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Start im alten Forsthaus

DRK Tübingen gründet ambulanten Pflegedienst

Das Deutsche Rote Kreuz ist nicht nur ein Rettungsdienst. Lisa Federle, die Vorsitzende des Kreisverbandes Tübingen, betont das mehrfach. Weil es viele Leute noch nicht wüssten, sagt sie. Derzeit baut das DRK einen ambulanten Pflegedienst auf.

24.03.2012
  • susanne wiedmann

Mössingen/Tübingen. In die Mössinger Bahnhofstraße 8 zogen kürzlich die ersten Patienten. Dort, im alten Forsthaus, öffnete die landesweit einzige Wachkoma-WG. Ihre Bewohner leiden an schweren Schädel-Hirnverletzungen und müssen rund um die Uhr betreut werden. Es sind nicht nur die ersten WG-Bewohner, sondern auch die ersten Kunden des ambulanten Pflegedienstes des DRK.

Deshalb wird der neue Pflegestützpunkt des Kreisverbandes in der Mössinger Bahnhofstraße 3 aufgebaut – direkt gegenüber dem Ceres-Haus – und nicht in Tübingen. Dennoch arbeitet der Pflegedienst im gesamten Landkreis. „Die Idee, in weitere soziale Felder einzusteigen, gab es schon lange“, sagt Lisa Federle im Gespräch mit dem TAGBLATT. Bislang bietet das DRK die „Überbrückungshilfe“ an, die sich beispielsweise um Kinder kümmert, wenn die Mutter erkrankt. Oder der „aktivierende Hausbesuch“. Eine halbe Stunde, in der mit älteren Menschen geplaudert oder Alltagspraxis im Haushalt geübt wird, damit sie möglichst lange zu Hause leben können.

Der ambulante Pflegedienst wurde als gemeinnützige GmbH gegründet und hat bereits 14 Angestellte: Außer dem Pflegedienstleiter und seiner Stellvertreterin Pflegefachkräfte mit einer Zusatzausbildung in der außerklinischen Beatmungspflege, Krankenschwestern und -pfleger, eine Altenpflegerin und Pflegehelferinnen. Die meisten Stellen wurden neu geschaffen. Und bis Ende Juni werden noch einmal 15 bis 20 Pflegefachkräfte und einige Hilfskräfte eingestellt.

Nicht jede Stunde knallhart kalkulieren

Die Wachkoma-WG wird 24 Stunden im Schichtbetrieb betreut. Wenn alle sechs Bewohner eingezogen sind, arbeiten etwa 30 Pflegekräfte im Ceres-Haus. Pflegedienstleiter Roland Fuchslocher hat bereits drei Nächte dort verbracht und berichtet: „Den Mitarbeitern macht die Arbeit sehr großen Spaß.“ Weil sie mitgestalten und ihre Ideen einbringen könnten. „Es ist ein schönes Klima, eine persönliche Atmosphäre.“ Noch muss sich vieles einspielen. Es braucht Zeit. Aber Fuchslocher ist überwältigt. Einer der Wachkoma-Patienten hebe den Kopf, wenn er aufgefordert werde, diesen zu heben. „Man macht einen riesigen Fehler, wenn man glaubt, sie kriegen nichts mit“, betont Lisa Federle. Deshalb solle das Leben der Patienten so angenehm wie möglich gestaltet werden.

Für jeden Patient sei ein Mitarbeiter zuständig, nicht eine Pflegekraft für unzählige Patienten wie im Krankenhaus. Es herrsche kein Zeitdruck und genauso wenig der Druck, den Patienten nicht gerecht werden zu können.

Derzeit verhandelt das DRK mit den Kranken- und Pflegekassen, die für die Pflegekosten aufkommen. „Das ist nicht einfach“, deutet Federle an. Immerhin: An erster Stelle stehe nicht die Betriebswirtschaft, weil das Rote Kreuz nicht profitorientiert arbeite. „Der Vorteil ist“, erklärt die Kreisvorsitzende, „wir müssen nicht jede Stunde knallhart kalkulieren. Wir wollen uns für andere Menschen einsetzen – das ist die Linie des DRK.“

Zudem würden sich Synergieeffekte ergeben. So habe das DRK bereits einen Verwaltungsapparat und einen organisierten Bereitschaftsdienst, einen Hausnotruf und Essen auf Rädern. Ein weiterer Vorteil sei, dass sich durch die große Zahl von Ehrenamtlichen die Kosten reduzieren. Sie könnten Fahrdienste übernehmen oder mit den Wachkoma-Patienten im Rollstuhl spazieren gehen. Derzeit knüpft das DRK Kontakte zu weiteren potenziellen Kunden. Mehr dazu möchte die Kreisvorsitzende jedoch noch nicht bekannt geben.

Künftig ist geplant, weitere häusliche und teilstationäre Pflege anzubieten. Stichwort: demografischer Wandel. „Er wird nach wie vor unterschätzt“, warnt Federle. „Zugleich haben die Menschen immer mehr Ansprüche und Erwartungen ans Leben.“ Vor allem für „eine Form des Lebens zwischen Zuhause und Krankenhaus“ möchte sich das DRK in Zukunft einsetzen, erklärt Projektleiterin Monika Baran. Noch gibt es nichts Konkretes.

Manche Senioren wollen einfach reden

Aber Visionen. Etwa eine Tagesbetreuung für ältere Menschen einzurichten. „Das lässt viele Senioren wieder aufleben“, sagt Baran. Dabei sollen sie von Ehrenamtlichen abgeholt und nach Hause gebracht werden. „Es reicht nicht nur, ein Angebot zu machen. Vielen fehlt der Antrieb.“ Wichtig sei, ein soziales Netz aufzubauen, das die älteren Menschen auffängt. Federle sagt: „Manche Senioren rufen beim Notdienst an, weil sie einfach mal reden wollen.“

DRK Tübingen gründet ambulanten Pflegedienst
Der Wachkoma-Patient im Haus Ceres soll nicht im Bild gezeigt werden, deshalb hat er „Papa Schlumpf“ vor dem Gesicht. Zu sehen sind aber (von links) der Pflegedienstleiter Roland Fuchslocher, die DRK-Kreisverbandsvorsitzende Lisa Federle und die Pflegekräfte Daniela Müller und Dorothea Kautter.Bild: Franke

Nach Auskunft der AOK Neckar-Alb gibt es 26 ambulante Pflegedienste im Landkreis, allein elf in der Stadt Tübingen. Betroffene und Angehörige erhalten eine trägerneutrale und kostenlose Beratung beim Pflegestützpunkt des Landkreises. Dazu gehört auch die Psychosoziale Beratungsstelle für ältere Menschen und deren Angehörige. Träger sind der Landkreis, Kranken- und Pflegekassen. Der Pflegestützpunkt kooperiert mit den Diakonie- und Sozialstationen vor Ort. Weitere Informationen unter pflegestuetzpunkt@kreis-tuebingen.de und unter Telefon 0 70 71 / 2 07 20 64.

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24.03.2012, 12:00 Uhr
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