Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Blade Runner 2049

Blade Runner 2049

In der Fortsetzung des Kultfilms ergründet ein neuer Cop (Ryan Gosling) das Geheimnis seines vor 30 Jahren verschwundenen Kollegen (Harrison Ford).

Blade Runner 2049

Videoplayer konnte nicht geladen werden.

USA 2017

Regie: Denis Villeneuve
Mit: Ryan Gosling, Harrison Ford, Ana de Armas, Jared Leto, Robin Wright

163 Min. - ab 12 Jahren

Tagblatt-Wertung

Leser-Wertung

rating rating rating rating rating

Film bewerten

rating rating rating rating rating
05.10.2017
  • Wilhelm Triebold

Vorneweg: Ein Film von beeindruckender Wucht. Bedrückend schön und trostlos zugleich. Er misst sich an einem großen Vorbild und hält dem stand. Ist unglaublich gut gemacht und doch mehr als nur das. „Blade Runner 2049“ hat, wie sein Vorläufer auch, allemal das Zeug zum zeitlos-endzeitlichen Sci-Fi-Meilenstein.

Erinnern wir uns: Der ursprüngliche Replikantenjäger Deckard war in Ridley Scotts Film von 1982 ein Getriebener durch sauerregenverhangene Straßenschluchten eines überbevölkerten, dabei kaum mehr lebenswerten L.A. - Humanität lehrte ihn ausgerechnet eines dieser außer menschlicher Kontrolle geratenen Kunstprodukte, die Deckard deshalb terminieren sollte. Klassisch der poetische Sterbemonolog dieses Replikanten, von all den Dingen, die er draußen im Orbit sah, und „die ihr Menschen niemals glauben würdet...All diese Momente werden verloren sein in der Zeit, so wie Tränen im Regen.“

„Blade Runner 2049“ knüpft da an. Am Anfang knipst Deckards Nachfolgemodell, zu K. anonymisiert (was manche Kritiker gleich reflexartig an Kafka denken lässt) einem entflohenen Replikanten das Licht aus, der ihn und seinesgleichen noch im Tod bedauert: „Weil ihr noch nie ein Wunder gesehen habt“. Dieser K., den Ryan Gosling mit prosaischem Gleichmut spielt, ist seinerseits ein Humanoid, aus- und abgerichtet aufs Töten, doch plötzlich vom Zweifel und einem Gedanken beseelt. Was, wenn selbst der künstliche Mensch eine Geschichte, eine Vergangenheit, gar eine Kindheit vorzuweisen hätte? Wenn er womöglich geboren, nicht einfach nur erschaffen worden wäre?

In den 30 bis 35 Jahren, die zwischen beiden „Blade-Runner“-Versionen, aber auch zwischen den fiktiven Handlungen liegen, ist unglaublich viel passiert. Futurologen und Science Fiction warnten fasziniert auch immer vor den Gefahren künstlicher Intelligenz, die realer wurden. Und technischer Fortschritt ermöglicht der Illusions- und Erinnerungsmaschine Kino unerhörte Großtaten.

Zu denen zählt auch Denis Villeneuves brillantes Sequel. Es gelingen ihm überwältigende Bilder, noch geschärft durch die 3D-Brille, die den Betrachter zwischen marode Wolkenkratzer stürzen lässt, dass ihm schwindlig wird; von Kampfdrohnen oder Bienen umschwirrt, in plastisch kaputten Trümmerwelten oder in der Natur, die natürlich künstlich ist.

