Ausflugsziel

Cabrio unter den Festungen

Von INGRID SACHSENMAIER

Die Yburg hat kein Dach, aber frisch sanierte Fassaden. Die Steinschlaggefahr ist gebannt, jetzt kann man die Festung wieder besuchen.

Cabrio unter den Festungen

Ein Hingucker in den Weinbergen von Stetten ist der Kubus der Yburg. Majestätisch thront sie über dem Remstal. Foto: Ingrid Sachsenmaier

Stetten. Man kann sie nicht übersehen: die Yburg in Stetten. Mitten in den Weinbergen steht der mehrere Stockwerke hohe, quadratische Bau aus hellem Sandstein mit seinen schlanken Fensterluken. Er ist rund 700 Jahre alt und das Wahrzeichen der Weinbaugemeinde im Remstal. In den letzten zwei Jahren wurden die Überreste der ehemaligen Wohnanlage grundlegend saniert und restauriert. Seit ein paar Wochen zeigt sich die Yburg nun wieder ohne Hüllen. Sie wurden rechtzeitig zum Sommer-Gastspiel von Noltes Theater, das zehn Tage lang das alte Gemäuer als Kulisse für seinen „Jedermann“ nutzte, entfernt.

Die Yburg ist umgeben von den besten Weinlagen Stettens, dem Brotwasser und dem Pulvermächer. Sie wurde nicht auf dem Hang errichtet, sondern zu Beginn des 14. Jahrhunderts als Wohnanlage in den Hang hinein gebaut. 1759 entschied Herzog Carl Eugen von Württemberg, die Yburg bis auf die vier Außenwände abzubrechen. In diesem Zustand treffen Spaziergänger und Wanderer sie heute noch an: ohne schützendes Dach, weshalb sie auch als „Cabrio unter den Festungen“ bekannt ist. So steht es in einem Prospekt der Gemeinde.

Ziel für Kunst- und Naturfreunde

Dennoch sind die Gemäuer seit rund sechs Jahren wieder bewohnt: Bronze-Skulpturen des bekannten Strümpfelbacher Bildhauers Karl Ulrich Nuss beleben die Ruine. Sie ist seit den 1960er-Jahren im Besitz der Gemeinde Kernen, zu der Stetten seit der Gemeindereform gehört. Die mannshohen Nuss-Figuren ziehen Kunstliebhaber aus nah und fern an. Weinfreunde gelangen zu der Ruine, weil sie auf dem Stettener Weinweg unterwegs sind oder sich für den Museumswengert und das Trockenmauerprojekt der Allmende Stetten interessieren.

Wanderer kommen an der Yburg vorbei, wenn sie den Remstal-Höhenweg begehen. In einem gemütlichen Fußmarsch erreicht man die Yburg zum Beispiel von der Glockenkelter aus. Beeindruckend ist das Gemäuer für alle, man kann es betreten und dort oben sogar heiraten. Es ist seit jeher ein friedlicher Ort mit einem fantastischen Ausblick, vor allem jetzt im Herbst, wenn die Bäume und Weinreben vielfältige Färbungen annehmen.

Das historische Gemäuer hatte in den letzten Jahren etwas gekränkelt und war aus Sicherheitsgründen von der Gemeinde von einem Tag auf den anderen für Besucher gesperrt worden. Es bestand akute Steinschlaggefahr. Umwelteinflüsse und Regenwasser setzen der Fassade zu. Vor allem die Nord- und Ost-Fassade hatten gelitten. Um die akute Gefahr des Steinschlags haben sich dann Spezialfirmen und Restauratoren gekümmert.

Was zunächst innerhalb weniger Wochen abgeschlossen sein sollte, hat sich dann aber über Monate hingezogen. Zwischen den beiden Schalenwänden hatten sich Hohlräume gebildet. „Das Material aus Bruchstein, mit dem die Außen- und Innenwände aufgefüllt sind, war deshalb ohne Verbindung“, erklärte Thomas Bauer, Sachgebietsleiter beim Hochbauamt der Gemeinde Kernen, zu Beginn der Sanierung im vergangenen Jahr. Die Arbeiten fanden in Absprache mit dem Landesdenkmalamt statt. Zunächst wurden alle maroden Stellen gesichert, teilweise abgeschlagen und wichtige Steinköpfe, etwa um die Fenstergewände herum, rückverankert, dann die Sandsteine konserviert – eine fitzelige Handarbeit. Die gesamte Sanierung veranschlagt die Gemeinde Kernen mit mehreren Hunderttausend Euro.

Ein echtes Schmuckstück

Die Sanierung sieht man der Yburg an. Jetzt, wo die weißen Planen weg sind, sehen ihre Fassaden sauber und fast wie neu aus. Zum Schutz wurde jüngst auf der Seite zum Tal hin ein sogenannter Opferputz aufgebracht. Er soll zur Salzminderung im Mauerwerk beitragen.


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02.10.2017 - 06:00 Uhr