Der Erbe-Lauf ist ein absoluter Renner

Charles Maina gewinnt den 24. Erbe-Stadtlauf · Schnellste Frau ist die Kenianerin Maryanne Wanjiru

Von BS

Der Erbe-Lauf ist und bleibt ein Renner: Knapp 2800 Läufer/innen sind gestern auf die Schleife durch die Tübinger Altstadt gegangen. 1832 hatten sich für die beiden Hauptläufe angemeldet, 788 Schüler, 18 Handbiker und 98 für die erstmals ausgetragene Schnupperrunde mit Start und Ziel an der Neuen Aula.

Charles Maina gewinnt den 24. Erbe-Stadtlauf · Schnellste Frau ist die Kenianerin Maryanne Wanjiru

Erbe-Lauf-Sieger Charles Maina (Kenia). Bild: Ulmer

Die Spitzen- wie die Freizeitathleten trafen entgegen der vielfach pessimistischen Wetterprognosen gestern und im Gegensatz zum verregneten vergangenen Jahr auf optimale Bedingungen: sonnig, trotzdem nicht zu heiß – und trocken. Pünktlich zum Handbike-Start riss die Nebeldecke auf, erst nach der Siegerehrung am frühen Nachmittag zogen die ersten dunklen Wolken auf.

Entsprechend viele Zuschauer säumten die Strecke – und die trieben die Breitensportler zu Bestzeiten und die Profis zu Höchstleistungen. Der Kenianer Charles Maina, mit der starken Zeit von 29:16 Minuten Sieger bei den Männern, winkte schon beim ersten Durchlauf bei Start und Ziel fröhlich ins Publikum, lief den Landsleuten Bethwel Chemweno, Vorjahreszweiter, und Patrick Kemeli, schon vier mal dabei, früh davon und hatte schon nach der ersten Runde fast eine Minute Vorsprung. „Ich bin nach ein paar hundert Metern einfach losgelaufen – und keiner ist mir gefolgt“, sagte der 35-Jährige.

Derart angetrieben habe er ja Höchstleistung bringen müssen. Maina, vor einer Woche Zweiter beim Hamburger Alsterlauf, war voll des Lobes: „Hier war die Stimmung noch besser als in Hamburg.“ Nicht anders erging es Maryanne Wanjiru, in 33:40 Minuten Siegerin bei den Frauen: „Wenn du nur ein bisschen müde wirst, dann bringen dich die Zuschauer wieder auf Trab.“ Die Kenianerin musste sich im Frauenrennen stärkerer Konkurrenz erwehren. Im ersten wie im zweiten Durchlauf lag ein Trio weit vor dem Rest des Feldes: Sabrina Mockenhaupt, begleitet von den Kenianerinnen Wanjiru und Marie Kebaya.

Am Ende blieb Mockenhaupt, seit Jahren das Aushängeschild der deutschen Langstrecke, der dritte Platz. Auf der letzten Steigung hätten sich die beiden Kenianerinnen abgesprochen und seien dann davongezogen, erzählt „Mocki“ gleich nach dem Zieldurchlauf. Aber kein Problem für die Frohnatur aus dem Siegener Land. „Unter 34 Minuten, das macht mich richtig glücklich. Ich bin so froh, dass es wieder so gut läuft“, sagte Mockenhaupt, die im vergangenen Jahr noch unter Beckenschmerzen litt. Und die Neu-Metzingerin wusste ihr Heimspiel zu schätzen: „Die Zuschauer, die treiben dich an, das ist echt der Hammer.“

Auch bei den Männern schaffte es ein Deutscher in die Medaillen- beziehungsweise Preisgeldränge. Amanal Petros lief nur knapp hinter Chemweno auf den dritten Platz. Auch er sei von der starken Unterstützung am Streckenrand angetrieben worden – was der 22-Jährige für den SV Brackwede startende Langstreckler auch nötig hatte. Denn zeitweise habe er auf der Strecke mit Bauch- und Schulterblockaden zu kämpfen gehabt. Nicht zuletzt den langen Märschen mit einem 30-Kilogramm-Rucksack geschuldet. Denn der vor fünf Jahren aus Äthiopien nach Deutschland gekommene Sportsoldat absolviert in Hannover gerade seine Grundausbildung.


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17.09.2017 - 15:25 Uhr