. Der Amtsarzt des Gesundheitsamtes in Stuttgart, Martin Priwitzer, hält es aber für fraglich, ob mit dem Gesetz der weit verbreiteten Zwangsprostitution und dem internationalen Menschenhandel ein Riegel vorgeschoben werden kann. Er erwartet, dass unter Zwang stehende Frauen entsprechend vorbereitet werden – und wissen, was sie auf dem Amt sagen müssen.

Anna, die seit acht Jahren als Domina in der Region Stuttgart arbeitet, berichtet davon, dass ausländische Hintermänner Mädchen nach Deutschland bringen und sie wöchentlich an einen anderen Ort fahren. So könnten sie Kontrollen entgehen. „Das Gesetz soll die Frauen mit Zuhälter schützen, aber die haben nichts davon.“

Claudia glaubt, dass Frauen, die die Arbeitserlaubnis nicht bekommen, trotzdem weiter arbeiten, weil sie das Geld brauchen – womöglich in Privatwohnungen. Die Prostitution würde somit durch das Gesetz – entgegen aller politischen Beteuerungen – wieder mehr in die Illegalität gedrängt. Lena Müssigmann, dpa

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30.10.2017, 06:00 Uhr
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