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„Hottest Vegan Firefighters“ · Mitgefühl kann sexy sein

Daniel Lange aus Jettenburg ist einer der 14 heißesten Feuerwehrleute der Welt

Die Tierrechtsorganisation PETA nahm Daniel Lange als einzigen Deutschen im Olymp der „Hottest Vegan Firefighters“ auf.

04.11.2017
  • Christine Laudenbach

Die „wahren Helden der Tiere“ erkennt man an zweierlei: Er oder sie lebt vegan, verzichtet also auf Tierisches in jeglicher Form – und rettet damit bis zu 50 Lebewesen jährlich das Leben. Soweit die Berechnung der Tierrechtsorganisation PETA. Deren Partnerorganisation in den USA definierte ein weiteres Kriterium: Die wahren Helden unserer Zeit, sagen die Tierrechtler aus Übersee, sind Feuerwehrleute. Und: Beim Vollbringen ihrer Heldentaten zeigen die Firefighters, wie sie dort genannt werden, noch nebenbei „wie sexy Mitgefühl sein kann“.

Eine Jury machte sich daher auf die Suche nach den 14 „Hottest Vegan Firefighters“ dieser Erde und durchkämmte das weltweite Netz. Kameraden und Kameradinnen mit Instagram-Account hatten da einen klaren Wettbewerbsvorteil. PETA graste lediglich diese Social-Media-Plattform nach Hashtags ab, die auf eine vegane Lebensweise und die Bereitschaft für Feuerwehreinsätze schließen ließen.

Zwischen Jay aus Florida (Workerhose, offene Jacke, tätowierte Front) und „Wonder Woman“ Jessica aus Virginia („sie ist Mutter“), taucht Danny aus Tübingen, Germany, im PETA-Blog auf. Danny Danger, wie sich Daniel Lange mit Nicknamen nennt, sitzt entspannt mit Hund im Grünen (Bild). Lacht sympathisch. Danny ist einer dieser heißen 14. Und: „Er macht sogar seinen eigenen veganen Käse!“

Dass er nominiert wurde, erfuhr der 24-jährige Jettenburger im Frühjahr. Mitten im Jura-Staatsexamen. Der Jury waren seine „hervorragenden Rezepte auf Instagram“ aufgefallen, sagt René Schärling, Fachreferent für Ernährung bei PETA Deutschland. In erster Linie sollen bei dem Contest Vorbilder präsentiert werden, erklärt er. Das Alter spielte bei der Auswahl keine Rolle. Das Aussehen schon. Edel und gut reicht eben doch nicht. Die bei der Ausschreibung gesuchten „attraktivsten veganen Feuerwehrleute weltweit“, glänzen durch „äußerliche Attraktivität“ und durch „innere Schönheit“, schreibt PETA. Bei den Postings von Danny Danger habe „das Mitfühlende und das Optische“ gestimmt, sagt Schärling auf Nachfrage. Der Jettenburger bekam deshalb einen Fragenkatalog zugeschickt. Wie kam er zur veganen Ernährung? Und was halten die Kameraden in der Jettenburger Wehr davon?

Beim Kaffee im Tübinger Vegi erzählt Daniel Lange davon. Auf diese „neue Art sich zu ernähren“ sei er durch seine Freundin gekommen. Vollends überzeugt habe ihn dann die Dokumentation „Earthlings“, nach der es seiner Meinung nach keinen anderen Weg gebe, als der „tierausbeutenden Industrie den Rücken zu kehren“. In einer Tierrechtsorganisation aktiv ist er nicht. Nach mittlerweile knapp drei Jahren ohne, ist Daniel Lange jedoch überzeugter Veganer. „Man fühlt sich fitter, als wenn man sich mittags zwei Schnitzel reinzieht“, sagt er. Die Muskeln bauten sich schneller auf. Er sei seltener krank. Dass er von PETA „die Gelegenheit bekam, über seine ethische Überzeugung zu sprechen“, findet er „nett“. Und: „Ich denke, Frauen können den Job bei der Feuerwehr genauso gut machen, vegan ernährt sogar leichter.“ In der Vergangenheit kürte PETA bereits vegane Bodybuilder und vegane Ärzte. Jetzt Feuerwehrleute. Ehrenhalber. Ein Preisgeld gibt es nicht.

Und was sagen seine Jettenburger Kameraden, wenn sich Daniel Lange zum Vesper lieber Gemüse statt Schwarzwurst auf den Teller packt? Die Resonanz sei erstaunlich gut. Spott? Nein gar nicht, meint Lange, „in meiner Wehr nicht“. Immer wieder werde er inzwischen sogar nach Rezepten gefragt. „Sehr beliebt ist unser Nudelsalat.“ Und neulich habe ihm gar ein Kollege fürs Essen nach der Übung ungefragt einen veganen Brotaufstrich vom Einkaufen mitgebracht.

Zur Jettenburger Wehr kam Daniel Lange vor rund zwei Jahren – mit Ansage, denn entschieden und versprochen hatte er das bereits im Sommer 2013. Als der Hagel über die Härten tobte, war er zu Besuch bei seinen Eltern und beobachtete beeindruckt den Einsatz der Feuerwehr. Damals studierte der Rechtsreferendar am Tübinger Landgericht noch in Konstanz. „Wenn ich wiederkomme, komme ich zu euch“, versprach er – und hielt Wort. Ihm gefällt, dass „Leute ihre Zeit opfern, damit es anderen gut geht“, sagt er. Zum Einsatz ist Lange seitdem nicht oft gekommen. Was im Grunde ja ein Glück ist, wie er sagt. Rund sechs Mal im Jahr rücke die Jettenburger Wehr aus. Tiere musste er noch keine retten. Weder Katzen vom Baum, noch Rinder aus der Güllegrube, wie die Kollegen aus Wankheim vor einiger Zeit. Den Straßenhund aus Portugal, den er und seine Freundin aufgenommen haben, hat er höchstwahrscheinlich vor dem Tod bewahrt – und die 150 Tiere, die ihr Leben seiner veganen Lebensweise zu verdanken haben.

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04.11.2017, 01:00 Uhr
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