Großes Kino, verspielt, anspielungsreich, dabei entrückt in eine trübe Zukunft blickend wie in den Orkus. Es ist phantastisch, wie der Anti-Held als eine Art mythische Leitfigur sichtbar wird, mit komplexen Hamlet- oder auch Ödipus-Anteilen. Wie er sich einrichtet und doch schwer abfindet am existenziellen Abgrund, mit Traum-Chimären, körperlos gaukelnden Wunschfrauvorstellungen, apokalyptischen Schattenrissen. Um sich danach zu sehnen, was Ernst Bloch die (eben auch innere) Heimat genannt hat: „Etwas, das allen in die Kindheit scheint und worin noch niemand war.“

Irgendwann jagt dieser unbehauste K. keine Replikanten mehr, sondern nur noch einer Illusion hinterher. Ohne zu viel verraten zu wollen: Er kriegt es dabei nicht allein mit einem sinistren Genom-Technologen zu tun, der sich gottvatergleich die mühsam geordnete Erde untertan machen will. Sondern er trifft auch auf Deckard, der zum ersten „Blade-Runner“-Ende untertauchte und nun im nuklear zerstörten Las Vegas mit Hund und Whisky vor sich hin vegetiert.

Harrison Ford, der ausgemusterte Ordnungshüter und knorrig gealterte Wiedergänger in diesem etwas brüchig verworrenen Endzeit-Epos, erweist sich dabei als Schlüsselfigur des Films. Und sorgt für einen Schub an Action, den „Blade Runner 2049“ des Kassenerfolgs und der Effekte willen offenbar doch auch braucht.

Es ist immer ein Schock, wenn die Gegenwart der Prophetie auf den Fersen ist. Im Jahr 1984 angekommen, schien weniger Orwells Gesinnungsterror ein Problem als vielmehr die Umwelt: Bhopal, Dioxinskandal, Wörter des Jahres waren „Waldsterben“, „Saurer Regen“, „Formaldehyd“. Kurz zuvor hatte Ridley Scott den düsteren Blick nach vorn gerichtet. Villeneuve übertrifft ihn noch, lässt staunen und zugleich erschauern.

Mehr als nur eine düstere Dystopie. Ein bildgewaltiger Film mit Hintersinn und zum Nachdenken.

Spielplan
Tübingen , Blaue Brücke
Sa,
21.10
22:45
OF
Mo,
23.10
19:45
OF
Tübingen , Blaue Brücke
Fr,
20.10
19:45
3D
Sa,
21.10
19:45
3D
So,
22.10
19:45
3D
Di,
24.10
19:45
3D
Mi,
25.10
19:45
3D
Reutlingen , Cineplex Planie
Fr,
20.10
16:45
22:45
3D
Sa,
21.10
19:30
3D
So,
22.10
19:30
3D
Mo,
23.10
16:45
3D
Di,
24.10
19:30
3D
Reutlingen , Cineplex Planie
Fr,
20.10
19:30
Sa,
21.10
16:45
22:45
So,
22.10
16:45
Mo,
23.10
19:30
Di,
24.10
16:45
Mi,
25.10
19:30
Hechingen , Schwanenkino
Fr,
20.10
16:45
22:45
Sa,
21.10
16:45
22:45
So,
22.10
16:45
Hechingen , Schwanenkino
Fr,
20.10
19:45
3D
Sa,
21.10
19:45
3D
So,
22.10
19:45
3D
Mo,
23.10
19:45
3D
Di,
24.10
19:45
3D
Mi,
25.10
19:45
3D

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

05.10.2017, 09:15 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Blade Runner 2049





Wir bitten Sie, sachlich zu diskutieren und respektvoll miteinander umzugehen. Bitte kommentieren Sie mit Klarnamen und verzichten Sie auf externe Links. Wir behalten uns vor, Kommentare zu löschen und Nutzer zu sperren. Genauere Regeln fürs Kommentieren finden Sie in unserer Netiquette .

Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.

