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Retter simulierten Großeinsatz

DLRG-Übung in Kirchentellinsfurt: Katastrophe am Südufer

DLRG und Deutsches Rotes Kreuz probten am Kirchentellinsfurter Baggersee mit 70 Ehrenamtlichen und Profis den Ernstfall.

26.05.2017
  • Werner Bauknecht

Gemeinsam an einem Strang zogen die Wasserrettungsgruppe Neckar-Alb der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) und die Bereitschaft des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) Kirchentellinsfurt-Kusterdingen bei ihrer Übung am Dienstag. Zwar hatten die beiden schon früher zusammen trainiert, aber noch nie in so großem Rahmen. Etwa 70 Helfer waren beteiligt, darunter vier Notärzte. Die Gruppen begannen gegen 17 Uhr mit der Planung. Dazu gehörte, dass sie 17 sogenannte Mimen an verschiedenen Standorten um den See herum platzierten. Mimen bedeutet hier Kollegen und Kolleginnen, die als Verletzte präpariert waren und die es zu retten galt. Ein Dummy war auch dabei: Versenkt im See, damit die Taucher ebenfalls ihre Fertigkeiten beim Einsatz üben konnten. „Alleine die Vorbereitung ist ein enormer logistischer Aufwand“, sagte Konrad Steibli, der Einsatzleiter der DLRG für diesen Tag .

17 Verletzte am anderen Ufer

Das Szenario hörte sich ziemlich realistisch an: Bei einer Grillparty gab es einen Unfall mit 17 Verletzten, von denen vier aus dem Wasser gerettet werden mussten. Da sich die Katastrophe auf der Kirchentellinsfurter Seite am Südufer ereignete, wurde zur Erstversorgung und für den Transport die DLRG gebraucht. „Mit unseren Booten“, so Roland Adam, Stellvertretender Leiter Einsatz der DLRG Reutlingen „können wir schnell an jede Stelle des Ufers kommen.“ Anders geht das auch nicht, denn dieser Teil des Seeufers ist für Fahrzeuge völlig unzugänglich.

Ziel war es, das Zusammenspiel der ehrenamtlichen Helfer vom Roten Kreuz und der DLRG mit dem hauptamtlichen Rettungsdienst zu trainieren. Dazu gehörte auch das Einrichten einer Verletztenablage. Einsicht gab es auch in den Zeitfaktor einer Notrettung. Die Übung arbeitete mit Echtzeit-Einsatz. Die benötigte Zeit vom Notruf bis zum Eintreffen der Fahrzeuge (einschließlich Boote), Mannschaften und Notärzte war realistisch.

Kurz nach 19 Uhr gingen die ersten Notrufe ein. Die schnellsten Rettungswagen des DRK kamen kurz danach auf dem Gelände des Baggersees an. Am Ende der Übung gegen 20.45 Uhr waren fast 20 Fahrzeuge im Einsatz. Die Übung zeigte: Ohne Boote gibt es am See kein zeitnahes Durchkommen zu den Verletzten. Die DLRG hat eine Anlegestation am See. Zwar haben die Freiwilligen Helfer keine Präsenzpflicht mehr am Ufer, aber im Sommer haben sie den Notdienst übernommen. Von ihrer Zentrale in Kirchentellinsfurt aus dauerte es am Dienstag nicht lange, bis nach dem ersten Boot rasch drei weitere eintrafen.

In der Zwischenzeit gab es Informationen an das DRK: Zahlreiche Notsituationen tauchten gleichzeitig auf. Da war der Organisationsleiter des DRK Martin Gneiting gefragt. Er forderte mehr Wagen an, mehr Personal und Notärzte. Die Helfer fuhren mit dem Boot der DLRG zu den Verletzten. Plötzlich war auf dem See das reinste Durcheinander: Boote rasten über das gerade noch friedliche Wasser, am Nordufer wurden die 14 Verletzten ausgeladen, die man über den See transportiert hatte. Die Einsatzleiter des DLRG und die des DRK standen zusammen und glichen die Nachrichten ab.

Hilfe nach dem Ampel-Prinzip

„Unsere Leute“, so Adam, „sind jetzt abhängig von den Einschätzungen der DRK-Mitarbeiter. Sie entscheiden über die Reihenfolge der zu Bergenden.“ Dabei entscheidet die Schwere der Verletzungen. Dazu gibt es das Ampel-Prinzip: Grün nennt man die am leichtesten Verletzten, rot sind die, bei denen es um Leben und Tod geht, gelb ist dazwischen. „Wir haben noch zwei Rote und einen Grünen“, kam es aus dem Sprechgeräts Gneitings. Er hielt stets Kontakt zum Notarzt.

Immer mehr Einsatzwagen trafen ein. Auf dem Gelände neben der Bootsanlegestelle bauten die DRK-Mitarbeiter eine Verletztenablage auf – eine Plane von etwa zehn auf zehn Meter, auf der die Liegen mit den Verletzten nebeneinander abgestellt wurden. Die Opfer wurden dort ärztlich versorgt. Zuvor untersuchte man sie an einer Sichtungsstelle. Dort stellten die Ärzte und die Sanitäter fest, wie schwer die Verletzungen sind. Die Geborgenen bekamen eine Verletztenkarte mit ihren persönlichen Daten um den Hals. „Das braucht man“, so ein DRK-Mitarbeiter, „damit wir die Übersicht haben, wer bereits geborgen wurde.“

Ein besonders großes Fahrzeug traf ein – ein Gerätewagen mit der Aufschrift „Bevölkerungsschutz Baden-Württemberg“. Er transportiert keine Menschen, aber alle Gerätschaften, die man für solche Notlagen mit vielen Verletzten benötigt: Liegen, Zelte, Verbände, Hilfsmittel aller Art.

Schwachstellen aufarbeiten

Auf dem Sammelplatz lagen Menschen, die man gegen den Schock in Alufolie verpackt hat. Eine hysterische Frau, selbst verletzt, suchte ihre vermisste Cousine. Für den Außenstehenden das reine Chaos. Aber die Mitarbeiter von DRK und DLRG bewahrten Ruhe. Jeder Handgriff saß, die Absprachen klappten. „In der Realität hätte ich jetzt die Oberleitstelle in Stuttgart angerufen“, erklärte Gneiting, „und über den Ringalarm weitere Wagen aus Freudenstadt, Calw oder Nürtingen angefordert. Jeder Bezirk schickt dann zwei Wagen und einen Notarzt.“ Er hätte auch Hubschrauber angefordert für die Schwerverletzten. Aber für eine Übung wäre das dann doch zu viel Aufwand gewesen. „Wer zahlt uns denn dann die Hubschrauber?“, fragte er lachend.

Schließlich hatten die Boote alle Verletzten geborgen und zur Verletztenablage gebracht. Dort sah es aus wie im Feldlazarett. Wunden wurden verbunden, Halskrausen angelegt, gebrochen Glieder geschient, Menschen mit Trinkwasser versorgt. Im Hintergrund das Brummen eines Strom-Generators. „Die machen alle einen guten Job“, kommentierte Adam den Einsatz. Er und Gneiting waren froh über das geglückte Zusammenspiel zwischen DRK und DLRG. Doch zeigte die Übung auch Schwachstellen auf. „Die werden wir in den nächsten Wochen aufarbeiten“, sicherte Konrad Steibli von der DLRG zu.

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26.05.2017, 01:30 Uhr
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