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An der Dreifürstensteinschule tanzen Kinder mit und ohne Behinderung

Culcha Candela auf Rädern

Eines verbindet sie alle: die Freude am Tanzen. Dabei spielen die Umstände keine Rolle. Im Rollstuhl oder nicht, wenn die Musik läuft, macht sich das überhaupt nicht bemerkbar. Seit Herbst diesen Jahres studieren Schüler und Schülerinnen der Mössinger Dreifürstensteinschule und der Friedrich-List-Realschule eine Hip-Hop-Choreografie ein, die sie bei Auftritten präsentieren.

06.12.2012
  • von Angela Wistuba, 18 Hannah Eger, 15

Als die Musik aus den Lautsprechern der Turnhalle schallt, sind alle Jugendlichen in ihrem Element: Mimik und Gestik zeigen, welche Freude sie am Tanzen haben. Konzentriert und fokussiert bewegen sie sich im Takt der Musik durch den Raum. Jeder hat seinen eigenen Part in der Choreografie. Mal stehen die Schüler hintereinander, mal bilden sie eine Gasse oder tanzen gar wild durcheinander. Wenn sich hier und da mal kleine Fehler einschleichen, ist das nicht weiter schlimm und wird nur durch Gekicher der Mittänzer kommentiert. Dennoch ist jeder Schritt, jede Bewegung und Formation genauestens auf das Lied „Eiskalt“ von Culcha Candela einstudiert.

Die Besonderheit der Choreografie besteht darin, dass die Tanzgruppe nicht nur den Beat berücksichtigt, sondern auch den Songtext in ihre Bewegungen einfließen lässt: Bei „Eiskalt“ erstarren alle, und bei dem darauf folgenden „Freeze“ werden Sina Göksel und Verena Kosian, die im Rollstuhl sitzen, von ihren Mittänzerinnen herumgedreht. Daraufhin bilden die Stehenden eine Gasse, durch welche die Rollstuhlfahrerinnen durchfahren. „Es macht einfach großen Spaß mit allen anderen zusammen zu tanzen“, frohlockt Verena Kosian.

Die Tanzgruppe wurde unter Anderem ins Leben gerufen, um die Gemeinschaft zwischen Jugendlichen mit und ohne Behinderung zu fördern. Seit September diesen Jahres treffen sich jeden Dienstagnachmittag die Schüler der Friedrich-List-Realschule und des Internats der Körperbehindertenförderung (KBF), um unter der Leitung von Lehrerin Tanja Keinath und Referendarin Karina Gulde zu tanzen. „Ich hätte nicht gedacht, dass so viele von außerhalb kommen“, sagt Sina Göksel: „Normalerweise sind wir im Internat für uns und haben kaum Kontakt zu gleichaltrigen nicht Behinderten.“ Es ist traurig, aber wahr, dass auch in der heutigen modernen Gesellschaft manchmal der gemeinsame Umgang, wie beispielsweise das gemeinsame Sportmachen von Sportlern mit und ohne Behinderung, relativ selten ist.

In Mössingen herrscht unter den Tänzern eine freundliche Atmosphäre. Auffallend ist jedoch, dass sie im Umgang miteinander dennoch verunsichert sind. „Anfangs waren wir alle etwas schüchtern, doch mit der Zeit lernten wir uns besser kennen und es entwickelten sich gute Gesprächsthemen“, erzählt Sina Göksel.

Dennoch war nach dem Tanzen im Gesprächskreis eine gewisse Distanz zwischen den Schülern der zur KBF gehörenden Dreifürstensteinschule und der Friedrich-List-Realschule zu spüren. In der Abschlussrunde saßen die Jugendlichen strikt nach Schulen getrennt. Doch Karina Gulde schreibt das nicht dem Unterschied zwischen körperlicher Beeinträchtigung oder nicht zu, sondern sieht darin ein ganz normales Phänomen: „Die Realschüler kennen sich untereinander besser und müssen die Internatsschüler erst besser kennenlernen und umgekehrt.“

Während des Tanzens scheint es auf jeden Fall keine Hürde zu sein, da zählt nur der Spaß. Und wenn mal jemand eine Bewegung nicht hundertprozentig beherrscht, so helfen sich die Jugendlichen gegenseitig und geben einander Tipps. Vor allem im Hinblick auf einen baldigen Auftritt arbeiten alle hart an sich und der Choreografie. Dieser Auftritt ist für alle sehr wichtig, weil sie damit die Öffentlichkeit auf das Projekt aufmerksam machen wollen. Egal ob mit oder ohne Behinderung, das gemeinsame Tanzen macht allen

Spaß.

Culcha Candela auf Rädern
„Es macht einfach großen Spaß, mit allen anderen zusammen zu tanzen“, findet Verena Kosian (rechts). Bilder: Angela Wistuba und Hannah Eger

Culcha Candela auf Rädern

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06.12.2012, 12:00 Uhr
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