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Crosby, Stills, Nash & Young

Mit schlichtem Parolen-Pop gegen Bush und den Krieg: diese Tour wäre besser undokumentiert geblieben.

Mit schlichtem Parolen-Pop gegen Bush und den Krieg: diese Tour wäre besser undokumentiert geblieben.

Crosby, Stills, Nash & Young

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© null 02:15 min

CSNY
USA

Regie: Neil Young
Mit: David Crosby, Graham Nash, Stephen Stills, Neil Young

- ab 0 Jahren

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23.11.2015
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Crosby, Stills, Nash & Young standen in den späten Sechzigern, frühen Siebzigern an der Spitze der musikali­schen Protestbewegung ge­gen den Vietnamkrieg und inneramerika­nische Schweinereien. Der Song „Ohio“ klagte das Polizeimassaker an vier Studenten der Kent State University an. „Chicago“ verhandel­te die in Staatsgewalt er­tränkten Demonstrationen gegen den demokrati­schen Parteitag 1968.

In den letzten 30 Jahren machte von den vieren jedoch nur Neil Young noch er­wähnens­werte Musik, und er war es auch, der die teilweise mit stattlicher Wampe gesegneten Kollegen 2006 zu einer neuen Tour zusammenrief. Die alten Hits fungierten dabei als Köder für Youngs eigentliches Anliegen, dem er bereits in seinem Album „Living With War“ Ausdruck verschafft hatte: Stoppt den Irakkrieg! Weg mit Bush! Das klingt aus der Ferne erst mal sympathisch. Dummerweise mein­te Young, diese „Freedom Of Speech“ betitelte Tour als Film für die Ewigkeit festhalten zu müssen – und hängt das Unternehmen damit beträchtlich höher, als ihm zusteht.

Wer sich für die Geschichte der Band interessiert, kommt hier ebenso wenig auf seine Kosten wie jene, die in ihren musikalischen Jugend­erinnerungen schwelgen möchten. Die Klassiker von „Teach Your Children“ bis „Carry On“ werden, obwohl durchaus kompetent recy­celt, meist nur kurz angerissen. Umso ausführlicher geht in State­ments, eingeflochtenen Kurzreportagen und neuen Songs um die Weltlage unter Bush. Freilich ist das von Neil Young gelieferte Liedmaterial musikalisch so mäßig und textlich so plump, dass es nicht wirklich mitreißen möchte. Zum Mitsingen und -patschen aufbereitete Politpop-Parolen à la „Let’s impeach the President for lying“ mögen im Tagesgeschäft des Jahres 2006 ihren Sinn gehabt haben. Zwei Jahre später in einem deutschen Kino berühren sie eher peinlich.

Ein paar Mal bringt einen der Film doch ins Grübeln. So geht es leit­motivisch um eine stattliche Minderheit von Konzertbesuchern, die mit Empörung auf die „Nestbeschmutzung“ reagieren und zum Teil wütend aus den Hallen stürmen. Wussten die nicht, wofür CSNY po­litisch standen und noch stehen? Kann, wer 1970 gegen Nixon und den Vietnamkrieg war, heute für Bush und den Irakkrieg sein? Der Film lässt uns mit diesem Widerspruch allein. Ebenso unerwähnt bleibt, dass Neil Young in den Achtzigern tatsächlich mal die Seite gewechselt hatte und ein eifriger Unterstützer Ronald Reagans war.

Zu den interessanteren Passagen zählt die Geschichte vom jungen Golfkriegs-Kämpfer, der die Uniform hingeschmissen hat und jetzt mit kritischen Liedern durch Amerika zieht. Da ist vom Spirit der Sixties jedenfalls mehr zu spüren als bei den wiedervereinigten Rockveteranen. Eine einrucksvolle Sammlung neuer oder ausgegrabener Protestsongs und -videos gibt es übrigens auf Neil Youngs Homepage (www.neilyoung.com), wo man eine wesentlich unterhaltsamere Zeit verbringen kann als in seinem Film. Dessen Substanz hätte man auch in einem Beitrag für die „Tagesthemen“ gut untergebracht.

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23.11.2015, 12:00 Uhr | geändert: 21.07.2009, 12:00 Uhr

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15.07.2008

12:00 Uhr

raffaello schrieb:

Journalistisches Rumkritteln ist einfach, aber es ist schon was dran, der Film ist sehr plump. Dennoch ist "herübergekommen", dass die Band nicht nur friedensduselig unterwegs war, sondern sich der kontroversen gesellschaftlichen Debatte en USA gestellt hat. Das gilt es anzuerkennenin d



 
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Schlichtweg genial ist an diesem strunzöden, oft lachhaften, aber nie wirklich lustigen Film eher mal gar nix. der Humor ist seicht, platt und bemüht, was dann gar mehr an einen teutonischen Genrevertreter gemahnt. von französischer Leichtigkeit und Spritzigkeit iss hier nix zu sehen. Einzig das engagierte Spiel der immer irgendwie knuffigen, sympathischen Virginie Efira rettet die cineastische Stinkbombe vor dem Totalabsturz. Um den Tagblatt-Kritiker indes muss man sich langsam wirklich Sorgen machen ...
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