Standort Reutlingen

Bosch will jährlich 220 Millionen Euro sparen

Von Thomas de Marco

Die Firma zieht nach Gesprächen mit dem Betriebsrat Forderungen vorerst zurück.

Die Firma Bosch will nach Angaben der IG-Metall-Chefin Tanja Silvana Grzesch pro Jahr 220 Millionen Euro am Standort Reutlingen einsparen, sonst stehe dieser zur Disposition. Am Sonntag seien der Bosch-Betriebsrat sowie Grzesch bei Standortverhandlungen mit massiven Einsparforderungen konfrontiert worden. Andernfalls drohe künftig Produktverlagerung und Personalabbau, berichtet die Erste Bevollmächtigte der IG Metall.

Die von der Standortleitung aufgelisteten Einsparpotenziale seien so immens und einschneidend, dass der Betriebsrat umgehend die Beschäftigten per Flugblatt, das mittlerweile öffentlich ist, informiert habe. „Wir sind keine Geheimräte, sondern gewählte Betriebsräte, deren Pflicht es ist, solche harten Einschnitte umgehend bekannt zu machen“, sagt Thorsten Dietter, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender. Kürzungen bei Arbeits- und Erfolgsprämie sowie unbezahlte Schichtübergaben seien genannt worden. Ohne diese Kostenreduzierung könnten 2000 Arbeitsplätze vakant werden.

„Es geht maßgeblich um die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts. Wir haben da einen Rückstand von 220 Millionen Euro pro Jahr, den wir zur Zukunftssicherung dringend aufholen müssen“, sagte Kirsten Dohmeyer von der Bosch-Kommunikation in Reutlingen auf TAGBLATT-Nachfrage. Der Standort sei aber keineswegs generell bedroht.

Der Betriebsratsvorsitzende Daniel Müller berichtet, dass im Oktober Verhandlungen begonnen hatten, um den im Februar 2016 angekündigten Abbau von 400 Beschäftigten im Werk Kusterdingen zu reduzieren. Es ging um 250 befristet Beschäftigte und 150 Stammbeschäftigte aus den Werkstätten, die einen neuen Arbeitsplatz im Werk in Reutlingen erhalten sollten.

Wegen widersprüchlicher Äußerungen der Firma habe der Betriebsrat Klarheit für beide Werke verlangt. Am Mittwoch war eine Betriebsversammlung angesetzt. Nach der Frühschicht-Versammlungkonnte Müller einen Erfolg mitteilen: „Die Standortleitung hat sich dazu durchgerungen, dass die Liste der Einsparungspotenziale zunächst zurückgezogen wird. Es sollen nun konstruktive Gespräche zwischen Standortleitung, Betriebsrat und IG Metall für ein nachhaltiges Zukunftskonzept folgen.“ Die derzeitige Beschäftigungssicherung bei Bosch läuft bis Ende 2018.


Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

(c) Alle Artikel und sonstigen Inhalte der Website sind urheberrechtlich geschützt. Eine Weiterverbreitung ist nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Verlags Schwäbisches Tagblatt gestattet.


28.06.2017 - 21:58 Uhr