09.10.2017

00:26 Uhr

Jan schrieb:

Der Film ist in der Tat etwas besonderes, kein 0/8/15 CGI-SciFi-Film. Man sollte den Originalfilm kenne, da er die Geschichte fortführt. Design und Musik folgen ebenso der Ästhetik des Originals. Kein Wunder, denn neben Regisseur Villeneuve hat auch Ridley Scott als Produzent auf Kontinuität geachtet. Scott hat auch mit "2036: Nexus Dawn" und "2048: Nowhere to Run" zwei Kurzfilme gedreht, die die Vorgeschichte zu diesem Film erzählen. Insgesamt ein poetischer SciFi-Film mit optischen und akustischen Leckerbissen sowie Tiefgang.



 
Aus der Filmregion
Neueste Artikel
Filme aus der arabischen Welt Tausende Besucher bei Tübingen Filmfestival
Nachruf · Klaus-Peter Eichele Ein Weltbeobachter und Romantiker
Arabisches Filmfestival Eine Kindheit im Iran
Über Punk-Rock aus Reutlingen 30 Jahre Sumpfpäpste in einem Dokumentarfilm
Arabisches Filmfestival mit weiblicher Handschrift Auftakt mit einer Reise durch den Irak
Film Commission auf Tour So filmreif ist die Region
Zuletzt kommentiert
… „ES“ ist ein Kinderfilm für Erwachsene, denn die Helden sind allesamt angehende Teens. Es sind Pubertierende mit all ihren Nöten aus körperlichen Defiziten, großkotzigen Bullies, die die Stadt zu „ihrer“ Stadt erklären, übergriffigen Eltern und vor allem mit einem uralten Schrecken, der der Stadt schon bei der Gründung eingeschrieben wurde: Pennywise. Das alles kommt so fein austariert und bis ins letzte Detail stimmig umgesetzt daher, dass die Kinder dem empfindsamen Zuschauer recht bald ans Herz wachsen, Kinder einer Zeit und Kultur, in der der Horror für Stephen King noch aus dem Kleinstädtischen erwuchs. „ES“ spart nicht an einigen krassen Effekten, ist aber in seinen besten Momenten (und die sind beileibe nicht rar) dort am stärksten, wo es um das scheinbar Nebensächliche und Beiläufige geht: Wenn der Vater von Beverly seiner Tochter etwas zu lange über das Haar streicht, wenn der dicke Ben in der Bibliothek recherchiert und im Hintergrund die Bibliothekarin nicht weicht, wenn Stanley in der Synagoge ein Bild betrachtet und es irgendwann zurückschaut ….. das sind nur ein paar der vielen Szenen, bei denen es / „ES“ dich beklemmend schaudern macht. Chapeau.
Peter Dorn über Es
Aus der Filmwelt
Neueste Artikel
„Es ist ein großes Puzzle“ Hochklassige Miniserie an vier Abenden
Jean Rochefort ist gestorben Mit Schalk, Charme und Schnauzbart
Stephen Kings „Es“-Verfilmung Es ist zum Fürchten
Harry Dean Stanton mit 91 Jahren gestorben Ein Gesicht, das alles erzählt
Neue Trailer
Neueste
Das Tagblatt bei
Facebook Google+ Twitter Instagram

Kino Suche im Bereich
nach Begriff

Kontakt zum Kundenservice

Abonnement
07071/934-222
vertrieb@tagblatt.de

Anzeigen
07071/934-444
anzeigen@tagblatt.de

Kontakt zu den Redaktionen

Schwäbisches Tagblatt Tübingen
07071/934-0
redaktion@tagblatt.de

Neckar-Chronik Horb
07451/9009-30
nc@neckar-chronik.de

Tagblatt Online         
07071/934-314
online@tagblatt.de

Steinlach-Bote Mössingen
07473/9507-0
sb@tagblatt.de

Rottenburger Post
07472/1606-16
ro@tagblatt.de

Reutlinger Blatt
07121/3259-50
rt@tagblatt.de

Tagblatt Anzeiger
07071/934-344
tagblatt-anzeiger@tagblatt.de

Wirtschaft im Profil
07071/934-166
wip@tagblatt.de


Oder nutzen Sie unser Kontaktformular