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Angst vor der Armut

Caritas-Mitarbeiter demonstrieren für höhere Löhne

Während die Tarifgespräche laufen, gingen gestern Mitarbeiter der Caritas Baden-Württemberg auf die Straße. Ihre Hauptkritik: Ausgerechnet bei den unteren Lohngruppen wolle der Wohlfahrtsverband sparen.

28.09.2012
  • LSW

Karlsruhe Rund 300 Mitarbeiter der Caritas Baden-Württemberg sind gestern Nachmittag in Karlsruhe für höhere Löhne auf die Straße gegangen. Parallel zu den Demonstrationen liefen die Tarifgespräche der Caritas-Regionalkommission für die rund 59.000 Beschäftigten. Bis zum Abend konnte noch kein Ergebnis erzielt werden. Für Freitag ist eine weitere Verhandlungsrunde angesetzt.

Die Mitarbeiter fordern eine Tariferhöhung von insgesamt 6,3 Prozent. Dies entspräche dem Abschluss im öffentlichen Dienst, der von der Caritas traditionell übernommen wurde. Knackpunkt des Streits ist nun aber die Anhebung der Tarife in den unteren Lohngruppen: Sie sollen von einer Erhöhung weitgehend ausgeschlossen werden. Die Arbeitgeber erklärten, dass die Caritas in diesem Segment bereits bis zu 40 Prozent mehr Lohn zahle als die Konkurrenz in der Altenpflege. Dieser Abstand dürfe durch weitere Erhöhungen nicht noch größer werden, sonst sei der Wohlfahrtsverband nicht mehr wettbewerbsfähig.

Die Mitarbeiter argumentieren, dass die Caritas ihre Glaubwürdigkeit verliere, wenn sie ausgerechnet bei den niedrigen Lohngruppen spare. "Soziale Arbeit ist mehr wert", rief Krankenschwester Hannelore Sliskovic auf der Demonstration. Auf Plakaten machten die Angestellten ihrem Unmut Luft: "Armut macht krank - auch bei der Caritas!" oder "Gute Pflege für schlechten Lohn - Wie?".

Mit dem Jahresmotto "Armut macht krank" setzt sich die Caritas selbst politisch lautstark für bessere Arbeitsbedingungen ein - ein Maßstab, den sie aber bei den eigenen Mitarbeitern, so die Kritik, nicht einhalte. Der junge Sozialarbeiter Jochen Most hat besonders Angst vor der Rente. "Wenn wir jetzt schon so wenig Gehalt bekommen, landen wir später direkt in der Altersarmut", sagte er und fügte sarkastisch hinzu: "Dann werden wir Armen von armen Caritasmitarbeitern gepflegt."

Die Polizei hatte keine Probleme mit den Demonstranten. "Der Protest war lautstark, aber geordnet", hieß es. Die Demonstranten mussten in ihrer Freizeit kommen - denn Streiks und andere Formen von Arbeitsniederlegungen sind bei der Caritas nicht erlaubt.

Caritas-Mitarbeiter demonstrieren für höhere Löhne
Protest in Karlsruhe: Rund 300 Mitarbeiter der Caritas forderten gestern höhere Löhne. Derzeit laufen Tarifgespräche der Caritas-Regionalkommission. Foto: dpa

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28.09.2012, 12:00 Uhr
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