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Immer wieder überrascht

Bischof Fürst würdigte in Gottesdienst das Pontifikat Benedikts XVI.

In einem Gottesdienst im Dom St. Martin dankte Bischof Gebhard Fürst vor rund 300 Gläubigen für das Pontifikat Benedikts XVI. Er würdigte ihn als Mann, der den Petrusdienst acht Jahre lang mit weitem Horizont und großer geistiger sowie geistlicher Tiefe geleistet habe.

01.03.2013
  • von Uwe Renz, Ulrich Eisele

Rottenburg. Papst Benedikt habe ihn immer wieder mit seinen theologisch-pastoralen Aussagen überrascht, sagte Bischof Fürst in seiner Predigt. Leider sei vieles nicht durchgedrungen, nicht zu den Gläubigen, und noch weniger in die Medien. Dies hänge mit den Skandalen zusammen, von denen seine Amtszeit überschattet war. Fürst nannte den Missbrauch-Skandal, aber auch das vergebliche Bemühen um eine Einigung mit den Piusbrüdern. Die habe ihn „zutiefst verletzt“ und die katholische Kirche in eine Krise gestürzt.

Überrascht war der Bischof nach eigenen Worten von Benedikts Milde und Demut. „Die Rigoristen werden sich auf diesen Papst nicht berufen dürfen“, meinte er. Eine weitere Überraschung sei für ihn dessen erste Enzyklika gewesen, „Deus est caritas“ (Gott ist die Liebe): Die sei so etwas wie die „Ouvertüre über sein gesamtes Werk“, sagte Fürst, das Leitwort seiner Verkündigung. Manche wichtige Aussagen Benedikts seien bisweilen nicht in ihrer Tragweite erkannt worden oder erst nach einer Zeit intensiver Auseinandersetzung mit ihnen wertgeschätzt.

Als Beispiele nannte Bischof Fürst die Impulse Benedikts, das Verhältnis zwischen Klerus und Laien im Sinne einer größeren Vitalität der Kirche neu zu bestimmen. In diese Richtung hätten auch die Mahnungen gezielt, die Kirche müsse sich immer neu reformieren, um ihren Heilsdienst an und in der Welt leisten zu können.

Als wegweisend hob der Rottenburger Bischof den Einsatz des Papstes hervor, die vielfach durch den Menschen gefährdete Schöpfung Gottes zu bewahren und zu schützen. Zu diesem Engagement zähle das von Benedikt ausgerufene Ziel, der Vatikan solle der erste klimaneutrale Staat der Welt werden. Schmerzlich, so Bischof Fürst, müsse für den Papst aus Deutschland das Scheitern seines Mühens gewesen sein. „Sie haben ihm sein Entgegenkommen bis zuletzt nicht gedankt.“ Auch der offenkundige Vertrauensmissbrauch im Vatikan, deutlich geworden in der so genannten Vatileaks-Affäre, müsse ihn schwer belastet haben.

Mit seinem Rücktritt aus Gründen schwindender Kräfte habe Papst Benedikt ein so überraschendes wie souveränes Zeichen gesetzt. „Dieser Schritt brachte ihm noch einmal weltweit Sympathie und Respekt ein.“ Bischof Fürst wünschte dem zurückgetretenen Papst ein gesegnetes Leben in der Zurückgezogenheit des Vatikans. Er betete für eine gute Zukunft der Kirche und um einen künftigen Papst, der die Kirche in schwieriger Zeit klug und glaubwürdig lenkt.

An dem rund einstündigen Gottesdienst im Dom, der um 19 Uhr begann, nahmen rund 300 Gläubige teil.

Info: Auf www.drs.de ist ein Video vom Gottesdienst zu sehen.

Bischof Fürst würdigte in Gottesdienst das Pontifikat Benedikts XVI.
Rottenburg, Dom, Abschiedsgottesdienst für den scheidenden Papst Benedikt XVI., 2013-02-28, Bild: Eisele

Er hat ein Zeichen nach vorne gesetzt mit seinem Rücktritt. Es muss
nicht alles so sein, wie es war. Dietmar Mieth

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01.03.2013, 12:00 Uhr
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